Carlos Alcaraz und Alexander Zverev kritisieren zu vollen ATP-Terminkalender - Doppelmoral oder berechtigte Kritik?

Ist die ATP Tour zu vollgepackt? Die Frage polarisiert, vor allem Stars wie Carlos Alcaraz oder Alexander Zverev sehen die 72 Turniere umfassende Saison extrem kritisch. "Das Programm wird uns umbringen", monierte der Spanier. Andererseits tritt Alcaraz bei Show-Events wie dem Six Kings Slam in Saudi-Arabien oder dem Charlotte Invitational in den USA an. Herrscht bei den Profis eine Doppelmoral?

ATP Shanghai : Highlights - Sinner - Etcheverry

Quelle: Eurosport

Kein Monat ohne Turnier. Von Januar bis November dauert die Saison auf der ATP Tour, Ende Dezember beginnen dann die ersten Wettbewerbe der nächsten Spielzeit.
Hinzu kommen Davis Cup, Laver Cup oder finanziell lukrative Show-Events wie der Six Kings Slam Mitte Oktober in Riad. Alcaraz ist in Saudi-Arabien am Start und muss sich den Vorwurf gefallen lassen, sich freiwillig und ohne Aussicht auf Ranking-Punkte einen weiteren Termin aufgehalst zu haben.
Tennis-Legende Mats Wilander hat indes Verständnis für die Entscheidung - und das nicht nur, weil beim Six Kings Slam jedem der sechs Teilnehmer 1,5 Millionen US-Dollar garantiert sind und der Sieger mit dem Rekord-Preisgeld von sechs Millionen US-Dollar belohnt werden soll.
"Ich habe Freunde in Amerika, die jeden einzelnen Punkt des Laver Cups verfolgt haben und das auch beim Six Kings Slam tun werden", so Wilander im Exklusiv-Interview mit Eurosport. Von einem 500er-Turnier wie vor Kurzem in Peking nähmen die Tennis-Freunde hingegen kaum Notiz. Alcaraz helfe mit seiner Teilnahme "vielleicht nicht unbedingt der ATP Tour, aber für unseren Sport ist es eine großartige Sache", so der siebenmalige Grand-Slam-Turniersieger aus Schweden.

Alcaraz: "Wir können nicht streiken"

Gleichzeitig aber ist die Belastung auf der Tour extrem, was auch daran liegt, dass die ATP den Topspielern die Pflicht auferlegt hat, bei allen Grand Slams, acht von neun Masters sowie einer bestimmten Zahl von 500er- und 250er-Wettbewerben anzutreten.
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Tennis - Interview - Mats Wilander about Alcaraz

Quelle: Eurosport

Der ehemalige Weltranglistenerste Andy Roddick hat jüngst in seinem Podcast "Served with Andy Roddick" den Stars nahegelegt, diese Regeln einfach zu ignorieren.

Dauerbrenner Zverev trotz Lungenentzündung am Start

Keine gute Idee, wie Alcaraz findet. "Wir können nicht streiken. Wir werden bestraft, wenn wir keine Turniere spielen", stellte der Weltranglistenzweite klar, der in diesem Jahr bereits 59 Matches in den Beinen hat. Angeführt wird diese Statistik übrigens von Alexander Zverev, der bei 76 Partien steht.
Bei Olympia in Paris war der Hamburger ebenso dabei wie beim Laver Cup, beim derzeit laufenden Masters in Shanghai tritt er trotz noch nicht überstandener Lungenentzündung an. Für die ATP Finals ist er bereits qualifiziert, eine Teilnahme am Davis Cup ist ebenfalls denkbar. Bedeutet: Auch im November wird es happig für den 27-Jährigen.

Zverev moniert: "Keine Zeit" für viele Dinge

"Wir haben die längste Saison überhaupt im Sport, unnötig lang, mit einer unnötig großen Zahl an Turnieren", monierte Zverev beim Laver Cup in Berlin. Die Profis hätten "keine Zeit für Pausen, keine Zeit, deinen Körper vorzubereiten, keine Zeit, Muskeln aufzubauen. Es gibt keine Zeit, in der du sagen kannst: 'Ich rühre meinen Tennisschläger einen Monat lang nicht an und bereite mich dafür physisch auf die lange Saison vor.'" In anderen Sportarten sei dies anders, "deshalb glaube ich, dass man dort auch weiter damit ist, Verletzungen vorzubeugen".
Zur Wahrheit gehört aber auch: Obwohl Zverev mit 58 Siegen in diesem Jahr auf Platz zwei der Statistik hinter Jannik Sinner liegt, ging er bei den Grand-Slam-Turnieren leer aus, einzig das Masters in Rom gewann er. Sinner hingegen holte sechs Titel, unter anderem bei den Australian Open und den US Open. Alcaraz gewann vier Wettbewerbe, darunter Wimbledon und die French Open.
Zverev wird sich neben taktischen Aspekten - Roger Federer etwa prangerte eine zu passive Spielweise an - mit seiner Turnierplanung beschäftigen müssen. Natürlich im Rahmen der Vorgaben der ATP, was die Sache erschwert.

Sinner widerspricht: "Jeder kann immer noch selbst entscheiden"

Besteht also in der Weltspitze Einigkeit darüber, dass die ATP ihre Stars zugunsten eines zu vollen Turnierkalenders verbrennt? Nein. Denn ausgerechnet die Nummer eins der Weltrangliste sieht das Thema entspannt. "Es gibt Pflichtturniere, aber jeder Spieler kann immer noch selbst entscheiden, wo und wann er spielt." Es gebe keinen echten Zwang. "Wenn du willst, kannst du spielen - wenn nicht, spielt man nicht", ließ Sinner wissen.
Eine Aussage, die Alcaraz eher mittelprächtig gefiel ("Einige Spieler sind vielleicht nicht derselben Meinung wie ich. Das ist deren Sache.") und zeigt, dass das brisante Thema weiter für Gesprächsstoff sorgen wird.
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Tennis : Mats Wilander's reaction about Sinner doping story

Quelle: Eurosport


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