Novak Djokovic saß in der Marhaba Lounge des Flughafens von Melbourne, ein paar Meter weiter standen die für den Fall abgestellten Polizeibeamten. Kurz darauf bestieg der beste Tennisspieler der Welt Flug EK409 der Emirates Airline mit Ziel Dubai.
Das war es.
Djokovics Angriff auf den 21. Grand-Slam-Titel und den zehnten Erfolg bei den Australian Open endete einen Tag, bevor er überhaupt begonnen hat. "Ich bin extrem enttäuscht über die Entscheidung", teilte der Serbe noch mit. Die Ausweisung ist eine bittere Niederlage für Djokovic - aber nicht nur deshalb, weil er juristisch gescheitert ist.
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Im Fahrwasser der Vorfälle von Melbourne kam ans Licht, dass der 34-Jährige im Dezember mit dem Wissen eines positiven PCR-Tests einen Pressetermin wahrgenommen und damit gegen die Isolationsvorschriften verstoßen hatte.
Auch das Trainingslager des Weltranglistenersten Ende Dezember im spanischen Marbella. Wie in Australien hätte der gegen das Coronavirus ungeimpfte Superstar auch für Spanien eine medizinische Ausnahmegenehmigung zur Einreise benötigt. Die hatte er offenbar nicht.

Wilander: "Djokovic findet meine Anerkennung ..."

Es waren Vorfälle wie diese, die das Image von Djokovic in den vergangenen 13 Tagen arg ramponierten und ihn als Verlierer aus der Sache hervorgehen ließen.

Wilander exklusiv: Darum ist das Djokovic-Urteil fair

Denn: Formal betrachtet kann dem Rekord-Grand-Slam-Champion bei seiner Reise nach Australien wenig vorgeworfen werden. Er hatte die erforderliche medizinische Ausnahmegenehmigung dabei, er bekam ein Visum. Letzteres wurde ihm vor Gericht sogar zugesprochen, nachdem es kurz nach Ankunft am Melbourne Airport erstmalig annulliert worden war.
"Novak findet meine Anerkennung dafür, dass er es versucht hat", betonte der dreimalige Australian-Open-Champion Mats Wilander im Hinblick auf die Bemühungen des Titelverteidigers, am sogenannten Happy Slam teilzunehmen. "Aber er kannte die Regeln und die besagen, dass eigentlich nur geimpfte Profis antreten dürfen." Er halte die "Entscheidung des Gerichts für fair", so Wilander exklusiv bei Eurosport.

Kyrgios stützt Djokovic und kritisiert Behörden

Damit geht die australische Politik letztlich als Sieger aus dem Streit hervor. Theoretisch. Denn das Vorgehen der Behörden löste auch herbe Kritik aus - nicht nur im Djokovic-Lager, nicht nur in Serbien. "Was Novak gerade durchmacht, ist nicht richtig. Es gibt keine Rechtfertigung für die Behandlung, die er erhält. Er hat sich an die Regeln gehalten, durfte nach Australien einreisen und wird nun gegen seinen Willen festgenommen", echauffierte sich etwa US-Profi John Isner.

Schett bewertet Djokovic-Urteil: "Erleichterung für Bevölkerung"

Selbst Nick Kyrgios, in der Vergangenheit nicht als Freund von Djokovic aufgefallen, ging mit den Behörden seines Heimatlandes hart ins Gericht. "Wie wir mit Novaks Situation umgehen, ist schlecht, wirklich schlecht", schrieb der 26-Jährige auf Twitter. "Ich schäme mich, australischer Sportler zu sein. Ich habe gesehen, was dieser Mann für uns und für den Sport getan hat. Ich finde es einfach nicht richtig."

Australian Open ohne Djokovic: "Sportlich ein Verlust"

Die Tatsache, dass Einwanderungsminister Alex Hawke kraft seines Amtes das zuvor von einem Gericht zugesprochene Visum ein zweites Mal annullierte, sorgte international für Verwunderung. Am Ende bekam die Regierung zwar ihren Willen, mit Ruhm bekleckert hat sich das Land aber wahrlich nicht.
Hawke wies überdies darauf hin, dass Djokovic aufgrund der aktuellen Gesetzeslage wohl für die kommenden drei Jahre kein Visum mehr für die Einreise nach Australien gewährt werde. Offiziell ist das noch nicht.

Becker exklusiv: "Gibt in der Sache keinen Gewinner"

Und auch die Australian Open selbst dürfen getrost zu den Verlierern der Causa Djokovic gezählt werden. "Sportlich ein Verlust" für das Event sei das Fehlen der Nummer eins, befand etwa Eurosport-Expertin Barbara Schett, die während ihrer Laufbahn viermal das Achtelfinale von Melbourne erreichte.

Djokovic-Fans argwöhnen: "Abschiebung politisch motiviert"

Die ATP stieß ins selbe Horn. "Unabhängig davon, wie dieser Punkt erreicht wurde, ist Novak einer der größten Champions unseres Sports, und sein Fehlen bei den Australian Open ist ein Verlust für das Spiel", teilte die Profiorganisation in einem Statement mit.
"Aus meiner Sicht gibt es in der Sache keinen Gewinner", befand Tennis-Legende Boris Becker bei Eurosport. "Novak zahlt sicherlich den höchsten Preis - aber Tennis Australia, der Bundesstaat Victoria und Australien haben keine gute Figur abgegeben."

Caruso übernimmt für Djokovic

Immerhin wird durch das Urteil Verlierer Salvatore Caruso doch noch zum Gewinner.
Der Italiener war in der dritten und letzten Runde der Qualifikation mit 3:6, 4:6 am Japaner Taro Daniel gescheitert. Der Traum vom Hauptfeld bei den Australian Open war geplatzt - und wird nun doch wahr. Dass sich der Weltranglisten-150. nun aber als Sieger fühlt, darf bezweifelt werden.

Becker: Djokovic muss Veränderungen unternehmen"

Das Thema Djokovic wird die Szene aber wahrscheinlich noch sehr lange verfolgen, wie Boris Becker bei Eurosport betonte. "Die French Open und Wimbledon schauen sich die Situation in Australien ganz genau an. Wenn er sich weiter auf Tennis konzentrieren will, muss er einige Veränderungen unternehmen", erklärte der dreimalige Wimbledon-Champion, der den Serben von 2013 bis 2016 trainierte.

Novak Djokovic auf dem Weg zur Anhörung vor Gericht in Melbourne

Fotocredit: Imago

Sollte Djokovic bei seiner Haltung bleiben, könnte der Traum vom 21. Grand-Slam-Titel platzen. Das aber ist das letzte große Ziele in der Karriere des Belgraders, der nie einen Hehl daraus machte, irgendwann als unumstritten größter Spieler der Geschichte in die Annalen einzugehen.
Aus Sicht von Becker hilft dem Ausnahmespieler jetzt nur noch eines: "Novak, versuche einzusehen, dass es geimpft leichter für dich sein wird!"

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