Abfahrt in Gröden: ÖSV wartet seit fast drei Jahren auf Sieg in der Königsdisziplin - Kriechmayr und Co. in der Krise
VonJan Zesewitz
Update 21/12/2025 um 08:49 GMT+1 Uhr
1001 Abfahrten gab es in der Geschichte des Weltcups bisher, so schlecht wie bei den beiden Rennen in Gröden (Val Gardena) haben Österreichs Speed-Fahrer selten abgeschnitten. Die stolze Ski-Nation steckt in der Königsdisziplin der Alpinen seit Jahren in der Krise. Auf der Saslong erlebten Vincent Kriechmayr und Co. einen Tiefpunkt - keine Top-Ten-Platzierung sprang für die ÖSV-Athleten heraus.
Schweizer Überflieger dominieren Abfahrt: Highlights aus Gröden
Quelle: Eurosport
"In der Abfahrt fehlt mir einfach ein bisschen die Überzeugung", räumte Kriechmayr, die Galionsfigur der Speedfahrer aus dem Alpenland, gegenüber dem "ORF" ein. "So wie ich gefahren bin, gehöre ich nicht vorne hin. Mein Gott, es kommen wieder andere Rennen, aber ich bin froh, dass ich weg bin aus Gröden."
In der 1000. Abfahrt des Weltcups gab es am Donnerstag ein historisch schlechtes Ergebnis. Die drei besten Österreicher landeten auf den Plätzen 14, 15 und 16 (Stefan Babinsky, Daniel Hemetsberger und Stefan Rieser), Kriechmayr wurde sogar nur 24. - und raunzte den Teamkollegen Babinsky im Ziel für dessen Freude an: "Jubel nicht!" Dabei war es für den 29-Jährigen das beste Saisonergebnis und das fünftbeste Abfahrtsergebnis seiner Karriere.
Für ein derartiges österreichisches Ergebnis in einer Gröden-Abfahrt muss man lange in den Annalen blättern. 2012 wurde Joachim Puchner als stärkster Östereicher 13. - Abfahrt Nummer zwei am Samstag lief kaum besser.
Mit Startnummer 50 fuhr Andreas Ploier als Elfter das Topergebnis seiner Nation heraus, war am Ende ein Zehntel schneller als Kriechmayr, der 13. wurde.
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Vincent Kriechmayr muss das Rennwochenende in Gröden als Enttäuschung abhaken
Fotocredit: Getty Images
Der ÖSV wartet bei den Männern seit elf Weltcup-Abfahrten auf einen Podiumsplatz, der letzte Sieg ist 1012 Tage her - Kriechmayr gewann zum Saisonabschluss in Soldeu im März 2023.
Nur in der Männer-Abfahrt hakt es beim ÖSV
Der Leader war noch nie ein Freund der Strecke auf der Saslong - in seiner Karriere steht ein siebter Platz als bestes Ergebnis zubuche. "Mich fuchst es hier", sagte der 34-Jährige, der auf einen generellen Missstand hinwies: "Wir stehen in der Abfahrt mannschaftlich nicht so da, wie wir das wollen."
Dabei hatte der ÖSV vor der Olympia-Saison vor, an genau diesem Problem zu arbeiten. Speedcoach Andreas Evers wurde ebenso neu installiert wie Alpinchef Christian Mitter. "Das Wochenende in Gröden war schwierig, aber wir befinden uns in einem Prozess", sagte dieser zum Abschneiden in den Dolomiten.
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Sieg in Val d’Isère: Hütter in Abfahrt nicht zu schlagen
Quelle: Eurosport
Es läuft bei Weitem nicht alles schlecht im österreichischen Lager. Disziplin- und geschlechterübergreifend hat das Team bereits fünf Weltcup-Siege eingefahren - so viele wie im gesamten vergangenen Winter. Cornelia Hütter zeigte in Val d'Isère den Männern mit ihrem Sieg, wie es in der Abfahrt funktionieren kann. Zudem gewann Kriechmayr den Super-G in Beaver Creek und wurde in Copper Mountain in dieser Disziplin Zweiter.
Allein in der Abfahrt bei den Männern knirscht es spürbar. "Wir müssen eine größere Dichte kriegen", meinte Mitter. Wo die herkommen soll, fragt sich da ein zerknirschter Kriechmayr: "Vielleicht war in den letzten zehn Jahren der Abfahrtssport im Skiverband nicht so wichtig, vor allem im Jugendbereich", meinte er. "Dass dann die Speedfahrer nicht herausschießen wie die Pilze, ist klar."
Odermatt, von Allmen und Co. - Eidgenossen machen es vor
Ausgerechnet bei den großen Konkurrenten aus der Schweiz gelingt derzeit offensichtlich genau das. Franjo von Allmen und Marco Odermatt fuhren in Gröden am Samstag in einer eigenen Liga. Elf Abfahrten gewannen die Eidgenossen seit dem letzten österreichischen Sieg, allein in der vergangenen Saison sechs von acht.
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"Wieder eine Teufelsfahrt": Odermatt spektakulär in Gröden
Quelle: Eurosport
Um die Schmach für die Österreicher noch schlimmer zu machen, fahren nicht nur von Allmen und Odermatt - und teils Stefan Rogentin, Alexis Monney und Niels Hintermann - den Nachbarn davon, sondern in Gröden am Samstag auch der erst 23-jährige Alessio Miggiano. Dieser kam in seiner sechsten Weltcup-Abfahrt auf einen überraschenden fünften Platz.
Das Schweizer Speedteam ist aktuell das Maß aller Dinge. Diesen Anspruch haben eigentlich auch die ÖSV-Athleten. Aber nicht nur die Schweizer, auch die Franzosen und Italiener stehen in der Nationenwertung derzeit vor den Österreichern. Die Eidgenossen sammelten alleine am Samstag in Gröden mehr Weltcup-Punkte in der Abfahrt als die Österreicher in allen drei bisherigen Downhill-Wettbewerben.
Franz' Rückkehr als unvollendeter Lichtblick
Einen Lichtblick gab es dennoch aus österreichischer Sicht - auch wenn dieser ohne Happy End blieb. Mit Startnummer 31 fuhr Max Franz aus dem Starthaus. Nach 45 Sekunden hob es ihn an einem Sprung aus, er konnte einen Sturz gerade noch verhindern, schied aber aus.
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Franz mit Weltcup-Comeback nach drei Jahren Leidenszeit
Quelle: Eurosport
Zum ersten Mal zeigte sich der 36-Jährige damit nach fast vier Jahren wieder im Weltcup. Im Training in Copper Mountain stürzte er im November 2022 schwer, erlitt Frakturen an beiden Beinen, im Linken war ein Nerv durchtrennt.
Seine Rückkehr auf die Piste nach so langer Zeit war für den dreifachen Weltcupsieger ein kleines Wunder, auch wenn es vorzeitig endete.
"Da war eine kleine Unachtsamkeit bei den Wellen, da sind mir dann auf einmal die Ski unter dem Arsch rausgefahren", sagte Franz dem "ORF". Dann sei es "eng geworden. Es ist schon sehr schade, auf das arbeitest du drei Jahre hin, und dann ist es doch kein ganzer Lauf. Jetzt wäre ich gerne die letzten Schritte auch noch gegangen, aber es geht weiter, immer weiter." Diese Sätze bieten Hoffnung und Credo für sein gesamtes Team.
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Von Allmen schlägt Odermatt in Gröden: Schweizer rast zum Sieg
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