Frank Wörndl über das Saison-Aus von Ski-Ikone Marcel Hirscher: "Das sollte eine Warnung für alle sein"

"Kreuzband weg, Projekt vorbei!" Für Marcel Hirscher ist der Traum von einer Teilnahme bei den alpinen Ski-Weltmeisterschaften 2025 in Saalbach-Hinterglemm jäh geplatzt. Ein Trainingsunfall beendet seine viel beobachtete und diskutierte Rückkehr in den Weltcup im Bruchteil einer Sekunde. Frank Wörndl, Slalom-Weltmeister 1987, legt sich fest: "Die Geschichte ist vorbei. Der Traum ist ausgeträumt."

Zu spät am Tor, dann ein Schrei: So verletzte sich Hirscher

Quelle: Eurosport

Nach dem verpassten zweiten Lauf beim Slalom-Auftakt in Levi und dem schnellen Aus in Gurgl wirkte Hirscher zuletzt irritiert und ratlos zugleich. Zahlreiche Trainingsläufe und Materialtests sollten den achtfachen Gesamtweltcupsieger nach seiner Rückkehr in den alpinen Ski-Weltcup in diesen Tagen wieder auf Kurs bringen - die Rennen in Val d'Isère neue Erkenntnisse auf dem langen, steinigen Weg zu einer Teilnahme bei der Heim-WM in Saalbach-Hinterglemm herbeiführen.
Ausgerechnet einer dieser Trainingsruns wurde zum "letzten Lauf der Saison", wie es Hirscher auf "Instagram" beschrieb.
Der Salzburger war auf seinem Home Ground auf der Reiteralm in der Steiermark zwischen den Riesenslalom-Toren "gut unterwegs", analysiert Wörndl, bis es dann doch passiert ist: "Er rutscht auf dem Innenski weg, während der Außenski auf der Kante hängen bleibt. Eine unglückliche Verkettung - der Unterschenkel verdreht sich gegen den Oberschenkel, und genau dabei muss es passiert sein."
Es war keine spektakuläre Aktion, doch im Skisport kommen solche Szenen leider öfter vor. "Bei Marco Schwarz in Bormio war es damals ganz ähnlich", so Wörndl weiter.
Hirscher erlebt nun mit 35 Jahren erstmals "das leidige Thema Kreuzband, das schon viele erleben mussten, am eigenen Leib", wie er in einer Pressemitteilung seiner Ski-Marke "Van Deer" erläutert. Der Salzburger wurde in der Privatklinik Graz Ragnitz von Dr. Jürgen Mandl und Dr. Mark Passl eineinhalb Stunden erfolgreich am linken Knie operiert. Die Ärzte gaben sich optimistisch, die Chancen auf einen "guten Heilungsverlauf" seien hoch.
Die alpine Skiszene fragte sich seit Monaten, ob Hirscher an alte Glanzzeiten anknüpfen könne. Seine Fans hofften an eine Auferstehung des 67-fachen Weltcupsiegers, der es nach fünfjähriger Abwesenheit mit einem neuen Team, einem "Start-Up", wie er es bezeichnete, noch einmal wissen wollte.
Seine Bücher waren früher prall gefüllt, nun seien sie leer, suchte Hirscher ob seiner Materialprobleme zuletzt händeringend nach Erklärungen. Er fand keine Balance auf den Brettern, die ihn weltweit zu einem Superstar machten.

Der Körper hat seine Grenzen

"Es war ein Versuch, der meinen größten Respekt verdient. Doch daraus sollte man die Lehre ziehen: Nach fünf Jahren Pause und in einem Alter, in dem man dem Rennsport üblicherweise nicht mehr aktiv nachgeht, ist ein solches Projekt kaum realisierbar - selbst für einen Ausnahmeathleten wie Marcel Hirscher nicht", meint der ehemalige Ski-Weltmeister Wörndl.
"Das sollte eine Warnung für alle sein, die nach einer langen Auszeit in hohem Alter ein Comeback planen. Der Körper hat seine Grenzen. Ein 40-Jähriger wird niemals die 100 Meter unter zehn Sekunden laufen."
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Stets fokussiert: Marcel Hirscher

Fotocredit: Getty Images

Dem heute 65-jährigen Wörndl fiel besonders Hirschers muskulöse Statur auf: "Für das Comeback hat er in wenigen Monaten massiv Muskeln aufgebaut. Doch der Sehnenapparat braucht Zeit, um sich an die neue Muskulatur anzupassen. Ich bin kein Arzt, aber das Zusammenspiel zwischen schnell aufgebauten Muskeln und Sehnen ist immer problematisch. Beim Skifahren ist die Belastung auf das Kniegelenk enorm hoch."
Für Wörndl, der jahrelang für Eurosport als Ski-Experte Rennen kommentierte und analysierte, war das Comeback mit 35 ein Versuch, "auch wenn dieser für Marcel leider unglücklich endete". Schließlich wünsche ihm das niemand.
Doch dieser Ausgang zeige auch, wie hart der Skisport als Leistungssport sei. Und es verdeutlicht:
Marcel Hirscher ist ein Mensch. Selbst er kann das Rad der Zeit nicht zurückdrehen. Die Geschichte ist vorbei. Der Traum ist ausgeträumt.
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Hirscher räumt nach Aus ein: "Mein Buch ist fast leer"

Quelle: Eurosport


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