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Australian Open 2024: Alexander Zverev weltklasse mit Diabetes - Deutschlands Nummer eins erklärt sein Geheimnis
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Publiziert 17/01/2024 um 17:21 GMT+1 Uhr
Sportliche Baustellen hat Alexander Zverev nach dem Auftaktsieg bei den Australian Open gegen Dominik Koepfer noch einige zu bewältigen, soll es für ihn in Melbourne weit gehen. Bei seiner 2022 öffentlich gemachten Diabeteserkrankung dagegen hat er inzwischen Sicherheit gewonnen und Routinen entwickelt. Einfach sei die medizinische Situation auf dem Court aber nicht immer, wie Zverev erklärte.
Zverev ehrlich im Eurosport-Interview: "War ein bisschen verloren"
Quelle: Eurosport
41 Fehler alleine mit der Vorhand, dazu 39 sofortige Returnfehler (von 129 Aufschlägen Koepfers; Anm. d. Red.): Das sind nur zwei der aussagekräftigsten Statistiken aus dem umkämpften Viersatzsieg von Alexander Zverev gegen den lange Zeit besseren und aktiveren Landsmann Dominik Koepfer. Der ist nach langwierigen Schulterproblemen zwar immer noch bekannt für seine physischen Grundlinienkünste. So viele freie Punkte direkt nach dem eigenen Aufschlag, wie Zverev sie wegschenkte, war Koepfer aber nicht gewohnt.
Nicht nur deswegen fiel Zverevs sportliche Analyse im Nachgang trotz des Sieges nüchtern aus. Sowohl im Eurosport-Interview als auch später in der deutschen Pressekonferenz betonte er, dass er im Vergleich zu den hallenähnlichen Bedingungen beim United-Cup-Sieg von Sydney bei seinem ersten Freiluftevent des Jahres in Melbourne noch ein paar Klassen schlechter spiele, sowie Probleme mit der Bespannung und seinem Gefühl hatte.
Teilweise entwickelten sich durch seine Unzufriedenheit längere Monologe auf Russisch in Richtung seiner Box. Diese wiegelte Zverev im Gespräch mit Boris Becker und Matthias Stach mit einem charmanten Lächeln und der entsprechenden Übersetzung ab: "Ich habe sie gefragt, wie ich überhaupt mal einen Ball reinspielen soll?"
Ganz so schlimm war es nicht von Zverev, der sich im dritten Durchgang gegen den drohenden Satzverlust wehrte und einen mutigen, guten Tiebreak spielte. Dennoch muss sich der Olympiasieger deutlich steigern, wenn es für ihn beim ersten Grand-Slam-Turnier des Jahres weit gehen soll. Expert:innen und auch er selbst sprachen im Nachgang von den typischen Zverev-Problemen in einer ersten Gram-Slam-Runde.
Probleme, auf den Tennisplätzen dieser Welt öffentlich seine Krankheit zu kontrollieren und zu regulieren, hat Zverev dagegen - zum Glück - nicht mehr. Dass das noch eine Erwähnung wert ist, zeigt den langen Weg, den Zverev mit Diabetes hinter sich hat.
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Zverev selbstkritisch: "Ein paar Klassen schlechter als in Sydney“
Quelle: Eurosport
Zverev hatte Diabetes Typ 1 bereits als Kind
Die deutsche Nummer eins hatte seine langjährige Diabetes-Erkrankung in den ersten Profijahren geheim gehalten, erst im August 2022 öffentlich gemacht und eine Stiftung gegründet. Bereits im Alter von vier Jahren war beim Hamburger die Diagnose Diabetes Typ 1 gestellt worden.
Ärzte hätten der Familie damals klar gemacht, dass Leistungssport über mehrere Stunden nicht denkbar sei, Zverev wurde auf der weiterführenden Schule, einem Hamburger Sportgymnasium, nach eigenen Angaben zum Teil aufgezogen, Kinder hätten sein Messgerät zerstört, in der Pubertät sei ihm die Erkrankung und das regelmäßige Spritzen peinlich gewesen.
In den ersten Profijahren habe ihm zudem das Selbstvertrauen gefehlt. "Bisher wussten nicht viele Menschen, dass ich Diabetes habe. Ich hatte immer Angst, dass meine Gegner sich gegen mich stärker fühlen, wenn sie von meiner Krankheit wüssten. Heute ist das anders, und ich mache mir darüber keine Sorgen mehr", ließ er 2022 ausrichten.
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Becker erklärt: Das war der Schlüssel zum Sieg für Zverev
Quelle: Eurosport
Zverev: Wie groß ist der Nachteil in langen Matches?
Wie stark Zverevs Nachteile über den Verlauf eines langen Fünfsatzmatches wirklich sein könnten, darüber hat er bis heute keine exakten Aussagen getätigt. Er wolle das unter keinen Umständen als Ausrede gelten lassen.
Bruder Mischa kennt diesen Standpunkt, deutete bei einem Interview am Rande der BMW Open 2023 aber an, dass es für Zverev durchaus schwer sei, in einem langen Match stabil zu bleiben.
Bei Diabetes mellitus ist der Zuckerstoffwechsel gestört, es wird hauptsächlich nach Typ 1 und Typ 2 unterschieden. Typ 1 - wie bei Zverev - ist eine nicht heilbare Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem die Zellen in der Bauchspeicheldrüse angreift, die das Hormon Insulin produzieren. Betroffene müssen ihr Leben lang Insulin spritzen.
