Alexander Zverev nach French-Open-Aus gegen Novak Djokovic am Scheideweg - junge Generation enteilt Olympiasieger

Aufgrund der bis dato durchwachsenen Saison von Novak Djokovic, aber vor allem wegen der gezeigten Leistung von Alexander Zverev, ist die Viertelfinal-Niederlage bei den French Open einer der größten Rückschläge in der Grand-Slam-Karriere von Deutschlands bestem Tennisspieler. Vor allem Zverevs Aussagen nach der Partie geben zu denken und bieten eine weitere Grundlage für Diskussionen.

Viertelfinale: Djokovic zu stark für Zverev - Highlights

Quelle: Eurosport

Über seine Vorhand, die im Laufe dieses verkorksten Tennismatches immer seltener den Weg ins Feld fand, wollte Alexander Zverev auf Nachfrage von Eurosport.de nicht wirklich sprechen. Stattdessen verwies er, wie bereits im englischen Teil seiner Presserunde weit nach Mitternacht in den Katakomben des Centre Courts Philippe-Chatrier, auf die äußeren Umstände.
"Ich werde es wahrscheinlich noch zehnmal sagen. Aber vieles hat heute schon mit den Bedingungen zu tun. Wir hatten im ersten Satz noch 20 Grad, danach vielleicht 15. Wenn du gegen ihn nicht mit Druck spielst, selbst das Tempo bestimmst, wird es unfassbar schwierig. Wenn du nicht das Gefühl hast zu bestimmen, findest du keinen Weg", erklärte Zverev nach seiner 4:6, 6:3, 6:2, 6:4-Niederlage nach 3:17 Stunden im Viertelfinale der French Open gegen Altmeister und Grand-Slam-Rekord-Champion Novak Djokovic.
Das sei ab Mitte des zweiten Satzes so gewesen. "Ich habe keinen Weg mehr gefunden, Rallys von der Grundlinie zu gewinnen, vor allem von der Seite mit Gegenwind. Er hat besser gespielt. Er hat gewonnen. Das Leben geht weiter", resümierte Zverev, der so kurz nach der Niederlage verständlicherweise nicht groß zu einer Analyse oder großen Selbstreflexion ansetzt. Mit etwas Abstand ist das laut Eurosport-Experte Boris Becker aber nötig.
"Sascha muss sich Gedanken machen, warum es während der gesamten Sandplatzsaison, und nicht nur in Paris, nicht so gut gelaufen ist wie vergangene Saison. Dafür gibt es Gründe, da ist Manöverkritik nötig, da muss sich die Familie zusammentun und offen ansprechen: 'Warum läuft es momentan nicht mehr so gut?'"
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Becker-Fazit: "Zverev wird sich Gedanken machen müssen"

Quelle: Eurosport

Becker über Zverev: "Muss sich Gedanken machen"

Zverev steht am Scheideweg seiner Karriere. Seine Wohlfühlzone, das fehlerarme Spiel mit hohem Grundtempo wenige Meter hinter der Grundlinie, reicht gegen 99 Prozent der Tennisprofis, nicht aber gegen die absoluten Topspieler Jannik Sinner und Carlos Alcaraz, die in Paris im Halbfinale und im Endspiel auf Zverev gewartet hätten.
Es reichte auch nicht gegen Djokovic, der nach einer durchwachsenen Saison und aufgrund der physischen Voraussetzungen unter normalen Umständen mittlerweile eine Klasse hinter Sinner und Alcaraz und eigentlich auch hinter Zverev anzusiedeln ist. Das muss Zverev große Sorgen bereiten.
Djokovic wird über kurz oder lang zurücktreten. Alcaraz und Sinner sind Zverev spielerisch enteilt. Zverev hat lediglich beim Aufschlag Vorteile. Die restlichen Stärken kann das Duo ausgleichen, es spielt zudem flexibler und offensiver als Zverev.
Mit den vorhandenen Mitteln wird Zverev immer wieder in späte Runden eines großen Turniers vordringen können. Um ein Grand Slam zu gewinnen, bedarf es einer dauerhaft sichtbaren Weiterentwicklung seines Offensivspiels, das auch unter Druck standhält.
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Alexander Zverev bei den French Open 2025

