Rad-WM: Tadej Pogacar toppt sein Solo von 2024 - Remco Evenepoel scheitert an Technik - Drei Dinge, die auffielen

Einer der härtesten WM-Kurse überhaupt krönte den neuen und alten Weltmeister. Tadej Pogacar feiert mit seinem 66-Kilometer-Solo ein besonderes Meisterstück. Ein Titelgewinn, der fast wie eine Kopie der Titelkämpfe von Zürich 2024 anmutet - und doch ganz anders war. Herausforderer Remco Evenepoel hingegen haderte mit seinem Schicksal - das große Duell wurde vertagt. Drei Dinge, die auffielen.

Highlights: Pogacar nach Mega-Solo erneut Weltmeister

Quelle: Eurosport

Wie schwer das WM-Rennen 2025 war, zeigte schon ein schneller Blick aufs Ergebnis: Nur 30 von 165 Fahrern erreichten das Ziel.
Es war von Anfang an klar, dass dieser Kurs die stärksten Fahrer begünstigen würde. Und genau so kam es. Der slowenische Dominator legte seine Karten schon 106 Kilometer vor dem Ziel auf den Tisch. 40 Kilometer später konnte der letzte Begleiter Isaac Del Toro nicht mehr folgen und Pogacar fuhr als Solist ins Ziel.
Bei der ersten Attacke musste der große Herausforderer Evenepoel schon abreißen lassen: Der Belgier haderte mit seinem Material, war zwischenzeitlich stinksauer und mit seinem Schicksal unzufrieden - nicht aber mit seiner Form. Die Silbermedaille war am Ende der gerechte Lohn für den zweitbesten Fahrer des Tages.
Nicht nur die "Extra-Runde" um den Mont Kigali und die Mauer von Kigali vor tausenden begeisterten Fans zeigte zudem: Die ersten Titelkämpfe in Afrika waren besondere, wie auch den Fahrern bewusst war.
Drei Dinge, die beim Straßenrennen der WM in Kigali auffielen:

1. Pogacar zeigt sein größtes Solo

Die statistischen und historischen Superlative eines Tadej Pogacar sind nach dem zweiten WM-Titel in Folge um ein weiteres Kapitel reicher. Der Slowene "benötigte" diesen Titel nicht, um seinen Status im Olymp des Radsports zu zementieren. Und doch lieferte er ein weiteres Mal mit einer atemberaubenden Show ab.
Die Vorzeichen und der Ablauf waren dennoch andere als im Vorjahr in Zürich oder bei anderen langen Solo-Ritten des Dominators, die inzwischen auch an zwei Händen nicht mehr abzuzählen sind.
Pogacar ging angezählt in das Duell. Als Mitfavorit setzte es für den Slowenen im Einzelzeitfahren eine herbe Pleite gegen Evenepoel, auf den letzten Kilometern wurde er sogar von seinem Kontrahenten überholt. Aber Pogacar wäre nicht Pogacar, wenn er sich von diesem Dämpfer langfristig beeinflussen ließe.
Der 28-Jährige ging frühzeitig in die Offensive - nicht, weil er eigene Meisterleistungen übertreffen wollte, sondern weil es das Streckenprofil hergab. Der Mont Kigali war der anspruchsvollste Anstieg des Kurses, sein Ziel an dieser Stelle eine Vorselektion. Und was sich auf dem Papier danach wie eine Triumphfahrt über ein Drittel des Rennens las, war ein Kampf gegen viele Rivalen über 100 Kilometer. In der Verfolgergruppe waren zahlreiche Mannschaften - Belgien, Italien, Australien etwa - mit mehreren Fahrern vertreten und gingen auf die Jagd.
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Pogacar geht am Mont Kigali – Evenepoel lässt reißen

Quelle: Eurosport

Der Abstand entwickelte sich nicht einfach in eine Richtung, sondern schwankte lange bei 30 bis 45 Sekunden. Und auch die Schlussrunde war, das zeigte die Erfahrung der vergangenen Woche, hart genug, um auch an einem einzelnen Anstieg viel Zeit zu verlieren, wenn der Tank leer gewesen wäre. Beim alten und neuen Weltmeister war das nicht der Fall, er zeigte kein Anzeichen von Schwäche und seine Rundenzeiten wurden im Verlauf des Rennens sogar immer schneller: Er hatte sich also die nötigen Reserven für die entscheidende Phase aufgespart.
Pogacar hat den Radsportfans in der Vergangenheit zahlreiche beeindruckende Soli geboten. Doch betrachtet man die Situation, die Konkurrenz und die Art und Weise, dann war der WM-Titel in Kigali sein bisher vielleicht eindrucksvollstes. Denn statt Brechstange war hier auch viel Berechnung und Anpassung an ein sich mehrfach veränderndes Renngeschehen gefragt.
"Wir hatten viel Druck", gestand der 27-Jährige im Anschluss ans Rennen am Eurosport-Mikrofon. Er habe unterwegs gezweifelt - doch er dominierte das Rennen im Stile eines Champions.
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Tadej Pogacar und Remco Evenepoel bei der WM 2025 in Ruanda

