Nordische Ski-WM 2025 - Martin Schmitt erklärt: Das ist für die DSV-Skispringer auf der Großschanze jetzt noch drin
Mit drei Medaillen im Gepäck sattelt das DSV-Skisprungteam bei der Nordischen Ski-WM 2025 von der Normalschanze auf die Großschanze um. Andreas Wellinger und Karl Geiger sind pünktlich zum Saisonhöhepunkt wieder zu Siegaspiranten geworden, Selina Freitag ist in Top-Form - Grund genug für Eurosport-Experte Martin Schmitt, optimistisch auf die zweite WM-Woche in Norwegen zu blicken.
Analyse: Schmitt nennt die Gründe für den märchenhaften DSV-Turnaround
Quelle: Eurosport
Die kürzere erste Woche der Nordischen Ski-WM 2025 in Trondheim ist passé - allerdings auch erst elf von 33 Medaillenentscheidungen (inklusive Para-Skilanglauf).
Mit dreimal Silber und zweimal Bronze hat der Deutsche Skiverband (DSV) nach Gastgeber Norwegen bislang die zweitmeisten Medaillen geholt; auch wenn es noch keinen neuen Weltmeister aus Deutschland gab, kann sich die Zwischenbilanz sehen lassen.
Mit Silber für Selina Freitag, Bronze im Teamspringen der Damen und Silber für Andreas Wellinger hatten die Skispringerinnen und Skispringer auf der Normalschanze gehörigen Anteil daran.
Ab Mittwoch geht es für die deutsche Skisprung-Equipe auf der Großschanze weiter, und zwar Schlag auf Schlag: Mixed-Team (Mi., 16:00 Uhr im Liveticker), Team Herren (Do., 16:20 Uhr im Liveticker) sowie die beiden Einzel (Damen: Fr., 16:15 Uhr im Liveticker; Herren: Sa., 15:45 Uhr im Liveticker) stehen in direkter Abfolge auf dem Programm.
Martin Schmitt ordnet für Eurosport.de die ersten Erkenntnisse ein und blickt voraus.
Was geht für Wellinger und Geiger auf der Großschanze?
Mit Platz zwei und vier ließen Andreas Wellinger und Karl Geiger nach einer extrem schwierigen Saison auf der Normalschanze aufmerken - beide schnupperten sogar an mehr. Nun gilt es für die beiden Ausnahmespringer im DSV-Herren-Kader, die Form auf die Großschanze mitzunehmen.
Schmitt ist positiv gestimmt, dass es auch gelingt. "Der Rhythmus auf der großen Schanze ist ein wenig anders. Sie hat einen anderen Charakter, es ist aber nichts Unbekanntes. Es ist eine moderne Schanze, auf die man sich gut einstellen kann", sagt er im Gespräch mit Eurosport.de.
Wellinger, der auf der Normalschanze vom ersten Trainingssprung weg zu den Besten gehörte, sollte auch auf der Großschanze performen können. "Andi hat selbst gesagt, dass er spürt, wie er mehr Wirkung in den Absprung reinkriegt, wie er leicht wird. Das sind Dinge, die auch auf der großen Schanze gefragt sind", sagt der Team-Olympiasieger von 2002: "Wenn er mit dieser Absprungqualität rausspringt, dann wird er mit Energie auch umgehen können. Denn im Flug kennt er sich aus."
Ganz so gut lief der erste Trainingstag am Dienstag dann aber nicht. Bei den drei Trainingssprüngen der Herren war Wellinger mit 121,5 m (17.), 124,5 m (22.) und 128,5 m (12.) noch der stabilste der DSV-Adler, kam aber nicht an die Bestweiten der Konkurrenz bis 137,5 Meter heran.
So ganz sei ihm die Umstellung noch nicht gelungen. "Ich bin mit dem Radius noch nicht ganz so gut zurechtgekommen, der ist etwas speziell, weil man fast gar keinen Druck spürt", sagte Wellinger am Abend: "So war ich knapp an der Kante dran. Es ist aber im Laufe des Trainings besser geworden."
Noch bescheidener lief's bei Geiger: Mit 113,5 m (47.), 117 m (31.) und 126,5 m (30.) war der Routinier sogar in allen drei Durchgängen der schwächste des DSV-Quintetts und wurde von Bundestrainer Stefan Horngacher nicht für den Mixed-Wettbewerb am Mittwoch nominiert.
Geiger, den Schmitt auf der Normalschanze kurzerhand zum "Competition-Karl" machte, traut er trotzdem noch die Wende zu. Das Normalschanzenspringen habe der 32-Jährige "mit seiner unglaublichen Wettkampfstärke gewuppt". Geiger könne wie kaum ein Zweiter, "die technischen Elemente auf den Punkt abrufen".
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Die Entscheidung von der Normalschanze: Wellinger holt Silber
Quelle: Eurosport
Dazu sei vor dem ersten Wettkampf jedoch harte Arbeit nötig gewesen - denn auch dort sah es im Training überhaupt nicht danach aus, dass Geiger um Medaillen mitspringen könnte.
Dass Geiger nun auch auf der Großschanze den Sprung von Neuem aufbauen muss, sei "ein gehöriger Kraftakt". Der Trainingstag sei insofern schon ein "sehr wichtiger Gradmesser" gewesen.