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Alexander Zverev - Australian Open
Fotocredit: Getty Images
So kontrolliert Zverev seinen Blutzuckerspiegel während des Matches
Am Dienstag sahen die Eurosport-Zuschauer wiederholt, wie Zverev seinen Blutzuckerspiegel auf der Bank bei den Seitenwechseln kontrollierte. Die Kontrolle muss als Diabetiker sehr regelmäßig erfolgen. Zverev muss wissen, wann er auch ohne das eigene Bedürfnis essen und trinken muss - wenn sein Zuckerpegel zu niedrig ist. Dazu arbeitet er mit einer Handy-App, die über einen eingesetzten Chip in seiner Hüfte regelmäßig misst und die Werte anzeigt.
Dass das während eines Profitennismatches gar nicht so einfach ist, machte er im Gespräch mit Stach und Becker am Dienstag deutlich: "Wie man auch gerade gesehen hat (TV-Bilder; Anm. d. Red.) auf meinem Handy - die Verbindung hält sechs Meter lang. Ich bin natürlich meistens weiter weg als sechs Meter auf dem Tennisplatz", erklärte Zverev die Problematik.
Alle fünf Minuten werde ein neuer Messwert angezeigt. Wenn er dann innerhalb dieser fünf Minuten nicht an der Bank sei - was häufiger vorkomme - dann werde gar kein Wert angezeigt. "Wenn es so ist, dass ich eine halbe oder dreiviertel Stunde keine App-Info mehr erhalten habe, dann muss ich es den Zuckerspiegel manuell testen. So wie ich es heute halt gemacht habe", sagte Zverev. Es sei jedoch alles in Ordnung gewesen. "Seitdem ich es bekanntgegeben habe, ist es für mich einfacher geworden, weil ich es nicht mehr verstecken muss."
In der deutschen Pressekonferenz in den Katakomben auf der Anlage in Melbourne führte er den Vorgang ebenfalls detailliert aus, bestätigte nochmal: "Ich mache das jetzt eigentlich regelmäßig, fast jedes Match selbst. Der Zeitpunkt kommt sehr auf mein Gerät an." So einfach wie in Australien hat es Zverev aber nicht bei jedem Turnier gehabt.
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1. Runde: Zverev kämpft Koepfer nieder - Highlights
Quelle: Eurosport
Mess- und Spritzverbot bei den French Open
Erst vor einem halben Jahr bei seinem Halbfinallauf in Paris, wurde er von den Verantwortlichen der French Open aufgefordert, zum Spritzen den Platz zu verlassen, eine Toilettenpause zu nehmen. "Beim letzten Mal wurde mir gesagt, dass das als Toilettenpause gilt. Da habe ich gesagt: 'Leute, es kann sein, dass ich vier, fünfmal vom Platz laufen muss'", sagte der 26-Jährige damals nach dem Achtelfinal-Erfolg gegen Grigor Dimitrov im Eurosport-Interview.
"Ich habe nur zwei Toilettenpausen. Das heißt, dass mir eine gewisse Sache nicht erlaubt ist, die notwendig für mein Leben ist", erklärte er damals auf Anfrage bei einer Pressekonferenz in Paris. Ihm sei von Verantwortlichen gesagt worden, dass es aussehe, als würde er "etwas Komisches" machen, wenn er sich auf dem Platz spritze, als ob er dopen würde.
"Ja, ihr seid nicht sehr, sehr schlau. Ich bin, seit ich dreieinhalb Jahre bin, Diabetiker. Wenn ich mich nicht spritze, komme ich in Lebensgefahr", so Zverev. Insulin steht zwar tatsächlich auf der WADA-Liste für verbotene Mittel. Zverev aber hat aufgrund seiner Erkrankung eine medizinische Ausnahmegenehmigung.
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"Dann komm ich in Lebensgefahr": Zverev erklärt Insulin-Diskussion
Quelle: Perform
French Open mussten wegen Zverev Statement veröffentlichen
Die Ungereimtheiten nahmen medial und in den sozialen Medien derart Fahrt auf, dass sich die Turnierverantwortlichen zu einem Statement veranlasst sahen und Zverev das Messen und Spritzen auf dem Court erlaubten.
Nun, zu Beginn des Jahres 2024, scheint etwas Normalität eingekehrt zu sein. Noch immer gibt es recht wenig bekannte Persönlichkeiten, die den Umgang mit Diabetes in der Öffentlichkeit normalisieren.
Als Zverev seine Stiftung gründete, sagte er: "Die Krankheit hat mich zeitlebens begleitet. Als kleiner Junge habe ich mir darüber keine großen Gedanken gemacht, später mehr und mehr. Ich will zeigen, dass man es mit dieser Krankheit ganz weit schaffen kann."
Bei den Australian Open geht es für Zverev in der Nacht zum Donnerstag bereits um 1:00 Uhr deutscher Zeit (live bei discovery+) gegen den slowakischen Außenseiter Lukas Klein weiter.
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Zverev exklusiv zu Insulin-Thematik: "Es muss eine Struktur geben"
Quelle: Eurosport
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Rally über 28 Schläge: Zverev und Koepfer drehen auf
Quelle: Eurosport
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