Das klare Ergebnis von 9:3 dagegen war nicht unbedingt zu erwarten. Für mich wirft das ein Schlaglicht auf die beiden eben sehr unterschiedlichen Typen, die da aufeinandergetroffen sind. Mark Selby war sicherlich über die Turnierwoche der beste Spieler, aber er hat (wie er auch selber betonte) im Finale nicht seine Bestleistung abgerufen. Aber er hat eben ein festes Fundament. Er kann sich darauf verlassen, dass sein Spiel nicht unter ein gewisses Niveau sinkt.
Bei Ronnie O’Sullivan sind die Ausschläge größer. Klar: Wenn er scheinbar mühelos mit seinem mitreißenden Spiel seine Gegner wie Schuljungen aussehen lässt, dann ist das ein Genuss und zum Niederknien. In der letzten Woche hat er sich aber mit allem Möglichen beschäftigt, nur nicht dem aktuellen Match. Damit war er gegen den granitharten Selby chancenlos. Die Tatsache, dass er noch das Finale erreicht hat, war schon bemerkenswert und wohl nicht zuletzt auch seinem Nimbus zu verdanken.
Mit dem Pommeranzen-Theater hat er sich keinen Gefallen getan. Erstens spricht das für eine mangelhafte Turnier-Vorbereitung. Zweitens fehlte ihm damit die Selbstgewissheit und das Vertrauen in das eigene Spiel. Beides braucht auch ein Ausnahme-Talent und -Könner wie O’Sullivan. Um sein rauschhaftes Spiel aufzuziehen braucht auch er einen in diesem Moment freien Kopf.
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World Grand Prix 2020/21: Spiel- und Sendeplan
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"Da bricht er zusammen": O'Sullivan kann eigenen Fehler nicht fassen

O'Sullivan tut sich keinen Gefallen mit Ball-Rumgeschubse

Auch mit der Masche, das Spiel fortzusetzen, obwohl der Frame längst entschieden ist, hilft er sich nicht. Im ersten Frame macht das noch Sinn. Vor allem, wenn man nicht viel Tischzeit hatte. Aber in der Folgezeit gilt das nicht mehr. Zumal er in einigen Frames ja weder ernsthaft versuchte, erfolgversprechende Snooker zu legen, noch die verbliebenen Bälle zu lochen.
Das war Ball-Rumgeschubse und bringt auch ihm nichts. Das geht dann schon ins Lächerliche. Einen Gegner wie Selby verunsichert er damit nicht. Der kontert das allenfalls mit feiner Ironie.
Noch ein kurzes Wort zum Finale der UK Championship (ich hatte seitdem ja keine Zeit für einen Blog): Das Duell zwischen Neil Robertson und Judd Trump hatte einen ganz anderen Charakter, als es bei zwei derartigen Offensiv-Künstlern zu erwarten war. Aber es war nicht das erste Duell der beiden, in dem es so war. Das war beim Finale des German Masters Anfang des Jahres ähnlich. Und an Drama war das nicht zu überbieten.
Nun geht der Snooker-Marathon also in seine zunächst einmal letzte Woche. Ich bin mir sicher, dass alle aus dem Snooker-Bereich tief durchatmen werden, wenn Weihnachten ist. Aber es ist toll, dass die World Snooker Tour in dieser Zeit ein solches Turnierprogramm auf die Beine gestellt hat. Das war und ist nicht einfach. Dafür gilt allen Beteiligten ein großes Lob und ein dickes Dankeschön.
Herzliche Grüße
Ihr / Euer Rolf Kalb
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