Die French Open haben innerhalb von knapp drei Stunden zwei ihrer absoluten Superstars verloren.
Um 16:31 Uhr setzte Roger Federer die Welt via Twitter über seinen Turnierausstieg in Kenntnis, um 19:13 Uhr war das Turnier dann auch für Serena Williams zu Ende.
Während das Aus der US-Amerikanerin sportlich zustande kam - Williams unterlag Elena Rybakina im Achtelfinale mit 3:6, 5:7 -, entschied sich der Schweizer an seinem freien Tag zum Abbruch des Sandplatzklassikers. Letztlich wohl zum Teil auch aus strategischen Gründen.
French Open
Reaktionen auf den Federer-Rückzug: "Für mich eine gute Nachricht"
06/06/2021 AM 16:08
Natürlich ist nachvollziehbar, dass der 39-Jährige nach dem Dreieinhalbstunden-Duell mit Dominik Koepfer auf Nummer sicher geht, weil er offensichtlich körperlich angegriffen war.
Federer spürt die beiden Knie-Operationen aus dem Vorjahr noch immer. Es sei daher "wichtig, dass ich auf meinen Körper höre und sicherstelle, dass ich mich auf meinem Weg der Genesung nicht zu schnell überfordere", erklärte der 20-fache Grand-Slam-Champion seine Entscheidung.
Aus Federers Sicht logisch.

Turnierausstieg bei French Open? Hier spricht Federer über seine Lage

Federers Rückzug kommt mit Ansage

Roland-Garros betrachtete der Maestro nur als Zwischenstation auf dem Weg in die Rasensaison, sein eigentliches Metier. Dort will er glänzen. Zunächst in Halle, dem mit zehn Erfolgen erfolgreichsten Turnier seiner Laufbahn. Dann in Wimbledon, seinem Wohnzimmer.
Trotzdem muss die Frage erlaubt sein, ob es vertretbar ist, ein Grand-Slam-Turnier vor dem Achtelfinale abzubrechen, um die Chancen auf ein gutes Abschneiden in einer späteren Saisonphase zu erhöhen? Und auch die Frage, wie ernst er den Klassiker am Bois de Boulogne genommen hat, steht im Raum.
Federer selbst hatte kurz vor Beginn des Events schon angedeutet, dass Paris nicht die oberste Priorität genießt. "Es mag komisch klingen, die French Open als Vorbereitung auf die Rasensaison zu bezeichnen, aber so ist es. Es wäre vermessen, zu sagen, für mich sei in Paris alles möglich."

Becker verteidigt Federer: "Kritik nicht nachvollziehbar"

Dieser Ansage hat Federer, früher als zu erwarten war, nun Taten folgen lassen.
"Bei jedem anderen Spieler hätte man gesagt: Wie kannst du nur den Koepfer aus dem Turnier werfen, der dann keine Chance hat, das Achtelfinale zu spielen?", betont Eurosport-Experte Boris Becker und liefert auch die Erklärung mit, weshalb das bei Federer nicht angebracht sei.
"Roger hat sich einen Nimbus erspielt, er ist der vielleicht beliebteste Spieler aller Zeiten", so der 53-Jährige.
Dennoch kam in den Medien und bei einigen Tennisfans Unmut über den Rückzug des Routiniers auf. "Für mich ist das nicht nachvollziehbar. Er war zu ehrlich auf der Pressekonferenz und hat aufgrund seiner weiteren Planung angekündigt, darüber nachzudenken, nicht mehr weiterzuspielen", sagt Becker.

Erst Osaka, jetzt Federer

Bei Naomi Osaka habe es "Kritik gegeben, weil sie nicht mit den Medien spricht. Bei Roger kommt jetzt Kritik auf, weil er zu ehrlich mit der Presse ist", wundert sich die deutsche Tennis-Legende.
Die Japanerin hatte vor und in den ersten Tagen von Roland-Garros die Schlagzeilen mit ihrem Presse-Boykott beherrscht.

3. Runde: Koepfer verlangt Federer in epischer Night Session alles ab

Osaka wollte ein Zeichen setzen und ihre mentale Gesundheit schützen. Vor ihrem Zweitrundenmatch brach die Nummer zwei der Welt den Wettbewerb ab. Sie "glaube, es ist für das Turnier, für die anderen Spielerinnen und mein Wohlbefinden das Beste, wenn ich aussteige, sodass sich alle wieder auf Tennis in Paris fokussieren können", ließ Osaka wissen.
Nach ihrer Entscheidung und den offenen Worten erfuhr die 23-Jährige dann viel Zuspruch.
Bei Federer werden die kommenden Tage zeigen, wie die Tenniswelt den Fall einordnet. Aus Beckers Sicht hat sich der Ausnahmespieler "fair" verhalten.

"Perfekte Vorbereitung auf Rasen für Federer"

Sportlich habe der Schweizer ohnehin alles richtig gemacht, findet Mats Wilander. "Er hat mit Marin Cilic einen großartigen Spieler geschlagen und ein hartes Viersatzduell gegen Dominik Koepfer für sich entschieden.
Federer hat also viele Big Points geholt und die Matches bekommen, die er gebraucht hat. Das war die perfekte Vorbereitung auf die Rasensaison", glaubt der Schwede, der in Roland-Garros dreimal triumphierte.
Der Rückzug spreche vielmehr für die clevere Planung Federers. Der Turnierausstieg zeige, "dass der Schweizer noch länger dabei sein" werde. "Für mich ist das daher eine gute Nachricht", findet Wilander.
Eine Sichtweise, mit der sich freilich nicht alle anfreunden können.
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