Henrik Kristoffersen sagt Marco Odermatt im Ski-alpin-Gesamtweltcup den Kampf an: Der brodelnde Vulkan

Henrik Kristoffersen hat mit seinem Slalom-Sieg beim Weltcup in Val-d'Isère seine Ambitionen unterstrichen. Der Norweger führt die Wertungen im Slalom und Riesenslalom an, im Gesamtweltcup liegt er vor dem Top-Favoriten Marco Odermatt. Nach einer zwischenzeitlichen Sinnkrise steht Kristoffersen wieder ganz oben - auch weil ihn die Balance zwischen Tüftler und Vulkan so gefährlich macht wie einst.

Highlights: Kristoffersen siegt - Drama um Lokalmatador

Quelle: Eurosport

Und dann war das spitzbübische Lächeln wieder da. Erstmals nach 23 Monaten grüßte Henrik Kristoffersen im Weltcup wieder von ganz oben, in den französischen Alpen fuhr der Norweger einen ganz besonderen Erfolg ein.
"Vor neun Jahren feierte ich meinen ersten Sieg in Val-d'Isère, jetzt stehe ich wieder hier. Ich bin wirklich sehr zufrieden", erklärte er im Interview mit dem "ORF". Eine Konstanz über Jahre hinweg, die Eindruck hinterlässt - und nur möglich ist, weil es endlich wieder Klick gemacht hat.
"Das Material funktioniert auch super", schob der zweimalige Weltmeister nach: "Jetzt kann ich mich auf das Skifahren fokussieren."
Ein Warnsignal an die Konkurrenz: Nach einer zwischenzeitlichen Sinnkrise ist der alte Kristoffersen zurückgekehrt. Die perfekte Balance zwischen Tüftler und Vulkan macht den 30-Jährigen zum herbeigesehnten Herausforderer von Marco Odermatt.
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Ski alpin: Henrik Kristoffersen fährt seit 2013/14 in der Weltspitze mit

Fotocredit: Getty Images

Kristoffersen: Der brodelnde Vulkan

Wie die Maschine Kristoffersen funktioniert, war am Sonntag im ersten Slalom-Durchgang zu beobachten. Als der Franzose Steven Amiez mit seinem Traumlauf zur Halbzeitführung für Euphorie im Zielraum sorgte, verlor Kristoffersen keine Sekunde.
Die TV-Kameras fingen gerade noch ein, wie er vom heißen Stuhl aufsprang und das Weite suchte. Seinem Team deutete er mit einer simplen Geste: "Alle mitkommen! Wir haben Arbeit vor uns."
Wenn es auf die eisige Piste geht, lässt der 31-malige Weltcupsieger eben nichts anbrennen. "Er ist ein Gewinner", ordnete Vegard Steien von Eurosport Norwegen Kristoffersen ein: "Alles andere ist ihm egal."
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Henrik Kristoffersen führt den Gesamtweltcup an

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Kristoffersen hat Zoff mit Yule

Ein Mindset, das ihn auszeichnet, ihn ab und an jedoch auch impulsiv erscheinen lässt. Immerhin nimmt der dreimalige Slalom-Gesamtsieger kein Blatt vor den Mund und redet, wie ihm der Schnabel gewachsen ist. "Er ist bekannt für seine Ehrlichkeit. Im Guten wie im Schlechten", meinte Steien.
Da wären seine Beschimpfungen in Richtung Daniel Yule am vergangenen Wochenende ("F*ck you, Daniel"), die aus seiner Sicht "schändlichen" Bedingungen beim Slalom in Gurgl oder sein Ausraster gegenüber Klima-Aktivisten ein Jahr zuvor am selben Ort.
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Entscheidung im Slalom: Kristoffersen bleibt cool - Amiez scheidet aus

Quelle: Eurosport

Seinem Image ist sich Kristoffersen aber bewusst. "Ich kann manchmal ein bisschen schroff sein", beschrieb er sich mal in einem Interview mit der norwegischen Zeitung "Aftenposten": "Aber ich rede auch nicht um den heißen Brei herum." Denn: "Es ist schwer, Dinge falsch zu interpretieren, wenn man direkt ist."
Schon damals wollte er einfach Kristoffersen sein und keine polierte Fake-Version von sich selbst. Er ist eben zuvorderst für das Spektakel auf der Piste da - und nicht für die Medien. "Ich habe Skifahren gelernt, mit 19 meinen ersten Weltcup gewonnen. Dafür habe ich trainiert. Ich habe nicht trainiert, mit den Medien umzugehen", sagt er ganz offen.
Eurosport-Experte Josef Ferstl erinnerte sich an seine Zeit im Weltcup, in der Kristoffersen das ein oder andere Mal über den Weg lief. "Henrik kommt oft nicht ganz so nett und ein wenig überheblich rüber. Aber ich kann sagen, dass er immer ein sehr netter und angenehmer Kollege war", so der 35-Jährige.

