ATP Finals: Die Djokovic-Variable - warum der Kampf um die Tickets so knifflig wird
Der Kampf um die Plätze bei den ATP Finals ist in dieser Saison unberechenbar. Theoretisch qualifizieren sich die acht besten Profis des Singles Race für das Highlight. Die Situation von Novak Djokovic, die umstrittene Wimbledon-Entscheidung und die unsichere Lage von Alexander Zverev bringen aber neue Variablen ins Spiel. Einzig für Rafael Nadal, Carlos Alcaraz und Casper Ruud ist alles klar.
Novak Djokovic
Fotocredit: Imago
Selten hat ein Zweitrundensieg bei einem Turnier der 250er-Kategorie so viel Bedeutung wie jener von Casper Ruud in dieser Woche in Seoul gegen Nicolas Jarry. "Ich habe gerade die Nachricht bekommen, dass ich mich für die ATP Finals qualifiziert habe", erklärte der Norweger nach der Partie.
Die Episode zeigt: Gut sechs Wochen vor Beginn des Saisonabschlussevents hat das Rechnen begonnen.
Und es ist kompliziert. Fest steht bislang nur, dass neben Ruud, Rafael Nadal, der in diesem Jahr die Australian Open sowie French Open gewann, und US-Open-Champion Carlos Alcaraz auch Stefanos Tsitsipas im Turiner Pala Alpitour dabei ist.
Das Quartett nimmt aktuell die ersten drei Positionen des Singles Race ein und kann nicht mehr so weit zurückfallen, dass es nicht für Turin reicht.
Djokovic nur auf Platz 15
Was aber ist mit Novak Djokovic?
Der Wimbledon-Sieger gewann am Sonntag das Turnier in Tel Aviv, steht aktuell an Rang sieben der Weltrangliste und gehört bei den ATP Finals zu den Stammgästen. Es besteht kein Zweifel daran, dass er auch mit 35 Jahren aus sportlicher Sicht einen Platz in Turin verdient hat.
Im Singles Race, das im Unterschied zur Weltrangliste nur Ergebnisse aus diesem Jahr einbezieht, dümpelt Djokovic aber nur auf Position 15 herum.
Die Gründe liegen auf der Hand: Der 21-malige Grand-Slam-Turniersieger verzichtet nach wie vor auf eine Impfung gegen das Coronavirus und musste infolge dessen Top-Events wie die Australian Open, die US Open oder auch die Masters von Miami, Indian Wells, Montreal und Cincinnati auslassen.
Die Top 15 des ATP Singles Race:
| RANG / SPIELER | PUNKTE |
| 1. / Carlos Alcaraz (ESP) | 6460 |
| 2. / Rafael Nadal (ESP) | 5810 |
| 3. / Casper Ruud (NOR) | 4930 |
| 4. / Stefanos Tsitsipas (GRE) | 4630 |
| 5. / Daniil Medvedev (RUS) | 3375 |
| 6. / Andrey Rublev (RUS) | 3055 |
| 7. / Félix Auger-Aliassime (CAN) | 2860 |
| 8. / Alexander Zverev (GER) | 2700 |
| 9. / Hubert Hurkacz (POL) | 2680 |
| 10. / Taylor Fritz (USA) | 2385 |
| 11. / Cameron Norrie (GBR) | 2365 |
| 12. / Pablo Carreño Busta (ESP) | 2270 |
| 13. / Jannik Sinner (ITA) | 2265 |
| 14. / Matteo Berrettini (ITA) | 2225 |
| 15. / Novak Djokovic (SRB) | 2220 |
"Es ist eine Situation, die ich akzeptieren muss, weil ich eine Entscheidung getroffen habe und ich die Konsequenzen akzeptieren muss", stellte Djokovic auf einer Pressekonferenz klar. Die "physische und mentale Verfassung" zu bewahren, habe gut funktioniert, aber "emotional war es viel schwieriger, weil ich Umständen entgegentreten musste, mit denen ich noch nie konfrontiert war".
Immerhin: Aufgrund seines Wimbledon-Titels reicht es dem Serben, sich in den Top 20 des Singles Race zu halten, um trotzdem bei den Finals antreten zu dürfen. Djokovic bekäme dann, so will es das Reglement, den achten Startplatz zugesprochen.
Zverev auf dem Schleudersitz
Diesen Schleudersitz belegt im Race derzeit Alexander Zverev. Die nähere Zukunft des Olympiasiegers ist ohnehin unsicher, nachdem er den geplanten Comebackversuch beim Davis Cup im September aufgrund neuer Schmerzen im Fuß absagen musste.
Djokovic will indes Punkte sammeln, wo immer er kann, um nicht so weit abzurutschen, dass auch der Grand-Slam-Coup von Wimbledon nicht mehr hilft. In Tel Aviv hat er 250 Punkte auf sein Konto gebracht. Das sprichwörtliche Kleinvieh, das Mist macht.
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Bagel im ersten Satz: Djokovic bezwingt Andujar in Tel Aviv klar
Quelle: Perform
Er sei "immer noch in einer guten Position", gab sich Djokovic schon vor dem Finale optimistisch. Als nächstes werde er "beim 500-Turnier in Kasachstan aufschlagen, im Anschluss stehen Paris-Bercy und Turin auf meinem Plan". Läuft es einigermaßen im Sinne des 35-Jährigen, dürfte es klappen mit den ATP Finals.
Medvedev und Rublev auf Turin-Kurs
Für die Konkurrenz würde dies einen Platz weniger bedeuten; nimmt man Djokovic, Nadal, Alcaraz, Tsitsipas und Ruud weg, blieben nur noch drei übrig.
Die haben im Moment Daniil Medvedev, Andrey Rublev und Félix Auger-Aliassime inne. Für Medvedev und Rublev ist es ebenfalls eine besondere Saison.
Aufgrund des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine durften die beiden Russen nicht an den britischen Rasenturnieren teilnehmen und verpassten damit Wimbledon.
Wimbledon-Entscheidung sorgt für schiefes Bild im Race
Die ATP kritisierte die Entscheidung heftig und vergab infolge dessen keine Punkte beim Rasenklassiker im All England Club. Spieler wie Turniersieger Djokovic oder Finalist Nick Kyrgios traf dies besonders empfindlich.
Insgesamt ergibt sich dadurch in den Ranglisten ein schiefes Bild, was den Kampf um die Tickets für Turin weiter verkompliziert.
Spannend aber bleibt es allemal, denn mit Hubert Hurkacz, Taylor Fritz, Cameron Norrie, Pablo Carreño Busta sowie den beiden Italienern Jannik Sinner und Matteo Berrettini sitzt den Top 8 gleich ein halbes Dutzend Topspieler direkt im Nacken. Der Herbst wird heiß auf der Tour.
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