Rad-WM: Remco Evenepoel und das verhinderte Duell mit Tadej Pogacar - Radwechsel und Technik-Frust sorgen für Wirbel

Es war angerichtet für das große Duell zweier Superstars bei der WM in Kigali. Remco Evenepoel hatte sich nach seiner dominanten Vorstellung beim Zeitfahren zum großen Favoriten aufgeschwungen, den Rivalen Tadej Pogacar sogar mit der Überholung im Kampf gegen die Uhr gedemütigt. Doch der Slowene kehrte die Verhältnisse beim Straßenrennen um, begünstigt durch technische Probleme des Belgiers.

"Fahr einfach Fahrrad!" Eurosport-Experten kritisieren wütenden Evenepoel

Quelle: Eurosport

Die Vorentscheidung über WM-Gold kam schon 106 Kilometer vor dem Ziel: Pogacar verschärfte am Mount Kigali das Tempo, Evenepoel war für einen Moment am Rad, ließ dann reißen und fiel Position um Position zurück. Nach dem Anstieg wechselte der Belgier das Rad und jagte der Verfolgergruppe nach, kurz darauf sah man ihn wieder frustriert am Straßenrand stehen.
Lange wartete er auf sein Teamfahrzeug und wechselte ein zweites Mal das Rad. Wieder musste der 25-Jährige - unterstützt von seinen Teamkollegen - eine Aufholjagd starten. Als er die Reste des Felds wieder erreichte, war klar: Pogacar ist enteilt. Zwischenzeitlich betrug sein Rückstand am Rundenende 1:39 Minuten. Im Ziel waren es 1:28 Minuten - hat Evenepoel Gold durch sein Pech verloren?
Seine Teamkollegen vertraten im Anschluss diese Meinung. Quinten Hermans, der seinen Kapitän zu den Verfolgern zurückbrachte, sagte nach dem Rennen: "Hätte Remco dieses Pech nicht gehabt, wäre er Tadej ebenbürtig gewesen." Dieses Gefühl schien Evenepoel auch im Ziel nicht loszulassen, auch wenn er sich zu einem verhaltenen Winken in Richtung Zuschauer verleiten ließ.
"Es war viel Frust dabei, weil ich weiß, dass es ohne die Probleme anders hätte laufen können", sagte er im Ziel. "Ich habe mich vom Start an sehr gut gefühlt. Hätte ich die Krämpfe am Mount Kigali nicht gehabt, dann hätte ich bei Pogacar und Del Toro bleiben können, das Rennen wäre nicht gelaufen gewesen, wir hätten so lange wie möglich zu dritt bleiben können."
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Remco Evenepoel war nach technischen Schwierigkeiten im WM-Rennen sichtlich frustriert

Fotocredit: Getty Images

Dieser Meinung ist auch Eurosport-Experte Jens Voigt: "Ohne diese Fahrradwechselei und ohne den Frust, die Enttäuschung und die Wut wäre er deutlich dichter an Pogacar dran gewesen, vielleicht sogar fast mit ihm gemeinsam angekommen. Wenn man das rausrechnet, war der Unterschied zwischen den beiden sehr gering."

Mit zweimal Pech das Rennen verloren

"Bei seinem ersten Fahrrad brach der Sattel ab, nachdem er kurz vor Mount Kigali in ein Schlagloch gefahren war", sagte Evenepoels Mechaniker Dario Kloeck. "Remco fuhr danach lange Zeit mit einem kaputten Fahrrad. Die Sattelvorderseite war um zwei Zentimeter abgesunken. Die Klemme brach ab, und der Sattel kippte nach unten. Dagegen kann man nichts machen."
Nach Aussage Evenepoels passte die Sattelposition auch auf dem Ersatzrad nicht vernünftig. Am Mount Kigali spürte er aufgrund der Position Krämpfe, auch danach fühlte er sich nicht wohl. "Tadej hat attackiert, was ich mehr oder weniger wusste, aber ich verkrampfte komplett und konnte nicht ordentlich treten", sagte Evenepoel selbst. "Das mag komisch klingen, aber so ist es, wenn sich die Position so drastisch ändert. So war es auch an der Mauer von Kigali."
"Wir haben es noch dreimal überprüft, aber der Sattel hatte die gleiche Höhe wie bei seinem anderen Rad", erklärte Kloeck. "Was genau nicht stimmte, werden wir später herausfinden, aber ich denke, es lag hauptsächlich am Frust. Er hat unnötig viel Zeit verloren."
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Vom Pech verfolgt: Evenepoel erklärt seine Problemserie im WM-Rennen

Quelle: Eurosport

Der zweite Radwechsel dauerte besonders lange, weil der Belgier auf seinen Teamwagen warten musste - dann passte es und der Doppel-Olympiasieger erwies sich für den Rest des Rennens als stärkster Fahrer hinter Pogacar.
An dieser Stelle lag auch laut Voigt der Hauptfehler: "Dieses Rad hätte er in Ruanda noch einmal Probe fahren müssen. Das ist offenbar nicht passiert. Im Fernsehen konnte man wenig erkennen, aber ein sensibler Fahrer wie Remco, der 10.000 Kilometer mit diesem Rad fährt, der spürt so etwas. Nun muss man sich einen Plan überlegen, aber einfach anhalten, war die schlechteste Option. Er hätte weiterfahren können und auf dem Rundkurs seine Mechaniker auf den Fahrradwechsel eine Runde vorbereiten können. Dann wäre das in einer geplanten Umgebung passiert und er hätte zehn Sekunden statt einer Minute verloren."

Evenepoel frustriert: "Warum sollte ich weitermachen?"

"Ich habe mir die Abstände angesehen und war 1:45 Minuten hinten oder so und habe mich gefragt - 'warum sollte ich weitermachen?' - es waren noch fünf Runden. Das war ein schwieriger Moment", beschrieb der Belgier die Aufholjagd aus seiner Sicht. "Nach dem zweiten Radwechsel hatte ich ein viel besseres Gefühl, ich konnte kurbeln und hatte keine Krämpfe mehr."
Seine nächste Chance zum Beweis seiner exzellenten Form erhält Evenepoel schon am Mittwoch im Einzelzeitfahren der Europameisterschaften (live im TV bei Eurosport und im Stream bei discovery+) in der französischen Region Drome-Ardeche. Im Straßenrennen kommt es zum letzten Aufeinandertreffen der "Big Three" in diesem Jahr: Neben Evenepoel und Pogacar hat sich auch Jonas Vingegaard angekündigt.
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Highlights: Pogacar nach Mega-Solo erneut Weltmeister

Quelle: Eurosport


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