Vuelta 2023 - Remco Evenepoel zeigt Zähne und Gefühle am Puerto de Belagua: Antwort eines Champions auf 14. Etappe

Remco Evenepoel ist wieder da: Ein Tag nach dem Debakel auf der Königsetappe stieg der Belgier auf der 14. Etappe der Vuelta 2023 wie Phönix aus der Asche und gewann bei der Bergankunft am Puerto de Belagua. Im Ziel wurde der Titelverteidiger von seinen Emotionen übermannt. Die Machtdemonstration sendete ein deutliches Signal an die Konkurrenz: Evenepoel lässt mit neuen Zielen Muskeln spielen.

Tränen nach Solo am Berg: Evenepoel von Gefühlen übermannt

Quelle: Eurosport

Remco Evenepoel konnte seine Gefühle nicht verbergen. Nachdem der Titelverteidiger im Ziel zum Stehen kam, senkte er seinen Kopf auf den Lenker, hielt sich die linke Hand vor die Augen und weinte hemmungslos. Tränen tropften vom Kinn des Belgiers auf den Boden am Puerto de Belagua. Tränen, der Freude, des Stolzes und der Erleichterung.
Bei der Bergankunft in den Pyrenäen hatte Evenepoel auf der 14. Etappe seinen zweiten Triumph der Spanien-Rundfahrt eingefahren. "Ich kann sehr stolz auf diese Antwort sein", sagte der 23-Jährige, der sich nach seinem Debakel am Freitag eindrucksvoll zurückmeldete.
Am Tag zuvor, auf der Königsetappe zum Col du Tourmalet, hatte der Mitfavorit im Kampf um das Rote Trikot einen brutalen Einbruch erlitten und alle Hoffnungen auf die Titelverteidigung begraben müssen.
Auf die Konkurrenten im Klassement verlor er über 27 Minuten. "Gestern war ein sehr schwerer Tag", gab Evenepoel zu: "Ich konnte nicht besonders viel schlafen, hatte eine sehr schlechte Nacht und viele negative Gedanken."

Evenepoel schlägt sofort zurück

Der Tank sei einfach leer gewesen, hatte er am Abend bei "X" erklärt, den Blick mit einer Kampfansage aber umgehend nach vorne gerichtet: "Wölfe geben niemals auf!"
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Remco Evenepoel triumphierte auf der 14. Etappe der Vuelta 2023

Fotocredit: Eurosport

Keine 24 Stunden später ließ der selbsternannte Wolf Taten sprechen: Von Beginn an zeigte Evenepoel dem Peloton die Zähne und setzte das Feld schon im flachen Teil mit zahlreichen Attacken unter Druck.
"Heute bin ich aufgewacht und habe mir gesagt: Pack es an, mach das Beste draus", verriet der Zeitfahrweltmeister. Bereits 90 Kilometer vor dem Ziel in Larra-Belagua hatte er sich an der Spitze mit Romain Bardet abgesetzt. Zu keinem Zeitpunkt ließ Evenepoel auch nur den Hauch eines Zweifels an seiner Tagesform aufkommen.

Evenepoel in Merckx-Manier

"Es ist unglaublich, was er geleistet hat. Er ist so unfassbar schnell", verneigte sich Bardet, der in der Abfahrt in die Pedale treten musste, um mit dem Belgier Schritt zu halten und zwischenzeitlich von Krämpfen geplagt war. Doch Bardet und Evenepoel arbeiteten Hand in Hand, sprachen sich immer wieder ab und lösten sich mehr und mehr vom Peloton.
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Highlights: Evenepoel schlägt nach Debakel eindrucksvoll zurück

Quelle: Eurosport

Während der Belgier in den Bergen das Tempo bestimmte, fuhr der 32-Jährige im Flachen voran. "Romain hat fantastisch kooperiert, wir haben fantastisch zusammengearbeitet", lobte der Kapitän vom Team Souda Quick-Step. Auch Bardet profitierte, rollte als Zweiter (+1:12 Minuten) ein bedankte sich mit einer innigen Umarmung bei Evenepoel.
Erst vier Kilometer vor dem Gipfel hatte sich Evenepoel abgesetzt und war mit einer wahren Machtdemonstration als Solist zum Coup am Puerto de Belagua gestürmt. "Ich wusste, dass er à la Eddy Merckx gewinnen wollte", sprach Bardet auf Evenepoels Landsmann an.
Auch die belgische Legende, die fünf Mal die Tour und den Giro für sich entschied, zeigte der Konkurrenz regelmäßig in imposanter Manier die Grenzen auf und attackierte bisweilen auch schon zu Etapenbeginn. Wie Evenepoel am Sonnabend. Dem Roten Trikot nahm er mehr als acht Minuten ab.
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Romain Bardet und Remco Evenepoel

