Am 30. Januar 2020 stand Roger Federer zum letzten Mal bei einem Grand Slam auf dem Platz. Gegen Novak Djokovic verlor der Schweizer im Halbfinale der Australian Open.
Kurz danach kam die Corona-Pandemie und der Tennis-Sport machte eine Pause.
Federer musste sich zwei Knieoperationen unterziehen und fehlte daher bei der Rückkehr auf der Tour, unter anderem auch bei den US Open und French Open im vergangenen Herbst.
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Sein Grand-Slam-Comeback bei den French Open wurde mit Spannung erwartet. Am Montag war es in Paris soweit und Federer enttäuschte seine Fans nicht.
Im Gegenteil: Gegen Qualifikant Denis Istomin (Nr. 204) spielte der bald 40-Jährige teils wie zu besten Zeiten. Die 16 Monate lange Pause vom Grand-Slam-Tennis war Federer nicht anzumerken.

Boris Becker schwärmt von Federer-Spiel

Nach einigen schwachen Auftritten in den letzten Monaten war vor allem die Art und Weise des Sieges etwas überraschend.
Eurosport-Experte Boris Becker schwärmte nach dem klaren 6:2, 6:4, 6:3-Erfolg gegen den Usbeken: "Er ist ein echter Tenniskünstler. Es gibt den Arbeiter Nadal, Djokovic geht auch schonmal in die Bremsen. Federer ist wie ein Balletttänzer, so leicht und geschmeidig."
Der Schweizer spiele eine Art von Tennis, "die man so nicht mehr sieht". Die meisten jungen Spieler seien zwar "harte Arbeiter und diszipliniert, aber nicht so die Tennis-Künstler. Das macht es so schön Federer zuzuschauen", ergänzte der sechsmalige Grand-Slam-Sieger.
Mats Wilander schlug in dieselbe Kerbe. "Es hat sich angefühlt, als wäre ich im Himmel. Roger ist einfach so anmutig, ganz zu Beginn sah es wirklich so aus, als wäre er nie weg gewesen. Er ist so grazil, alles was er macht - die Stops, der Rückhand-Slice, Aufschlag und Volley", meinte der 56-Jährige begeistert bei Eurosport.
Jeder Schlag von Federer lasse ihn über sich selbst denken, er wäre "ein schlechter Tennisspieler. Es ist unfassbar, wie man so Tennis spielen kann." Eine bemerkenswerte Aussage von einem ehemaligen Profi, der selbst sieben Grand-Slam-Titel holte und die Nummer eins der Welt war.

Matchball Becker: "Federer ist wie ein Balletttänzer"

Roger Federer hat keine Hoffnung auf Titel

Gegen Istomin feierte der 39-Jährige immerhin seinen ersten Sandplatzsieg seit den French Open 2019, zugleich sein letzter Auftritt in Roland-Garros. Damals besiegte er Landsmann Stan Wawrinka im Viertelfinale.
Die Rückkehr des Maestros in Paris löste bereits im Vorfeld große Euphorie aus. Federer selbst bremste die Hoffnungen allerdings schnell ein: "Die Erwartung auf Sand ist begrenzt. Es ist komisch, die French Open als Vorbereitung für Rasen zu nehmen, aber es ist jetzt nun mal so."
Die Saison des Schweizers ist voll auf Wimbledon ausgerichtet.
Bereits nach seiner enttäuschenden Erstrundenniederlage in Genf gegen Pablo Andújar stellte der 39-Jährige klar: "Ich weiß, dass ich die French Open nicht gewinnen werde. Wer auch immer dachte, ich würde oder könnte das schaffen, liegt falsch."

Wilander mit großer Hommage an Federer: "Mögest du niemals alt werden"

Nach dem Erfolg gegen Istomin war Federer jedoch zufrieden. "Ich habe mich heute gut bewegt. Ich habe die Ballwechsel auch absichtlich kurz gehalten, damit ich nicht in lange Rallyes gezogen werde und habe immer mal wieder einen Stop-Ball eingestreut", sagte der Schweizer im On-Court-Interview zu seiner Taktik.
Weiter meinte er: "Es tut sehr gut, wieder gewonnen zu haben, denn die Trainings habe ich satt. Ich denke, ich war in den letzten vier, fünf Tagen schon ziemlich selbstsicher."

Mischa Zverev traut Federer einiges zu

Die große Frage ist nun, wie weit es für den 20-maligen Grand-Slam-Sieger in Paris gehen kann. In der nächsten Runde bekommt es Federer mit dem früheren US-Open-Sieger Marin Cilic (Nr. 47) zu tun. Mischa Zverev glaubt, dass der Schweizer durchaus Chancen hat.
"Er ist jemand, der einen immer überraschen kann. Er kann zwei, drei Monate keine Turniere spielen und auf einmal spielt er die erste Runde in einem Turnier und man denkt, er war nie weg", erklärte der 33-Jährige bei Eurosport.
"Es war ein schneller Platz, und er konnte viel kreieren. Er nutzt so viele verschiedene Schläge. Er kennt so viele unterschiedliche Wege, einen Punkt zu gewinnen - und er hat alle genutzt. Er hat einfach diese feine, saubere Technik. Ich denke, wenn es so bleibt und die Bedingungen schnell bleiben, kann er ziemlich weit kommen", prophezeite Zverev.
Bei aller Begeisterung über das Grand-Slam-Comeback von Federer darf aber nicht außer Acht gelassen werden, dass Istomin kein allzu schwieriger Gegner war. Auf die Leistung kann der Schweizer aber durchaus aufbauen. Und wenn es einen Spieler gibt, der das Können und Talent hat, die Tennis-Welt zu überraschen, dann ist es Federer.
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