Prinzipiell haben beide laut Schmitt die Fähigkeiten, beim Großereignis auf den Punkt da zu sein. "Andi und Karl sind Ausnahmeathleten, die es selbst in der Hand haben und nicht auf Wunder von außen hoffen müssen", weiß der 47-Jährige. Wenn die Fitness da ist, beide technisch auf ihrem höchsten Niveau springen und die Materialabstimmung passt, "sind sie weltklasse und platzieren sich fast schon automatisch in dem Bereich, in dem sie auf der Normalschanze waren".
Devise: Austria strikes back - was ist von Österreich zu erwarten?
Jan Hörl gewann am Sonntag Bronze - "nur" Bronze für die erfolgsverwöhnten Österreicher, die bei der Vierschanzentournee bekanntlich zu dritt auf dem Treppchen standen und auch den Gesamtweltcup als Dreigestirn anführen.
Nach Platz 21 sinnt vor allem Daniel Tschofenig auf Wiedergutmachung. Routinier Stefan Kraft würde auf der Großschanze nur allzu gerne seine Goldcoups von Lahti 2017 und Oberstdorf 2021 wiederholen.
Dass im ÖSV-Team der Akku leer sein könnte, sieht Schmitt überhaupt nicht so. "Ich habe sie heute besucht und ganz und gar nicht den Eindruck, dass es so sein könnte", sagt er, "zumal die Freude über Hörls Medaille im Team sehr groß war und wirklich wertgeschätzt wurde. Sie brennen, sind heiß und körperlich gut drauf." Zumal Kraft auf der Normalschanze als Sechster auch nur 5,9 Punkte von seinem Teamkollegen entfernt lag.
Schmitt weiß aus eigener Erfahrung: "Ein Kleinschanzenspringen ist immer etwas speziell und steht bei der hohen Leistungsdichte im Feld immer auf Messers Schneide." Eine kleine Windböe hier, ein Wackler bei der Landung da - schon fehlen wertvolle Punkte. Entsprechend gehe der Blick im Team Austria "auch schon nach vorne. Die Vorfreude auf die nächsten Wettkämpfe ist spürbar."
Hörl gewann am Dienstag auch prompt die ersten zwei Trainingsdurchgänge mit 135,5 und 134 Metern und ließ den dritten Sprung aus. Dort lieferte dann der Slowene Anze Lanisek die Bestweite (137,5 m) des gesamten Trainingstages. Kraft wurde Dritter (135 m), Zweiter (131 m) und Achter (134 m), Tschofenig Vierter (133,5 m), Siebter (131,5 m) und Zweiter (134 m). Heißt: Mit den Österreichern ist definitiv zu rechnen.
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Von der Schanze in den Weltraum: Schmitt geht in Trondheim zur Uni
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wie stellt sich das deutsche Mixed-Team auf?
Nach den Normalschanzen-Wettkämpfen war bereits mehr oder weniger klar, dass Wellinger und Freitag fürs Mixed gesetzt sein werden. "Selina ist sensationell gesprungen, sie hat eine tolle Form und die Medaillen geben ihr zusätzlich Sicherheit", sagt Schmitt, der sich sicher ist, dass die 23-Jährige auch im Einzel von der Großschanze "um die Medaillen mitkämpfen kann".
Blieb eine freie Position bei den Damen, um die sich Katharina Schmid und Agnes Reisch bewarben. Schmid, die zu Beginn der Saison vier Springen gewann und zeitweise im Gelben Trikot unterwegs war, hatte zuletzt eine nach unten zeigende Formkurve. Reisch war auf der Normalschanze sowohl im Einzel (10.) als auch im Team stärker als die siebenfache Weltmeisterin - eine knifflige Wahl.
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Freitag stark: So lief die Entscheidung im Frauen-Teamspringen
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Als "ganz eng" bezeichnete Schmitt die Entscheidung, die letztlich zugunsten von Schmid fiel. "Ich freue mich riesig. Ich bin dankbar, dass ich die Chance bekomme", meinte die 28-Jährige. Schmitt, Teamweltmeister von 1999 und 2001, ist für das DSV-Mixed "sehr zuversichtlich - auch wenn die Konkurrenz aus Österreich, Norwegen und Slowenien stark ist".
Bei den Herren nominierte Bundestrainer Horngacher nach den Eindrücken vom Training am Abend etwas überraschend Philipp Raimund statt des strauchelnden Geiger. Raimunds letzter Trainingssprung auf 128,5 Meter sei zumindest neben Wellinger "ein Lichtblick" gewesen.
Zwar fand auch Raimund die Umstellung auf die Großschanze "schwieriger als erwartet". Der 24-Jährige hat "trotzdem ein gutes Gefühl für den morgigen Wettkampf" und fühlt sich "sehr geehrt, dass ich das Team vertreten darf".
Wellinger, der den Schlussspringer geben wird, meinte hingegen fürs Mixed: "Es kann alles passieren. Wir dürfen uns wenig Fehler erlauben, wenn wir eine Medaille holen wollen. Aber wir werden Gas geben und am Ende hoffentlich was zum Jubeln haben."
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Wellinger mit WM-Silber happy: "Ein megageiles Gefühl"
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