Der vergangene Montag war ein besonderer Tag für die beiden Männer, die das Tennisjahr 2021 bislang geprägt haben: Daniil Medvedev und Novak Djokovic.
Der Russe schaffte den Sprung auf Platz zwei der Weltrangliste und durchbrach damit eine fast 16 Jahre alte Serie. Seit der Saison 2005 kletterte kein Spieler mehr, der nicht den sogenannten Big 4 um Djokovic, Roger Federer, Rafael Nadal und Andy Murray angehörte, so hoch im Ranking.
Djokovic wiederum brach mit nunmehr 311 Wochen an der Spitze der Weltrangliste den Rekord, den er sich bis dato mit Federer geteilt hatte. Ein Ende der Regentschaft des Serben ist nicht abzusehen. "Novak ist definitiv in der Lage, auch 400 Wochen zu schaffen", sagte Medvedev im Gespräch mit der ATP. Nicht, ohne das Lob mit einer Warnung zu garnieren. "Wir werden versuchen, ihn davon abzuhalten."
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Nach Lage der Dinge hängt es in erster Linie von ihm ab, wie lange Djokovic noch an der Spitze thront. 2068 Punkte beträgt der Rückstand, den Medvedev im Ranking dafür wettmachen muss.

Medvedev: Djokovic (noch) eine Nummer zu groß

Es braucht zwei Dinge, um die Aufholjagd zu realisieren: konstant gute Resultate auf der Tour und möglichst auch Erfolge bei den Grand-Slam-Turnieren. Ersteres gelingt Medvedev schon seit Längerem in beeindruckender Weise, ein Major-Titel fehlt ihm noch.

Highlights | Neunter Titel: Djokovic lässt Medvedev keine Chance

Am 21. Februar war er nah dran - unterlag aber ausgerechnet Djokovic im Finale der Australian Open. "Ich konnte einfach nichts dagegen machen", blickt Medvedev heute auf die deutliche 5:7, 2:6, 2:6-Niederlage zurück.
Das soll sich von nun an ändern.

Courier sieht Medvedev als "Schachspieler"

Es dürfte reichen, wenn Medvedev seiner Linie treu bleibt. Der 25-Jährige hat längst alles, was es braucht, um einen Grand-Slam-Wettbewerb zu gewinnen und früher oder später zur Nummer eins zu werden. "Jim Courier hat in mal als großen Schachspieler bezeichnet, weil er sich taktisch so gut positioniert auf dem Platz. Das stimmt auch, Daniil ist ein sehr cleverer Spieler", sagt Djokovic.
Clever - und genial. "Sein Spiel ist wie seine Persönlichkeit, sehr facettenreich", erläutert Medvedevs Coach Gilles Cervara. Seine Arbeit bestehe unter anderem darin, ein Genie zu trainieren. "Manchmal versteht man Genies nicht, das ist eben so. Du musst sie so nehmen, wie sie sind."
Was Cervara meist gelingt, fällt vielen Gegnern schwer. Denn Medvedev lebt nicht nur von seinem überragenden Spiel. Nein, er provoziert, gestikuliert, debattiert - und siegt dann meistens auch. Das schmeckt vielen nicht.

Medvedev über Gegner-Kritik: "Stört mich nicht"

"Einige Spieler verstehen nicht, warum ich so bin. Ich mache ja hin und wieder schlechte Dinge auf dem Platz, aber sie können nicht zwischen meinem Tennis-Leben und dem normalen Leben unterscheiden", verriet Medvedev im vergangenen Sommer im Exklusiv-Interview mit Eurosport. Ein Problem? Keineswegs. "Das ist schon okay und es stört mich auch nicht."
Mit Kritik kann der Weltranglistenzweite gut leben. "Ich habe tatsächlich keine Ahnung, warum die Dämonen herauskommen, wenn ich Tennis spiele", sagt Medvedev über den Teil seiner Wesensart, die ihm den Weg zum Publikumsliebling verbaut.
Im Unterschied zu Djokovic, der seit Jahren einen schwierigen Kampf um die Zuneigung der Fans führt, ist es dem Russen ziemlich egal, wie über ihn gedacht wird. Das kann durchaus ein Vorteil sein auf dem Weg nach ganz oben.
Zuletzt triumphierte er beim ATP-Turnier in Marseille, der nächste Schachzug soll ab dem 24. März beim Masters von Miami folgen. Es geht um 1000 Ranglistenpunkte. Medvedev ist die Nummer eins der Setzliste, weil Djokovic genau wie Nadal und Federer nicht antreten wird. Für den Russen gibt es in Florida also viel zu gewinnen.
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