Becker lobt wackeren Engel nach heißem Kampf gegen Rublev am Hamburger Rothenbaum: Eine Niederlage, die Mut macht
Von Oliver Jensen
Update 21/05/2025 um 20:20 GMT+2 Uhr
Das deutsche Tennis-Talent Justin Engel verliert zwar das Achtelfinale beim ATP-500-Turnier in Hamburg gegen den Weltranglisten-17. Andrey Rublev 3:6, 5:7, hinterlässt in dem 103 Minuten dauernden Match gegen den Russen aber einen starken Eindruck. Tennis-Legende Boris Becker lobt das Umfeld des 17-Jährigen, der nach dem "größten Spiel seines Lebens" selbst kecke Ziele formuliert.
Justin Engel beim ATP-Turnier in Hamburg am Rothenbaum 2025
Fotocredit: Getty Images
Justin Engel wusste um die Bedeutung des Spiels. Der 17-Jährige sprach vor dem Achtelfinale am Mittwoch gegen den zehn Jahre älteren Andrey Rublev, der aktuell Rang 17 der Weltrangliste belegt, vom "größten Spiel seines Lebens".
Die Aufregung war ihm allerdings nicht anzusehen. Im Gegenteil: Lässig schritt er auf den Center Court, als sein Name aufgerufen wurde, und winkte dem Publikum zu. Allzu viel Respekt vor dem großen Gegner hatte er nicht. Das Selbstvertrauen war groß, nachdem er am Montag am selben Ort gegen seinen Landsmann Jan-Lennard Struff gewonnen hatte.
Engel spielte offensiv und aggressiv, war auf die schnellen Punkte aus und fand dadurch stark ins Spiel. "Jeder weiß, dass Rublev unglaublich schnell spielt. Ich wollte gleich dagegenhalten und ein Zeichen setzen, dass ich auch schnell spielen kann. Das war meine Taktik", sagte er auf Nachfrage von Eurosport.
Mit einem Break legte er los, verlor den ersten Satz zwar mit 3:6, kämpfte sich danach allerdings wieder zurück. Rublev, einst die Nummer 5 der Welt, schmiss zwischenzeitlich frustriert den Schläger zu Boden. Ein größeres Kompliment kann es für einen jungen Spieler kaum geben.
Engels Lehres aus dem Spiel
Engel nahm das dankbar auf, beherrschte das Spiel mit den Emotionen und pushte das Publikum. Der junge Profi erkämpfte sich einen Satzball, konnte diesen allerdings nicht verwerten.
Schlussendlich verlor Engel das Match nach 1:43 Stunden 3:6, 5:7, hatte allerdings viele Herzen gewonnen. Mit großem Applaus der rund 5000 Zuschauer wurde der Nürnberger verabschiedet. Später gab er zu, was ihm wohl niemand angesehen hat: "Ich war total nervös am Anfang. Ich habe alles gegeben und habe versucht, zu gewinnen. Leider hat das nicht geklappt. Trotzdem haben mich die Zuschauer gut unterstützt. Es hat Spaß gemacht."
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Justin Engel beim Turnier in Hamburg 2025
Fotocredit: Imago
Zudem habe er einiges aus dem Spiel mitgenommen. "Man muss einen guten Fokus haben, man muss jeden Punkt zu 100 Prozent spielen, man darf nie zu locker sein, denn ein Gegner wie Andrey nimmt die Bälle dann früh und haut sie mir weg", sagte Engel: "Ich habe gelernt, dass ein Spieler wie Andrey die Chancen nutzt. Man muss das konzentriert herunterspielen. Das versuche ich, auch in mein Spiel aufzunehmen."
Boris Becker lobt das "professionelle Umfeld" von Engel
Als Engel leidenschaftlich um jeden Punkt kämpfte, befand sich Boris Becker außerhalb des Center Courts auf der Tennisanlage und gab ein Podiumsinterview. Er selbst hatte 1985 mit 17 Jahren Wimbledon gewonnen.
Als Becker auf den jungen Engel angesprochen wurde, antwortete er: "Es gibt dieses wunderschöne Lied: 'Mit 17 hat man noch Träume'. Die hat Justin auch. Ich glaube, er ist gut eingebettet mit seinem Vater, mit Philipp Kohlschreiber als Trainer, mit seiner Agentur 'Sportfive'. Er hat ein sehr professionelles Umfeld. Das ist schon einmal die halbe Miete. Aber letztlich liegt es am Spieler."
Entscheidend sei: "Wie weit will er gehen? Welchen Preis ist er bereit zu zahlen, um weiterzukommen?" Vergleiche zur aktiven Zeit von Becker seien allerdings nur schwer möglich: "Man hat den Eindruck, dass sich die Spieler heute etwas später entwickeln als wir das früher gemacht haben. Heute kann man erst mit 22, 23 Jahren erkennen, wo die Reise hingeht."
Bei Engel scheint diese Reise trotz der Niederlage in eine gute Richtung zu gehen. Er selbst sagt mit Blick in die Zukunft: "Ich will ein Grand Slam Turnier gewinnen und die Nummer 1 werden. Aber nun geht es erst einmal um die kleinen Schritte."
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Quelle: SNTV
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