Olympia 2026: Giovanni Franzoni soll den Gold-Fluch brechen - Vergleiche mit Marco Odermatt und Tennis-Star Jannik Sinner
Update 03/02/2026 um 11:53 GMT+1 Uhr
Giovanni Franzoni hat einen kometenhaften Aufstieg in die Weltspitze hingelegt: Seine Siege in Wengen und Kitzbühel haben den 24-Jährigen in neue Sphären katapultiert und sogar dem nicht wintersportaffinen Teil seiner italienischen Heimat bekannt gemacht. Das führte aber auch dazu, dass der Streif-Triumphator plötzlich die große Goldhoffnung bei den Olympischen Spielen in Norditalien ist.
Franzoni analysiert seinen Lauf - und kann sein Glück kaum fassen
Quelle: Eurosport
Die Bescheidenheit ist Giovanni Franzoni in die Wiege gelegt.
"Ich habe noch nichts erreicht. Also werde ich meinen Teamkollegen weiterhin den Kaffee bringen, wie ich es auch als Neuling schon getan habe", meinte der 24-jährige Shootingstar im Interview mit der "Gazzetta dello Sport".
Nichts erreicht - das grenzt an schamlose Untertreibung.
Mitte Januar raste Franzoni im Super-G beim Weltcup in Wengen zum ersten Sieg seiner Karriere, eine Woche später katapultierte sich der Italiener mit seinem Triumph auf der Streif in den (ski)alpinen Olymp. Mit anderen Worten: Pünktlich zu den Winterspielen hat Italien einen Goldjungen auf zwei Brettern.
Vom Gardasee in die Weltcup-Elite
Der Weg zu einem Mythos von Kitzbühel war keineswegs vorgezeichnet. Am 30. März 2001 kam Franzoni in Manerba am Gardasee zur Welt, mit sieben Jahren siedelte seine Familie nach Carisolo im Trentino um.
Dort sammelte er seine ersten Erfahrungen auf Schnee. Immer an seiner Seite: Zwillingsbruder Alessandro. "Als Kinder haben wir uns in allem gemessen, nicht nur auf Skiern. Und er war immer besser als ich - zumindest bis wir 16 waren", erinnerte sich Franzoni.
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Highlights Abfahrt: Franzoni gewinnt Duell auf der Streif gegen Odermatt
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Kurios: Anfangs liebäugelte der heutige Adrenalinjunkie mit einer anderen Disziplin. "Als ich angefangen habe, wollte ich eigentlich Champion im Slalom werden", meinte er. "Aber wenn du einmal auf den Geschmack von Geschwindigkeit kommst, ist das ein Gefühl, das dich nicht mehr loslässt. Es gibt dir etwas, das für immer in dir bleibt. Ich fühle mich bei 150 km/h vollkommen frei."
Er sollte die richtige Entscheidung getroffen haben. Die Goldmedaillen im Super-G (2021) sowie in der Abfahrt (2022) und alpinen Kombination (2022) bei Junioren-Weltmeisterschaften waren ein frühes Statement in seiner Laufbahn. Von seinem Faible für die technischen Disziplinen profitiert Franzoni aber auch heute noch.
Franzoni: Der Schlüssel liegt im Riesenslalom
Die Silbermedaille im Riesenslalom bei der Junioren-WM 2021 in Bansko war nämlich kein Zufallsprodukt, sondern das Fundament für seinen kometenhaften Aufstieg in die Elite.
"Das Training im Riesenslalom hat mich sensibler für die technischen Passagen der Speed-Rennen gemacht. Das hat man in Kitzbühel gesehen", erklärte er.
In der Spezialdisziplin sind seine Einsätze aber noch nicht von Erfolg gekrönt. Seit seinem Weltcup-Debüt im Dezember 2020 in Alta Badia landete er in 22 Rennen nur einmal in den Punkten. Im laufenden Winter verpasste er in all seinen vier Riesenslaloms den zweiten Durchgang.
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Odermatt emotional: Streif-Siegerehrung sorgt für große Gefühle
Quelle: Eurosport
"Der Riesenslalom ist ein Projekt auf mittlere bis lange Sicht. Aber ich denke darüber nach und werde daran arbeiten", ordnete Franzoni ein.
Zwei heroische Siege auf dem Buckel, enormes Potenzial und drei mögliche Disziplinen: Das schreit doch förmlich nach einem zukünftigen Showdown mit Marco Odermatt im Kampf um den Gesamtweltcup.
"Da habe ich noch einiges vor mir", winkte Franzoni ab. "Marco hat Kristallkugeln, WM-Titel und Gold bei Olympischen Spielen gewonnen. Aber jetzt mit ihm konkurrieren zu können, macht mich wirklich stolz."
Franzoni und die Sinner-Connection
Apropos Olympische Spiele: Franzonis Höhenflug kommt zur perfekten Zeit. Zwischen 6. und 22. Februar finden in Mailand und Cortina d'Ampezzo die Olympischen Spiele statt (live und on-demand bei HBO Max), die Wettkämpfe der alpinen Ski-Herren werden in Bormio ausgetragen.
"Dort fühle ich mich wohl", blickte Franzoni auf eine seiner Lieblingspisten voraus. "Auf der Stelvio habe ich oft trainiert. Ich kenne sie ziemlich gut, sie liegt mir sehr. Es ist eine Strecke, die man nicht nur mit den Beinen, sondern auch mit dem Kopf fahren muss."
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Giovanni Franzoni
Fotocredit: Getty Images
Trotz der Tatsache, dass es mit dem siebenmaligen Bormio-Sieger Dominik Paris, Florian Schieder und Christof Innerhofer gleich mehrere große Namen in der italienischen Mannschaft gibt, ruhen die größten Hoffnungen im Stiefelstaat auf dem Shootingstar. Welche Ausmaße das annimmt?
Um vor Olympia die Sportart Ski Alpin auch dem weniger wintersportaffinen Teil der Bevölkerung fassbar zu machen, hob die "Gazzetta dello Sport" das Abfahrtsrennen in Kitzbühel auf eine Ebene mit dem prestigeträchtigen Tennis-Turnier in Wimbledon.
Ein nachvollziehbarer Vergleich - nur führt er dazu, dass Franzoni in einem Atemzug mit Superstar Jannik Sinner genannt wurde. Der Druck könnte also kaum größer sein.
Olympia: Franzoni soll 74 Jahre alten Fluch brechen
Immerhin: Durch die Aufmerksamkeit kam zwischen den beiden 24-Jährigen, die sich übrigens vor Jahren auf der Skipiste duellierten, ein Kontakt zustande.
"Wir schrieben über Instagram, das gab mir riesige Motivation", schilderte Franzoni den positiven Nebeneffekt. "Ihr könnt euch nicht vorstellen, was für eine Ehre das ist und wie glücklich es mich macht, von einem der größten Champions dieser Epoche geschätzt zu werden."
In Bormio könnte er selbst zu einem solchen aufsteigen. Dafür muss jedoch ein 74 Jahre alter Fluch gebrochen werden: Seit Zeno Colò im Jahre 1952 kam der Abfahrtsolympiasieger nicht mehr aus Italien. Im Super-G wäre Gold für die Azzurri ein komplettes Novum.
Ihren Goldjungen haben die Gastgeber bereits ausgemacht, die Bühne ist frei für den bescheidenen Jungen vom Gardasee. Am Mittwoch findet das erste Abfahrtstraining statt, drei Tage später steht in der Abfahrt die erste Entscheidung auf dem Programm (11:30 Uhr).
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Highlights: Von Allmen mit Fingerzeig - Paris ganz stark
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