Kristoffersen, der Nemesis: Auf Hirscher folgt Odermatt

Doch gerade seine Impulsivität und der vollkommene Fokus auf den Sport ließ Kristoffersen zu dem Skifahrer heranwachsen, der einst Marcel Hirscher zu unvorstellbaren Leistungen trieb. "Er ist sehr ehrgeizig und hasst es zu verlieren - das macht ihn aus: Dieser unbändige Wille und die harte Arbeit, die er ins Training setzt", erklärte Ferstl.
Nun schickt er sich dazu an, die Dominanz von Odermatt zu durchbrechen. Nur soll dieses Mal nach zwei zweiten Plätzen im Gesamtweltcup in den Saisons 2015/16 und 2017/18 endlich die große Kristallkugel her.
Bislang befindet sich Kristoffersen auf einem guten Weg: In seinen ersten sechs Rennen der Saison landete er stets innerhalb der Top sechs und dreimal davon auf dem Podium. Wichtig: Die Materialabstimmung hat der "Van-Deer"-Athleten nach einer schwierigen Saison 2023/24 anscheinend endlich im Griff. Das spiegelt sich auch in seinem Fahrstil wider.
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Henrik Kristoffersen und Marco Odermatt

Fotocredit: Getty Images

"Er ist der Läufer, der den rundesten Schwung im Slalom fährt", analysierte der ehemalige Slalom-Spezialist und heutige "ORF"-Experte Thomas Sykora Kristoffersens Lauf zum Sieg in Val-d’Isère. Selbst die schwierigsten Bedingungen halten den Norweger nicht auf, vielmehr offenbart er dann erst recht seine Qualitäten. "Je schlechter das Licht, je schlechter die Piste - desto besser Kristoffersen", meinte Sykora.

Alta Badia, Weihnachten - und dann wird's heiß

Aktuell träumt Kristoffersen gleich in drei Klassements von seiner ersten Kristallkugel seit der Saison 2021/22. Im Slalom schob er sich mit 220 Punkten am Sonntag in Abwesenheit des nach seinem Sturz im Riesenslalom angeschlagenen Clément Noel (200) an die Spitze, im Riesenslalom machen ihn 170 Punkte nach drei Rennen zur Nummer eins.
Kristoffersens Hauptaugenmerk dürfte zurzeit aber auf dem prestigeträchtigsten Preis liegen - nämlich dem Gesamtweltcup. Aus den ungewöhnlichen Aussetzern von Odermatt zu Beginn der Saison schlug Kristoffersen Profit, mit 390 Zählern führt er das Ranking aktuell relativ deutlich vor seinem Landsmann Atle Lie McGrath (282) und Odermatt (280) an.
Das Blatt kann sich aber schnell wenden, zumal Kristoffersen am kommenden Wochenende im Gegensatz zu seinem Konkurrenten aus der Schweiz keinen Punkt holen wird. Beim Weltcup in Gröden stehen ein Super-G und eine Abfahrt auf dem Programm (20. und 21. Dezember live und on-demand bei discovery+), bei denen der Techniker standesgemäß nicht an den Start geht.

Fokus auf die Gran Risa

Eine Disziplin weniger als Tausendsassa Odermatt - ein Umstand, der ihn am Ende der Saison um den größten Erfolg seiner Laufbahn bringen kann. So früh in der Saison hält sich Kristoffersen aber nicht mit Rechenspielen auf. Vielmehr liegt sein Fokus auf die Rennen wenige Luftkilometer weiter.
In Alta Badia gibt es kurz vor der Weihnachtspause das nächste Double aus Riesenslalom und Slalom zu holen (22. und 23. Dezember live und on-demand bei discovery+).
Erfüllt er auch auf der Gran Risa in Südtirol sein Soll, verabschiedet Kristoffersen das alte Jahr als einer der Favoriten auf die große Kristallkugel. In den darauffolgenden Wochen wird es mit den Klassikern in Madonna di Campiglio, Adelboden und Wengen jedenfalls richtig heiß.
Ob Tüftler, Vulkan oder einfach Kristoffersen - die Jagd auf Odermatt hat begonnen.
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Alpine Skiing - Beaver Creek - Super G - Women - Clip - Lindsey Vonn forerunner

Quelle: Eurosport


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