Fotocredit: Getty Images

Gegner verneigen sich vor Evenepoel

Ein Ausrufezeichen, das auch den Jumbo-Visma-Rivalen eine Menge Respekt abnötigte. "Es war eine beeindruckende Fahrt", erkannte Tour-Champion Jonas Vingegaard und bezeichnete es als "cool, dass er so zurückgekommen ist."
Der Gesamtführende Sepp Kuss, der das Rote Trikot erneut souverän verteidigte, zog seinen Hut davor, dass der Belgier "nach dem enttäuschenden gestrigen Tag gewinnen konnte."
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Vingegaard beeindruckt: "Evenepoel hat den Sieg verdient"

Quelle: Eurosport

Schon am Morgen war klar, dass Evenepoel auf seine Schmach von der Königsetappe am liebsten schon am nächsten Tag eine Reaktion zeigen wollte. "Als ich aufstand, hatte ich sofort ein frisches Gefühl", sagte Evenepoel, der den Fokus nun mitunter auf Tagestriumphe legt: "Es ist eine neue Situation mit neuen Zielen. Und wir waren auf Anhieb erfolgreich."

Aufgestanden wie ein "Champion"

Entsprechend emotional reagierte der Belgier nach seinem zweiten Etappensieg bei der Vuelta 2023. "Es war eine Achterbahn der Gefühle für ihn", analysierte Eurosport-Experte Robert Bengsch: "Heute hat er sich wie ein richtiger Champion zurückgemeldet."
Dabei hatte der Tag insbesondere für Evenepoel mit einer tragischen Nachricht begonnen. Die verheerenden Erdbeben mit mehr als 1000 Verstorbenen in Marokko, dem Herkunftsland seiner Ehefrau Oumaima, bewegte den 23-Jährigen. "Mein Herz und Gedanken sind bei den Menschen Marokkos, den Opfern, Familien und ihren Freunden", schrieb der 23-Jährige am Morgen bei "X" (vormals "Twitter").
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Evenepoel schlägt zurück: "Sehr stolz auf meine Antwort"

Quelle: Eurosport

Auf der Strecke ließ er sich davon aber nicht beirren. Mit seiner Machtdemonstration am Puerto de Belagua schlüpfte Evenepoel zudem in das Trikot des Bergbesten, das er Tour-Gewinner Vingegaard entriss. "Ich wäre gerne einen weiteren Tag im Bergtrikot gewesen", bedauerte der Däne, zeigte sich aber als fairer Verlierer: "Er hat attackiert, hat es sich geholt und es verdient."
Ein Fakt, der dem Belgier nun zusätzlichen Mut und Ansporn verleiht.

Evenepoel setzt sich neue Ziele

Die Vuelta, so Evenepoel, könne trotz der Schmach am Freitag nämlich noch großartig werden. Mit neuen Zielen im Gepäck schickte er eine neuerliche Kampfansage an die Konkurrenz: "Es ist noch nicht vorbei!"
Drei Bergetappen warten noch auf das Peloton. Der 23-Jährige dürfte bei allen Teilstücken mit dem Messer zwischen den Zähnen ankommen. "Das Bergtrikot und ein paar Etappensiege: Das ist ein toller Anreiz auf dem Weg nach Madrid", betonte Evenepoel im Interview mit Eurosport.
Am Abend ließ er einmal mehr durchblicken, aus welchem Holz er geschnitzt ist: "Es geht nicht darum, was Dir widerfährt, sondern wie du darauf reagierst. Gib niemals auf." Dahinter setzte er ein Wolf-Emoji und den Hashtag #TheWolfback. Wer den Belgier nach dem Debakel auf dem Weg zum Tourmalet abgeschrieben hatte, sieht sich nur einen Tag später eines Besseren belehrt.
Mit Evenepoel ist wieder zu rechnen. Und wie!
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