ATP Finals 2025 - Carlos Alcaraz auf einer Mission Impossible? Der Superstar muss das Rafael-Nadal-Problem lösen
Carlos Alcaraz ist schon mit 22 Jahren der Mann für die großen Turniere. 14 seiner 24 Titel holte der Spanier bei Grand-Slam- und Masters-Events, wo seine Siegquote in Endspielen bei 87,5 Prozent liegt. Ein Statement. Nun steht Alcaraz vor dem Wettbewerb, der für ihn wohl am schwersten zu gewinnen ist: den ATP Finals. Aufgrund seiner Mitfavoritenrolle mag dies kurios klingen, ist aber erklärbar.
Alcaraz sichert sich Titel in Tokio
Quelle: SNTV
Rafael Nadal hat es elf Mal versucht und doch nie geschafft. Und Carlos Alcaraz? Ist bei seinen beiden bisherigen Teilnahmen an den ATP Finals über ähnliche Schwierigkeiten gestolpert wie sein einstiges Idol. 2024 schied er mit nur einem Sieg in der Gruppenphase aus, beim Debüt im Jahr zuvor stieß er immerhin bis ins Halbfinale vor, ehe Novak Djokovic eine Nummer zu groß war.
"Ich glaube nicht, dass ich ein schlechter Spieler in der Halle bin, aber ich würde sagen, dass viele Profis auf Indoor-Courts besser sind als ich", sagte Alcaraz schon vor einem Jahr. Das liege, so das Toptalent, an der mangelnden "Erfahrung" auf diesen Belägen und den besonderen Bedingungen in der Halle.
Er müsse da "erst noch besser werden" und die nötige Spielpraxis sammeln. Seitdem sind zwölf Monate vergangenen und das Projekt kommt schleppend voran. Das zeigt der Vergleich zu Jannik Sinner, der als Topfavorit in Turin gilt.
Der Weltranglistenerste steht bei neun Indoor-Titeln, gewann dabei 86 seiner 105 Matches, was einer Erfolgsquote von 80,4 Prozent entspricht. Altmeister Djokovic generierte aus einer Quote von ~80 % bei 251 Spielen 19 Turniersiege.
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Carlos Alcaraz (li.) und Jannik Sinner (re.) beim Training
Fotocredit: Getty Images
Alcaraz bringt es auf 45 Partien, "nur" 68,9 % davon entschied er für sich. Bislang sprang ein einziger Hallen-Titel, diesen Februar in Rotterdam, heraus. Zum Vergleich: Bei Outdoor-Wettbewerben kommt der 22-Jährige belagübergreifend auf 83,1 % gewonnener Begegnungen.
Alcaraz wie Nadal? Ein Muster tut sich auf
Es ist ein klares Muster, das sich auftut. Die Tatsache, dass die Tennis-Ausbildung in Spanien kaum auf Indoor-Hardcourts stattfindet, schlug schon bei Nadal massiv durch. Der Superstar feierte nur einen seiner 92 Titel auf diesem Belag.
Der einzige spanische Erfolg bei den ATP Finals ist mittlerweile 27 Jahre her. Der heutige Eurosport-Experte Àlex Corretja war es, der sich 1998 - in Hannover und unter dem damaligen Turnier-Namen ATP-WM - durchsetzte.
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Rafael Nadal (li.) und Carlos Alcaraz (re.) beim Davis Cup in der Saison 2024
Fotocredit: Getty Images
Es ist und bleibt aber bemerkenswert, dass selbst absolute Ausnahmespieler wie Nadal und Alcaraz mit den Besonderheiten des Hallen-Spiels so ihre Probleme haben. Er könne zwar "viel auf Hallenplätzen trainieren", erklärte der Jüngere, entscheidend sei aber die Wettkampfsituation. Die lässt sich eben nur eingeschränkt simulieren.
Konkret muss Alcaraz sein Spiel besser auf die Indoor-Bedingungen umstellen. Der Spanier setzt generell auf viel Topspin, punktet häufig von der Grundlinie. Waffen, die ihn in bestimmten Phasen der Saison zum Dominator machen, in der Halle aber stumpfer sind. Alcaraz sei mit "flacheren Schlägen und einem anderen Spielstil" besser beraten, analysierten die Experten des spanischen Tennis-Portals "puntodebreak.com". Hier müsse "Carlos ansetzen, um die Situation umzukehren". Vor allem im Vergleich mit Sinner hinke er hinterher.
Darum ist Sinner in der Halle stärker als Alcaraz
Eine Einschätzung, die Ex-Top-Ten-Spielerin Andrea Petkovic teilt. "Wenn Jannik sich in einem Labor die perfekten Voraussetzungen für sein Spiel malen könnte, wären sie genau dort: in der Halle, ohne äußere Einflüsse wie Wind oder Sonne", befand die "Sky"-Expertin auf Nachfrage von Eurosport.de. "Er gewinnt ein paar Prozente bei der ersten Aufschlagsquote hinzu, vielleicht auch ein paar Stundenkilometer - und dann wird es enorm schwierig, gegen ihn zu spielen."
In der Tat gewann Sinner, der vor knapp einer Woche beim Hallen-Masters in Paris triumphierte, seine vergangenen 26 Matches auf Indoor-Hardcourt allesamt. Im Unterschied zu Alcaraz, der in Paris völlig überraschend in Runde zwei an Cameron Norrie scheiterte.
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Highlights: Alcaraz scheitert in Paris an überragendem Norrie
Quelle: SNTV
Sinners Serie habe natürlich Gründe, wie der dreimalige Davis-Cup-Champion Patrik Kühnen in einer "Sky"-Presserunde erläuterte: "Weil Jannik an der Linie steht, die Bälle früh nimmt und nichts verspringt - alles ist kalkulierbar. Dadurch spielt er unglaublich druckvoll und stark. Wenn er dich im Ballwechsel einmal im Griff hat, lässt er dich nicht mehr raus. Der Druck, den er erzeugt, ist einfach zu groß", unterstrich der 59-Jährige.
Petkovic: Schnellere Beläge nicht ideal für Alcaraz
Im Unterschied zum Südtiroler möge Alcaraz die im Indoor-Bereich "schnelleren Beläge traditionell eher weniger", ergänzte Petkovic. "In der Halle wird er seinen Weg aber sicher noch finden, davon bin ich überzeugt".
Das dürfte auch für Alcaraz selbst gelten. Die ATP Finals in Turin wären die ideale Gelegenheit, auf diesem Weg einen gewaltigen Schritt weiterzukommen - vielleicht ist die Zeit sogar reif, um eine 27-jährige Durststrecke zu beenden.
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Alcaraz: "Glücklich und stolz" - und heiß auf weitere Titel
Quelle: Perform
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