Rolf-Kalb-Blog: Neil Robertson - Unter keinem guten Stern, Siege in O’Sullivan-Manier

Mit seinem Triumph bei der Players Championship hat Neil Robertson nun mit Judd Trump gleichgezogen; beide haben jetzt 22 Ranglisten-Turniere gewonnen. Irgendwie wirkt das logisch. Trump war mit insgesamt elf Titeln der dominierende Akteur der letzten beiden Spielzeiten. Robertson scheint sich nun aber zum Dominator der aktuellen Saison zu entwickeln.

Neil Robertson lifts the 2022 Players Championship in Wolverhampton.

Fotocredit: Eurosport

Immerhin hat der Australier mit den English Open, dem Masters und der Players Championship in dieser Saison schon drei bedeutende Titel geholt. Und er hat ja durchaus noch reichlich Chancen, diese Erfolgsserie noch auszubauen. Das ist umso bemerkenswerter, da seine Saison ja nicht durchweg unter einem guten Stern stand.
Dass er erst spät in die Saison gestartet war, das war nicht höheren Mächten geschuldet, sondern seiner Hochzeit; aber dass die ihm wichtiger war, ist menschlich ja absolut verständlich. Später dann aber bremsten ihn gleich mehrfach gesundheitliche Probleme aus.
Im Späthebst war es der Tinnitus, der Neil Robertson aus der Bahn warf. Das führte zum Erstrunden-Aus bei der UK Championship; seinen Start bei den Scottish Open musste er komplett absagen. Aber umso stärker kehrte er als Finalist beim World Grand Prix zurück. Allerdings wird er selber die Endspiel-Niederlage da gegen Ronnie O’Sullivan als verpasste Chancen sehen; da war mehr drin.
Als er später dann nach einem positiven Corona-Test in Quarantäne musste bezeichnete er seine Saison selber als „seltsam“. Den positiven Test hatte er unmittelbar nach seiner Rückkehr aus Berlin vom German Masters. Es ist davon auszugehen, dass ihn der Virus schon im Tempodrom ausbremste. Die notwendige Isolation verhinderte seinen Start beim der Championship League und brachte es mit sich, dass er praktisch ohne Vorbereitung bei der Players Championship antreten musste.

Robertson siegt in O'Sullivan-Manier

Unter diesen Umständen war es natürlich verständlich, dass er sich durch die ersten Runden eher durchbeißen musste. Im Finale erlebten wir dann aber wieder den überragenden Neil Robertson. Den klaren Sieg über Barry Hawkins feierte er sozusagen in bester Ronnie-O’Sullivan-Manier. Wie „The Rocket“ streute der Australier immer wieder Phasen ein, in denen er seinen Gegner zum hilflosen Zuschauer degradierte. Mit solchen Zwischensprints glänzt sonst auch immer O’Sullivan.
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Neil Robertson, "The Thunder from Down Under".

Fotocredit: Imago

In Wolverhampton legte er einen solchen Sprint hin, als er von 1:1 auf 5:1 davonzog und dabei drei Centuries in Folge spielte. Am Ende des Matches folgte dann von 7:5 auf 10:5 der nächste Sprint, eingeleitet durch sein viertes Century in diesem Finale.
Schon jetzt ist klar, dass Robertson als einer der Top-Favoriten in die Weltmeisterschaft gehen wird. Allerdings galt er dort auch in den letzten Jahren schon immer als heißer Titel-Kandidat, scheiterte die letzten drei Jahre aber jeweils im Viertelfinale. Er selbst hat mehrfach betont, dass ihm das Format der WM nicht gefällt und er damit nicht gut zurechtkommt. Vielleicht kann er sich da auch Hilfe von außen besorgen, um diesen Widerwillen zu überwinden. Denn zwölf Jahre nach seinem ersten und bisher einzigen WM-Titel ist die zweite Crucible-Krone für den Ausnahmespieler, der er ja ist, einfach überfällig.
Herzliche Grüße
Ihr / Euer Rolf Kalb
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Meisterstück bei German Masters: Trumps zehn besten Stöße des Jahres

Quelle: Eurosport

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