Erstmals in Roland-Garros gibt es eine Night Session. Was bei anderen Grand Slams, den Australian Open und den US Open, ein Highlight ist, ist bislang in Paris aber verschmäht - und ein Grund für viel Wut bei den Spielern und bei den Zuschauern.
Daniil Medvedev ließ seinem Wut freien Lauf und sagte nach seiner Niederlage gegen Stefanos Tsitsipas: "Unsere Partie war definitiv das 'Match of the Day", sagte er.
"Also hat Roland-Garros Amazon gegenüber den Leuten vorgezogen. So einfach ist es."
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Der Onlineversandhändler und Streamingdienst hat sich die Rechte an zehn Spielen der Night Session gesichert.

Becker hält den Frust für "legitim"

Eurosport-Experte Boris Becker pflichtete Medvedev und den anderen Stars, die sich gegen die Night Session in Paris aussprachen, bei. Er sagte exklusiv bei Eurosport, er könne den Frust der Spieler verstehen "und halte ihn für legitim." Das späte Spiel reiße das Turnier auseinander. Auch das Spiel selbst sei abends ein anderes: viel langsamer als tagsüber. Entsprechend später seien die Spieler dann erst im Bett. "Kein Topspieler würde den Arm heben, wenn man fragen würde, wer abends spielen möchte."
Medvedev hatte das auch nicht getan, um eine frühere Session gebeten - sein Wunsch wurde aber nicht erfüllt. Im Gegensatz zu Rafael Nadal oder Serena Williams, die beim Turnierdirektor diesen Wunsch erfolgreich platzieren konnten und deshalb schon am Nachmittag ihre nächsten Spiele absolvieren konnten. Am Abend ist der Sand nicht mehr so trocken, der Ball lässt sich also langsamer schlagen.

Zuschauer müssen um 23 Uhr gehen

Auch für die Zuschauer ist die Night Session eine seltsame Angelegenheit: Bis zum 8. Juni fand die Night Session, die um 21 Uhr begann, ohne Fans im Stadion statt. Zu diesem Zeitpunkt begann auch die Ausgangssperre. Das Match zwischen Djokovic und Berrettini war am Mittwoch eine Premiere: Frankreich lockerte die Ausgangsbeschränkungen auf 23 Uhr. Das Match wurde auf 20 Uhr vorverlegt - vermutlich, damit die Zuschauer das komplette Spiel noch sehen können.
Weit gefehlt: Djokovic und Berrettini waren gerade mitten im vierten Satz, als die Zuschauer das Stadion verlassen mussten. Das Spiel wurde für diese Zeit unterbrochen. Während die beiden wenigstens bis dahin lautstark unterstützt wurden, haben die Spieler in den anderen Night Sessions nicht nur wesentlich später, sondern auch in die Stille hinein spielen müssen.

Philippe-Chatrier- Court bei den French Open.

Fotocredit: Imago

Night Session in Roland-Garros: Es geht nur ums Geld?

Für Medvedev ganz klar eine Frage des Geldes: "Wir haben mehr Zuschauer hier als im vergangenen Jahr, wir haben Amazon. Keine Ahnung, ob die letztes Jahr auch da waren, aber wir bekommen 15 Prozent weniger Preisgeld. Die Frage ist also: Wo ist das Geld von Amazon?"
Auch Rafael Nadal sagte schon mehrfach, er sei kein Fan der "Session de soirée" und regte sich über das Licht auf, das wegen der Übertragung schon früher angeschaltet wurde. Auch Serena Williams sagte, dass Night Session nicht ihre "Lieblingsmatches" seien.
Das jetzige Konzept ist noch ausbaufähig. "Vielleicht setzen wir es für die Zukunft auf 8:30 Uhr. Das ist ein guter Punkt und etwas, worüber wir diskutieren sollten", sagte Turnierdirektor Guy Forget dazu. Amazon sicherte sich mit einem Dreijahresvertrag die Rechte an der Night Session, die dadurch also wohl erst einmal bestehen bleiben wird.
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