Bereits am siebten von 17 WM-Tagen war der große Traum beendet und die erste große Crucible-Überraschung 2021 perfekt. Ronnie O’Sullivan scheiterte in der zweiten Runde an Anthony McGill und verpasste damit die Chance, mit seinem siebten WM-Titel mit Stephen Hendry gleichzuziehen.
O’Sullivan fand im gesamten Turnierverlauf nie zu seinem Spiel. Zum Auftakt gegen Mark Joyce erwischte "The Rocket" einen wackeligen Start. Obwohl er das Match kontrollierte, fand er erst gegen Spielende seinen Rhythmus.
Gegen McGill verlor der sechsmalige Weltmeister Mitte der Partie dann völlig den Faden. Aus einem 4:1-Vorsprung wurde ein 6:10-Rückstand. O’Sullivan kämpfte sich mit fünf Framegewinnen in Folge noch einmal zurück, nur um dann im Decider zu verlieren.
Snooker-WM
Trotz Murphy-Comeback: Selby triumphiert bei Snooker-WM
03/05/2021 AM 22:20
Es war eine Überraschung sowie Enttäuschung zu gleich und ein abruptes Ende einer mehr als ordentlichen Saison des Superstars. O’Sullivan erreichte zuvor gleich fünf Endspiele bei Ranglistenturnieren, zog aber jeweils den Kürzeren. Nach dem WM-Aus gegen McGill war auch die letzte Titelhoffnung für die Saison 2020/21 ausgeträumt.
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Snooker-WM: Auch Higgins, Trump und Robertson enttäuschen

Doch O’Sullivan war bei Weitem nicht der einzige Superstar, der bei der WM weit hinter den Erwartungen zurückblieb. Mit John Higgins, Judd Trump und Neil Robertson mussten auch drei weitere Triple-Crown-Champions früh die Segel streichen.
Higgins, der bei der Players Championship Ende Februar noch so überragend gespielt hatte, stand in Sheffield komplett neben sich. Nur mit viel Glück überstand er die erste Runde gegen Tian Pengfei, bevor er sich dann gegen Mark Williams sang- und klanglos verabschiedete. Der viermalige Weltmeister war nur ein Schatten seiner selbst.
Trump, der die Saison mit fünf Titeln dominierte, galt als absoluter Topfavorit im Crucible. Doch die Nummer eins der Welt hat bei den wichtigsten Turnieren im Kalender eine Blockade. Erst je einmal konnte er bislang in seiner Karriere bei der WM, dem Masters und der UK Championship triumphieren. Zu wenig für sein Talent und seine Ansprüche. Im Viertelfinale war gegen Shaun Murphy Schluss.
Dort scheiterte auch Robertson - zum dritten Mal in Folge. Dabei ging der Australier in Topform ins Turnier. Bei der Tour Championship entzauberte Robertson O’Sullivan im Finale, der das Spiel seines Gegners anschießend als bestes Snooker, das er jemals gesehen habe, adelte. Doch die WM und Robertson passen einfach nicht zusammen. Nur eine Halbfinalteilnahme seit seinem WM-Sieg 2010 konnte der 39-Jährige verbuchen. Dieses Mal war gegen Kyren Wilson Endstation.

Judd Trump scheiterte bei der Snooker-WM 2021 im Viertelfinale

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Snooker-WM: Wilson und McGill gehören die Zukunft

Apropos Wilson. Dem "Warrior" gehört neben McGill und Yan Bingtao die Zukunft im Snooker. Alle drei gelten als potenzielle Weltmeister der Zukunft. Wilson ist von dem Trio jedoch bereits am weitesten, das zeigt seine Konstanz auf der ganz großen Bühne.
Zum dritten Mal in den vergangenen vier Jahren zog der 29-Jährige ins WM-Halbfinale ein, in der vergangenen Saison erreichte er sogar das Finale. Auf die langen Distanzen ist Wilson ein knallharter und damit unbequemer Gegner für jeden. Das musste nicht zuletzt Robertson erfahren. Umso erstaunlicher, dass Wilson trotz zwischenzeitlicher 12:9-Führung gegen Murphy einbrach und acht Frames in Folge verlor. Doch seine Zeit wird noch kommen.
Gleiches gilt für McGill. Der Schotte hat bewiesen, dass sein Halbfinaleinzug aus dem Vorjahr keine Eintagsfliege war. Seine Auftakthürde mit Ricky Walden übersprang der "Glasgow Gladiator" problemlos, dann musste O’Sullivan dran glauben.
Nervenstark und geduldig wartete McGill trotz der Aufholjagd seines Gegners, der zudem die Fans im Crucible hinter sich hatte, auf seine Chance. Mit fantastischen Breaks von 136 und 85 Punkten machte er das Match zu. Im Viertelfinale gegen Stuart Bingham drehte er fast noch einen 10:12-Rückstand. McGill und Sheffield - das passt zusammen.
Auch wenn für Yan Bingtao bereits in der zweiten Runde gegen Murphy das Turnier vorbei war, zählt der Chinese neben Wilson und McGill zu den Spielern mit dem größten Starpotenzial der Zukunft. Was Yan den anderen beiden voraushat: Er hat mit dem Masters 2021 bereits ein Triple-Crown-Event gewonnen.

