Nordische Ski-WM - Skispringen: Maren Lundby meldet sich mit Silber von der Großschanze in der Weltspitze zurück
Maren Lundby meldet sich nach einem Jahr Auszeit mit einer Silbermedaille bei der Nordischen Ski-WM 2023 in Planica zurück. Die Norwegerin, die während ihrer Auszeit sehr offen mit Motivationsproblemen umgegangen ist und auch ihr Gewicht zum Thema machte, äußert sich nach dem Silber-Coup überglücklich. Ein wenig Glück gehörte bei ihrem Schanzenrekord jedoch auch dazu.
Schmitt-Analyse: "Herausragende Bilanz für Althaus"
Quelle: Eurosport
Maren Lundby ist so etwas wie die Grande Dame des Frauen-Skispringens. Die 28 Jahre alte Norwegerin nahm in Planica bereits zum achten Mal an Nordischen Ski-Weltmeisterschaften teil und hält mit nun mehr zehn WM-Medaillen den Rekord (2/4/4).
In PyeongChang 2018 krönte sie sich zur Olympiasiegerin im Einzel, 2018 bis 2020 gewann Lundby zudem den Gesamtweltcup.
Am Mittwoch schloss sich für sie mit Silber von der Großschanze der Kreis. "Dafür habe ich hart gearbeitet, es ist unglaublich", sagte sie: "Das ist wohl einer meiner größten Siege. Ich habe mir jetzt bewiesen, dass ich zurück bin."
Ob sie immer an sich selbst geglaubt habe, wurde sie vom norwegischen Fernsehen "NRK" gefragt. "Nein, nicht immer", antwortete sie - und es kullerten ein paar Tränen.
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Entscheidung von der Großschanze: Loutitt überflügelt alle
Quelle: Eurosport
Lundby mit Schanzenrekord zu Silber
Mit Platz zwei hinter Alexandria Loutitt und vor Katharina Althaus habe sie ihre "kühnsten Erwartungen übertroffen. Ich habe nach der Quali schon das Gefühl gehabt, es könnte was gehen, aber eine Medaille schien verdammt weit weg. Ich war so inkonstant in meinen Leistungen und nach allem, was die letzten zwei Jahre passiert ist ... Ich war eigentlich einfach nur froh, dabei zu sein", sagte sie.
Dann sprang sie mit neuem Schanzenrekord (139,5 m) und dem zweitweitesten Sprung des zweiten Durchgangs (133,0 m) zu Silber.
Es war die Vollendung eines bemerkenswerten Comebacks. Lundby hatte zuvor auf die komplette Olympiasaison 2021/22 verzichtet. "Ich habe im Moment ein paar Kilo zu viel, um in der Weltspitze zu springen", sagte die 27-Jährige damals in einem aufwühlenden Interview im TV-Sender "NRK": "Und ich bin nicht bereit, verrückte Dinge zu tun, um dies zu ändern."
Lundby sendet besondere Botschaft
Mit ihren offenen Aussagen über ihr Gewicht wollte Lundby eine Debatte lostreten. "Im Skispringen werden extreme Anforderungen gestellt, das Gewicht ist eine davon", sagte die zweimalige Weltmeisterin: "Ich habe mein Gewicht nie unverantwortlich kontrolliert, auch das gehört zu meinem Erfolgsrezept."
Gerade für Nachwuchsspringerinnen, "das ist meine Botschaft", solle kompromisslose Gewichtskontrolle "kein Thema" sein: "Damit kannst du alles zerstören."
Seit diesem Winter ist sie wieder auf den Weltcup-Schanzen unterwegs. Ein Top-Ergebnis glückte ihr vor der WM noch nicht; als gerade mal 27. im Gesamtweltcup reiste sie nach Planica.
DSV erkennt Lundbys Leistung an
Doch dort war schnell zu sehen, welche Fortschritte sie zuletzt gemacht hatte: Auf der Normalschanze ließ sie als Siebte aufhorchen, im Team sprang sie zu Bronze - und am Mittwoch dann zu Silber.
"Ich glaube, die letzten zwei Jahre waren nicht einfach für sie", freute sich Althaus nach dem Großschanzenwettkampf mit: "Sie hat immer wieder gekämpft, auch mit ihrem Gewicht. Das gehört natürlich leider zu unserer Sportart dazu."
"Sie ist eine Meisterin darin, da zu sein, wenn es drauf ankommt", sagte Bundestrainer Maximilian Mechler: "Sie hat sich diese Silbermedaille wirklich verdient."
So störte sich auch speziell im deutschen Team keiner daran, dass Lundby bei ihrem Schanzenrekord eigentlich in den Schnee gegriffen hatte. Die Kampfrichter hatten dies übersehen, Lundby hätte eigentlich bis zu 15 Punkte weniger bekommen müssen - und hätte dann möglicherweise Silber Althaus überlassen müssen, vielleicht sogar nicht mal Bronze gewonnen.
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Schmitt sieht's: Lundby greift bei Schanzenrekord in den Schnee
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Griff in den Schnee nicht korrekt bewertet
"Sie ist mit der Hand im Schnee und das haben die Kampfrichter nicht entsprechend bewertet", sagte auch Eurosport-Experte Martin Schmitt: "Da hat sie sehr viel Glück gehabt."
Unterm Strich blieb so eine Tatsachenentscheidung stehen. "Das ist wie beim Fußball - trotz Videobeweis klappt da auch nicht immer alles", scherzte Schmitt.
Lundby selbst bekannte bei Eurosport, sich nicht sicher zu sein, ob sie den Schnee berührt habe. "Das war einfach eine verrückte Höhe, die ich bis unten hin hatte. Ich dachte mir: Verdammt, so hoch bin ich in meinem ganzen Leben noch nie geflogen", sagte sie "NRK".
"Wir zittern hier immer noch", sagte dagegen Nationaltrainer Christian Meyer nach der wackeligen Landung seiner Athletin.
Weltmeisterin outet sich als Lundby-Fan
Nach dem Wettkampf huldigte auch die neue Weltmeisterin, die erst 19 Jahre alte Kanadierin Alexandria Loutitt der Norwegerin.
"Als ich klein war, war sie mein großes Vorbild", sagte sie. Lundby habe mit ihren Sprüngen zu Silber gezeigt, "was eine Frau leisten kann. Niemand sollte sich anmaßen jemandem vorzuschreiben, wie der Körper einer Frau auszusehen hat. Ich denke, wir sind durch sie einen großen Schritt vorangekommen - nicht nur im Frauen-Sport, sondern für Frauen generell."
Für den norwegischen Skisprung-Sportdirektor Clas Brede Braathen gab es deshalb am Mittwoch "zwei Siegerinnen - eine, die Silber gewonnen hat, und eine mit Gold. Das war ein großer Tag für das Skispringen."
Lundby selbst wirkte extrem mit sich im Reinen. "Es ist ziemlich surreal nach all dem, was die letzten zwei Jahre passiert ist. Ich hatte einen ziemlich schweren Weg zurück", sagte sie: "Jetzt hier mit Silber zu stehen, ist mehr als ich mir erhofft und erträumt habe."
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Althaus im Eurosport-Interview: "Freue mich einfach riesig"
Quelle: Eurosport
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