Die Beziehung zwischen Ex-ÖSV-Coach Alexander Pointner und Gregor Schlierenzauer lässt sich ganz gut mit drei Worten beschreiben: Es ist kompliziert.
So ganz überraschend kamen Pointners harte Worte in der "Tiroler Tageszeitung" also nicht. "Schlierenzauer hinterließ im Laufe seiner erfolgreichen Karriere viel verbrannte Erde", schrieb Pointner am Sonntag in seiner Kolumne: "Er hat die Gründe für sein Formtief meist im Außen gesucht. Jetzt bleibt ihm nichts anderes mehr übrig, als eine ehrliche Innenschau zu halten."
Pointner und Schlierenzauer hatten zwischen 2010 und 2014 sportlich große Erfolge miteinander gefeiert – unter anderem gewann Schlierenzauer zweimal die Vierschanzentournee (2012, 2013), insgesamt sieben WM-Medaillen und 2012/13 zum zweiten Mal den Gesamtweltcup. Gegen Ende der gemeinsamen Zeit gab es jedoch immer wieder Streitereien. Schlierenzauer suchte auch immer wieder eigene Wege jenseits des ÖSV.
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Im April 2014 war die belastete Beziehung der beiden einer der Hauptgründe, warum Pointner seinen Cheftrainerposten aufgeben musste. Seither hat man sich versöhnt, Pointner sparte aber nie mit öffentlicher Kritik, wenn er sie für angebracht hielt. Schließlich hat der Rekord-Weltcupsieger (53 Siege) seit Dezember 2014 kein Weltcupspringen mehr gewonnen.
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Schuster reagiert auf Pointner-Kritik an Schlierenzauer

Ein bisschen zwischen den Stühlen sitzt Werner Schuster. Der ehemalige deutsche Bundestrainer und heutige Eurosport-Experte hilft Schlierenzauer seit 2019 als Berater.
"Seit der Vorsaison hat er den erfolgreichsten Trainer der letzten Jahre, Werner Schuster, als Mentor an seiner Seite. Doch mit dem entscheidenden Schritt nach vorne will es bisher nicht klappen", schrieb Pointner in seiner Kolumne.
Worte, die Schuster besonnen vernommen hat.
"Ich sehe es nicht als Kritik. Der Alex hat es sehr gut eingeordnet", sagte der 51-Jährige zu Eurosport.de. Es stimme, Schlierenzauer bekomme "wirklich viel Unterstützung". Das sei aber auch nur gerecht. "Es ist mir wichtig, dass man ihm in seiner Weiterentwicklung hilft, nachdem er seine Jugend dem Sport geopfert und so viel Freude in die Wohnzimmer der Österreicher gebracht hat", erklärte Schuster.

Das sagt Schuster zur Pointner-Kritik an Schlierenzauer

Schuster glaubt an Schlierenzauer

Ungeachtet dessen, dass Schlierenzauer aktuell nicht im A-Kader der Österreicher steht und auch in Innsbruck (32.) nach ansprechender Quali-Leistung den zweiten Durchgang verpasste, glaube er "nach wie vor, dass er Weltcups gewinnen kann. Das weiß auch Alexander Pointner." Im Team Schlierenzauer gäben dafür alle das Beste, "ohne Schuldzuweisungen".
"Er war letztes Jahr punktuell schon richtig gut und sehr nahe dran. Aber man muss auch ehrlicherweise sagen, dass der letzte Schritt noch nicht gelungen ist", so Schuster kritisch.
Dem Rekord-Weltcupsieger werden laut Schuster momentan vor allem "die Verhaltensmuster der Überfliegerzeit" zum Verhängnis. Schlierenzauer komme "immer wieder, gerade unter Stress, in die alten Muster rein. Das behindert ihn noch, ganz nach vorne zu kommen."

"Der war nicht schlecht": Schlierenzauer meldet sich zurück

Alte Verhaltensmuster als Problem

Der Team-Olympiasieger von 2010 müsse auf der technischen Seite im Vergleich zu seiner besten Zeit "zwei, drei Dinge umlernen. Es wird heute anders gesprungen, das Material hat sich verändert. Das musst du als Athlet erstmal annehmen."
Schlierenzauer habe die Problemfelder inzwischen zwar verstanden, tue sich aber noch schwer damit, die neu erlernten Dinge umzusetzen. Fazit Schuster: "Er ist knapp dran, hat aber das Puzzle noch nicht zusammengesetzt."
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Rund um das Springen in Innsbruck hatte sich der ehemalige Weltklassespringer kämpferisch gegeben. "Ich fühle mich jung und konkurrenzfähig", sagte Schlierenzauer, der 2006 mit 16 seinen ersten Weltcupsieg feierte: "Vier, fünf Jahre kann ich mir durchaus noch vorstellen."
Eine Einstellung, die Schuster imponiert. "Hut ab vor Gregor Schlierenzauer, der sich das nach einer langen Durststrecke noch antut." Kritik alter Weggefährten inklusive.
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