"What a shot!" Die besten Bälle der Snooker-WM

Snooker-WM: Murphy und Bingham zeigen Comeback-Qualitäten

Die WM zum Saisonabschluss ist auch immer eine Chance für die Spieler, die bei den Ranglistenturnieren Probleme hatten, ein verkorkstes Snookerjahr doch noch zu retten. Shaun Murphy und Stuart Bingham nutzen diese Chance - und wie.
Murphy spielte eine katastrophale Saison. Bis auf ein Halbfinale beim European Masters hagelte es für den "Magician" Erst- und Zweitrundenniederlagen. Der 38-Jährige kam mit den besonderen Umständen der Corona-Pandemie nicht zurecht und rutschte in ein Tief.
Die Rückkehr der Fans ins Crucible beflügelte Murphy förmlich. Er zeigte Biss, ballte immer wieder die Faust und schnappte sich fast seinen zweiten WM-Titel nach 2005. Durch die Finalteilnahme sprang Murphy in der Weltrangliste auf Platz fünf vor und schnappte sich mit einer 144 zusätzlich die 15.000 Pfund Preisgeld für das höchste Turnierbreak.
Sportlich noch düsterer sah es vor dem WM-Start für Bingham aus. Der Weltmeister von 2015 war aus den Top 16 gefallen und musste sich somit erstmals seit 2011 wieder für die Endrunde qualifizieren. Diese Herausforderung meisterte er mühelos.
Im Crucible zeigte Bingham dann, dass er unter Druck kaum zu schlagen ist. Sowohl gegen Ding Junhui als auch gegen McGill musste er in den Decider - und spielte dort Breaks von 70 und 125 Punkten. Zudem spielte Bingham im Crucible auch das 500. Century Break seiner Karriere. Nur zehn Spieler haben das vor ihm geschafft. Der 44-Jährige ist wieder zurück in den Top 16.

Steht zum vierten Mal in seiner Karriere im WM-Finale: Shaun Murphy

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Snooker-WM: Selby spielt in eigener Liga

Nur ein phänomenaler Mark Selby war sowohl für Bingham als auch anschließend für Murphy einen Tick zu stark. Selby zeigte bereits in seiner allerersten Session, die er mit 8:1 gegen Kurt Maflin gewann und dabei acht Breaks von über 50 Punkten spielte, dass mit ihm bei der WM zurechnen ist.
Der "Jester aus Leicester" gab gegen Maflin, Mark Allen und Williams in seinen ersten drei Partien nur elf Frames ab - noch nie verlor ein Spieler bei der Endrunde weniger Frames in seinen ersten drei Spielen.
Während Selby zunächst seine Matches dominierte und ein offensives Feuerwerk abbrannte, griff er gegen Bingham und Murphy wieder vermehrt auf sein taktisches Spiel zurück und lauerte geduldig auf seine Chancen. Dann stach er gnadenlos zu.
Der Lohn: Sein vierter WM-Titel und der Sprung vorbei an O‘Sullivan und Robertson auf Platz zwei in der Weltrangliste. Behält Selby diese Form bei, muss Trump in der kommenden Saison um seinen Thron fürchten.
Übrigens: Die deutschsprachigen Spieler scheiterten allesamt schon in der Qualifikation. Dort war für den Berliner Simon Lichtenberg, den Essener Lukas Kleckers und den Grazer Florian Nüßle in der zweiten Runde Schluss. Alexander Ursenbacher aus der Schweiz, der im vergangenen Jahr zum ersten Mal im Crucible dabei war, unterlag in der vierten Quali-Runde Ali Carter.
Um einen dauerhaften Sprung in die Welt-Elite des Snookers zu schaffen und regelmäßig gegen Selby, O’Sullivan und Co. zu spielen, müssen alle vier noch weiterhin ihr Spiel verbessern. Die nächste Gelegenheit dazu gibt es in der kommenden Saison.
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