Der Sport lebt von Emotionen und die Sportler werden in der Regel umso emotionaler, je größer der Erfolg ist.

Geht man von dieser Grundannahme aus, dann hätte Daniil Medvedev in der Londoner O2-Arena am Sonntagabend im Dreieck springen müssen.

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Mit 4:6, 7:6 (7:2), 6:4 hatte er Dominic Thiem im Endspiel niedergekämpft und damit den größten Erfolg seiner bisherigen Laufbahn eingefahren.

Was aber macht Medvedev?

Verzieht nach dem Matchball so gut wie keine Miene. Kurzes Schläger-Abklatschen mit Thiem am Netz, dann ging es ab auf die Bank, wo sich Medvedev erst einmal seelenruhig seinem Handy widmete.

Nun muss man zugeben, dass auch andere Profis, wie Thiem nach seinem Halbfinal-Coup gegen Novak Djokovic, ob der leeren Ränge nicht gerade vor Freude ausflippten. Dennoch ist Medvedev aus dem Kreis der Topspieler wohl derjenige, der am schwersten zu durchschauen ist.

Medvedev auf schmalem Grat

Das gilt nicht nur für die Medien und die Fans, sondern auch für seine Gegner. Medvedev provoziert immer wieder ganz bewusst und wandelt dabei häufig auf einem schmalen Grat zwischen cleverer Taktik und unsportlichem Verhalten.

Der Weltranglistenvierte nimmt es in Kauf, dass er sich damit nicht gerade zum Sympathieträger unter den Profis macht.

Durch seine Provokationen entstünden dann eben mit einigen Spielern keine Freundschaften, gab Medvedev im Sommer im Exklusiv-Interview mit Eurosport unumwunden zu.

"Außerhalb des Tennisplatzes wäre das auch normal, aber eben da bin ich ein ganz anderer Typ. Nur: Meine Gegner nehmen das, was auf dem Court passiert, sehr persönlich. Das ist schon okay und es stört mich auch nicht", so der 24-Jährige.

Seinen sportlichen Höhenflug verdankt er indes einer radikalen Veränderung. "Ich habe vor drei Jahren entschieden, mich generell professioneller zu verhalten. Das hat ziemlich gut funktioniert. Deshalb bleibe ich dabei", betonte Medvedev.

So einfach ist das also - und so erfolgreich.

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Die spielerische Klasse des London-Champions, die unglaubliche Qualität seines Returnspiels ist da nur ein Aspekt, kommt immer besser zum Tragen.

Medvedev macht immer häufiger Schlagzeilen mit Erfolgen statt mit verbalen Aussetzern oder Eklats wie 2017 in Wimbledon, als er nach seinem Zweitrunden-Aus der Stuhlschiedsrichterin Mariana Alves Geld vor die Füße warf und diese damit des Betrugs bezichtigte.

Unvergessen auch, wie er im vergangenen Jahr bei den US Open dem Publikum den Mittelfinger zeigte und es beim On-Court-Interview verhöhnte.

Emotionalität und Impulsivität gehören bei Medvedev einfach dazu - weshalb die demonstrative Coolness nach dem Titel in London umso mehr verwunderte.

Es bleibt dabei: Dieser Daniil Medvedev ist eine Wundertüte - in jeder Hinsicht!

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