Fotocredit: Getty Images

2. Evenepoel ausgebremst: Duell verschoben

An der besonderen Konkurrenzsituation für Pogacar bei dieser WM hatte Evenepoel entscheidenden Anteil. Der Belgier kam in Topform in Ruanda an und unterstrich diese mit einem extrem souveränen Sieg im Einzelzeitfahren.
Dieser Triumph machte ihn im Hinblick aufs Straßenrennen zu einem mindestens ebenso großen Favoriten auf den Titel wie den Slowenen. Am Mont Kigali verlor er den Anschluss - und technische Probleme waren daran nicht unbeteiligt.
"Ich fühlte mich großartig", sagte Evenepoel im Ziel am Eurosport-Mikrofon. "Kurz vor dem Mont Kigali habe ich ein Schlagloch erwischt und meine Sattelstütze ist komplett heruntergerutscht. Die Position war so anders, dass ich anfing, Krämpfe zu haben. So konnte ich den Attacken nicht mehr folgen."
Damit nicht genug, die Ersatzmaschine war nicht ideal eingestellt, eine falsche Sattelneigung sorgte für Rückenschmerzen. Zuerst versuchte Evenepoel mit roher Gewalt, die Sattelnase nach unten zu bewegen, doch dann wurde ein neuer Wechsel unumgänglich. Dabei ging viel Zeit verloren, denn im WM-Rennen war kein Funk erlaubt. Aus einer Lücke, die gerade erst auf 45 Sekunden reduziert worden war, wurde wieder ein rund doppelt so großer Abstand zu Spitze für ihn.
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Vom Pech verfolgt: Evenepoel erklärt seine Problemserie im WM-Rennen

Quelle: Eurosport

Es ist müßig, darüber zu diskutieren, was für den Red Bull-Neuzugang mit idealem Material möglich gewesen wäre ("Ich glaube, ich hätte ihm folgen können") - auf dem Rundkurs im Finale zeigte er, dass die Konkurrenz hinter Pogacar ihm nicht gewachsen war. 20 Kilometer vor dem Ziel ließ er seine verbliebenen Begleiter stehen und fuhr souverän zu Silber.
Das direkte Duell der beiden Überflieger dieser WM fiel also am Sonntag aus - doch es ist nur aufgeschoben: Bei der nun anstehenden EM in Frankreich (live im TV bei Eurosport und im Stream bei discovery+) gibt es Gelegenheit zur Revanche - und dann mischt auch Jonas Vingegaard mit!
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"Fahr einfach Fahrrad!" Eurosport-Experten kritisieren wütenden Evenepoel

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3. Beeindruckende WM-Premiere in Afrika

Aus politischen und logistischen Gründen, aber auch aus Fan-Sicht war diese erste WM in Afrika ein Risiko, ein Experiment. Ruanda gilt zwar seit Jahren als das radsportbegeistertste Land des Kontinents, aber dass diese Wettbewerbe auch vom Publikum angenommen und stimmungsvoll sein würden, dafür gab es keine Garantien. Aber Kigali beeindruckte, die Bilder von der Côte de Kimihurura, der Mur de Kigali, dem Mont Kigali und vom Ziel am Convention Center werden lange in Erinnerung bleiben.
"Vom Rundkurs zum Mont Kigali zu fahren, war eine der ganz besonderen Momente meiner Laufbahn", berichtete der Slowene Matej Mohoric nach dem Rennen. "Es waren beeindruckende Menschenmengen dort, alle mit breitem Lachen - sehr eindrucksvoll. Die Menschen hier sind wirklich anders als wir in Europa - in positiver Hinsicht: Sie besitzen nicht viel, aber sie machen das Beste daraus, sind glücklich, die Kindern springen mit einem Lächeln umher."
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Gänsehaut pur: Pogacar und Del Toro hängen Ayuso an der Mauer von Kigali ab

Quelle: Eurosport

Am Mont Kigali und an der Mauer von Kigali feuerten Tausende die Stars an - auch wenn es (noch) wenige aus ihrem Heimatland an vorderster Front zu bestaunen gab. Das ist nicht selbstverständlich und hat diese WM in Ruanda zu einem gelungenen Pionier-Projekt gemacht.
"Ich hoffe, dass in einigen Jahren Kinder auf das Rad steigen und einen Sinn im Radfahren finden", sagte Demi Vollering nach dem Straßenrennen der Frauen. "Das ist es, was wir hier tun wollten. Wir wollten inspirieren und zeigen: 'Du kannst es schaffen.'" Diese Ziele sollten es dem Radsport wert sein, den eigenen Horizont immer öfter zu erweitern.
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Pogacar muss aufs Dixi: "Kostet Sloweniens Mannschaft richtig Kraft"

Quelle: Eurosport


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