Australian Open: Alexander Zverev erfindet sich in Melbourne neu - Traum vom Triumph bei Grand Slam lebt weiter

Alexander Zverev ist auf dramatische Art und Weise im Halbfinale der Australian Open an Carlos Alcaraz gescheitert (4:6, 6:7, 7:7, 7:6, 5:7). Seinen Auftritt in Melbourne allein anhand des erneut ausgebliebenen ersten Grand-Slam-Titels zu beurteilen, würde jedoch viel zu kurz greifen. So war in Australien ein "neuer" Zverev zu bestaunen, der sein allerbestes Tennis erst noch zeigen wird.

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Quelle: Eurosport

Zu Ende ging es mit einem Thriller der Extraklasse. Für 5:27 Stunden verlangten sich Carlos Alcaraz und Alexander Zverev im Halbfinale der Australian Open alles ab.
Die deutsche Nummer eins kämpfte sich nach einem zwischenzeitlichen 0:2-Satzrückstand zurück, drehte den Spieß trotz umstrittener Szenen um und servierte zum Finaleinzug - nur um im entscheidenden Moment den Kürzeren zu ziehen (4:6, 6:7, 7:7, 7:6, 5:7).
Wieder einmal, möchte man sagen: Und zwar wieder einmal gegen einen jener Spieler, die ihn zurzeit vom Gewinn seines ersten Grand-Slam-Titels abhalten.
Doch Zverevs Abenteuer "Down Under" am Ausgang einer einzigen Partie zu bewerten, würde viel zu kurz greifen. Das unglückliche Ende in Melbourne war vielmehr der Vorgeschmack auf das, was noch bevorsteht.

Ein neuer Zverev zeigt sich

"Um ehrlich zu sein: Ich hatte nichts mehr übrig. Meine Beine haben nicht mehr funktioniert. Aber so ist das Leben. Es muss weitergehen", meinte Zverev auf der anschließenden Pressekonferenz. "Wenn ich aber weiter so spiele, so trainiere, dann kann das ein sehr gutes Jahr für mich werden."
Es ist ein Eindruck, der sich im Laufe der beiden zurückliegenden Wochen verfestigt hatte. In Melbourne präsentierte sich ein "neuer" Zverev, der seine Schwächen im Gegensatz zu vorangegangenen Jahren nicht nur akzeptierte, sondern anpackte und zumindest vorerst ausmerzte.
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Alexander Zverev - Carlos Alcaraz | Halbfinale | Highlights

Quelle: Eurosport

Ein Beispiel gefällig? "Die Vorhand war der Hauptschlag, an dem wir in den letzten sechs Monaten vermutlich am meisten gearbeitet haben", analysierte Zverev seine neugewonnene Waffe vor dem Halbfinale gegen Alcaraz selbst. "Da war ich letztes Jahr sehr hinter den anderen Topspielern her."
Durch diesen Wandel bestach Zverev in Australien mit einer zuletzt ungewohnten Dominanz, gab bis in die Vorschlussrunde auf dem Court den Takt vor. "Er schlägt etwas härter, mit mehr Geschwindigkeit und mehr Topspin. Das macht ihn noch schwieriger zu spielen", lobte etwa Eurosport-Experte Boris Becker.

Zverev: Mentalität bleibt ein zweischneidiges Schwert

So stellte sich auch ein völlig neues Selbstverständnis ein, mit welchem Zverev in den letzten sechs Spielen auf den Platz trat.
Die Körpersprache des 28-Jährigen fiel deutlich positiver aus als in der Vergangenheit. Immer wieder war Zverev dafür kritisiert worden, in den entscheidenden Momenten zu passiv und statisch zu werden. Die Meter, die ihm in solchen Phasen bei bitteren Niederlagen zur Grundlinie fehlten, wurden quasi zu seinem Markenzeichen.
In Melbourne war damit aber Schluss - ebenso wie mit den kraftraubenden Debatten auf Nebenschauplätzen. Bis auf seinen verständlichen Ausraster während des umstrittenen Time-Out seitens Alcaraz bewahrte Zverev selbst in mental herausfordernden Momenten die Contenance.
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"Absoluter Bullshit, der hat Krämpfe!" Zverev total außer sich

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Unzerstörbar ist Zverev im Reich der Gedankenspiele aber trotzdem (noch) nicht - das offenbarte auch der verpasste Finaleinzug. Die Mentalität bleibt einfach ein zweischneidiges Schwert.
Als der Olympiasieger von Tokio im fünften Satz das Break zum 5:5 kassierte, war ihm ein merklicher Knick anzusehen. Alcaraz zog das Publikum mit seiner unvergleichlichen Art auf seine Seite, plötzlich war Zverev auf sich allein gestellt - und zog in der berüchtigten Crunch Time einmal mehr den Kürzeren.
Solche Spiele werden im Kopf entschieden, dieses Thema begleitet Zverev durch die gesamte Karriere. Das war im Finale der US Open 2020 sowie im Endspiel der French Open 2024 der Fall. Und nun eben in Melbourne.
"Ich habe für mich verstanden, dass Psychologen für den Arsch sind. Mehr oder weniger", moderierte Zverev nach der 3. Runde die Frage nach psychologischer Unterstützung mit Blick auf derartige Showdowns weg. Nach Niederlagen wie dieser darf eine so verschlossene Haltung hinterfragt werden.
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Zverev: Lust auf sein (aller-)bestes Tennis

Trotzdem lautet das Fazit aus Down Under: Die Augenhöhe, welche ihm im Vergleich mit den ganz Großen auf der ATP-Tour zwischenzeitlich abgesprochen wurde, ist wieder da.
Nach einem "unglaublich unbefriedigenden" Jahr 2025 legte Zverev den Schalter um und war nur ein Game von seinem zweiten Australian-Open-Finale in Folge entfernt. Wenn die deutsche Nummer eins körperlich bei 100 Prozent ist, wird aus dem ganz großen Wurf mehr als nur ein entfernter Traum.
Nun vernimmt man nur Stunden nach dem Halbfinal-Aus in Australien, dass in der Ära eines Carlos Alcaraz und Jannik Sinner selbst "der beste Zverev" nicht für den erlösenden Grand-Slam-Titel reiche.
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Doch ähnlich wie sich die beiden Himmelsstürmer in den vergangenen Jahren weiterentwickelt und zum Teil neu erfunden haben, ist ein solcher Wandel dem "Unvollendeten" keineswegs vorenthalten. Und immerhin sieht sich Zverev selbst noch nicht am Höhepunkt seines Schaffens angekommen.
"Wenn man gewinnt, ist man als Athlet automatisch glücklicher. Aber mein bestes Tennis habe ich wahrscheinlich bei den French Open 2022 gespielt, als ich mich verletzt habe", meinte Zverev nach dem Viertelfinale.
Nur zu gut, dass die besten Spieler der Welt in weniger als vier Monaten auf den roten Sand von Roland-Garros zurückkehren. Es mag zwar sein 41. Anlauf bei einem Grand-Slam-Turnier sein, doch die Lust auf sein allerbestes Tennis - sie ist voll und ganz da.
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