Fotocredit: Imago

Die Zeit drängt: Junge Generation rückt nach

Das Problem liege laut Becker darin, "dass die Jüngeren besser werden. Die Konkurrenz ist nicht die Generation von Djokovic, sondern jene um Alcaraz und Sinner. Die sind fünf, sechs Jahre jünger - und dann drängen bereits die jungen Wilden um Joao Fonseca und und Arthur Fils nach vorne. Je früher es für Zverev mit dem Grand-Slam-Titel klappt, umso besser wäre es", unterstrich Becker.
Wer Zverev in diesen Tagen von Paris im Training beobachtete, bemerkte zwar, dass die Schwachstelle Vorhand deutlich besser geworden ist. Unter den für Zverev nicht gelegenen Umständen von Mittwoch aber vermochte der Deutsche gegen Djokovic diesen Schlag nicht konstant auf dem benötigten Niveau abzurufen.
Im Herbst 2024 beim ATP-Sieg in Paris-Bercy und den ATP-Finals verschrieb sich Zverev nach vielen Jahren des Ignorierens selbst eine offensivere Spielweise nahe der Grundlinie. Von dieser Herangehensweise war gestern mit fortlaufender Spielzeit nichts mehr zu sehen.

Djokovic zermürbt Zverev - der verliert das Vertrauen

Djokovic dagegen machte Djokovic-Dinge, entschärfte Zverevs Aufschlag im Stile des besten Returnspielers der vergangenen 20 Jahre, breakte seinen Kontrahenten viermal und spielte viel flexibler als der Deutsche.
Während Djokovic seinen Rhythmus ab Satz zwei endgültig gefunden hatte und Zverev mit unzähligen Stoppbällen (35) aus der Wohlfühlzone sprinten ließ, verlor dieser endgültig das Vertrauen in sich und diesen Tennisabend.
Zverev schlug weniger Winner (38 zu 42), produzierte vor allem viel mehr Fehler als sein Kontrahent (44:29). Im dritten Satz flehte er seine Box nach einer der zahlreichen Vorhandfehler an. Doch auch Vater, Bruder, Hittingpartner, Fitnesstrainer und Physiotherapeut vermochten nicht zu helfen.
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Nach Zverev-Match: Djokovic gibt Sieger-Interview auf der Bank

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Zverev verlor drei Grand-Slam-Finals

Drei große Finals gingen im Tennisleben von Zverev bereits an die Kontrahenten. In Australien dieses Jahr musste Zverev sich Jannik Sinner vor dessen Dopingsperre chancenlos geschlagen geben. Vor einem Jahr unterlag er hier in Paris an Ort und Stelle bei seinem Lieblingsturnier Carlos Alcaraz nach 2:1-Satzführung, weil er zu passiv agierte.
2022 hätten seine French Open werden können, als er Rafael Nadal im Halbfinale drei Stunden bekämpfte und wie der bessere, fittere Spieler aussah. Dann knickte Zverev um, riss sich sieben Bänder im Sprunggelenk und benötigte einen bemerkenswerten Kraftakt von einem Jahr, um wieder auf sein altes Niveau zu gelangen.
Dass er bereits 2020 während der Pandemie gegen Dominic Thiem nur zwei mickrige Punkte vom US-Open-Sieg entfernt, klingt angesichts des schnelllebigen Profigeschäfts schon wie eine Story aus einer anderen Epoche.

Zverev hat alle Fähigkeiten, die es braucht

All diese Chancen hat sich Alexander Zverev mit seinen vorhandenen Fähigkeiten erspielt und zudem außerhalb der vier größten Turniere alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt: Ein herausragender Aufschlag, der an guten Tagen besten und die stabilste Rückhand der Welt sowie eine herausragende Fitness und vor allem Beweglichkeit in Relation zur Körpergröße von 1,98 Metern, die sportartübergreifend ihresgleichen sucht.
All das bringt er auf die Tennisplätze dieser Welt, obwohl er seit 24 Jahren mit der Krankheit Diabetes lebt. Während des Turniers schilderte er erstmals ausführlich, dass es trotz aller Vorbereitung durch Anspannung, Nervosität und kleineren Dingen zu Problemen beim Zuckerwert kommen und das während Matches Auswirkungen auf Konzentration und Reaktionszeit haben kann.
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Zverev: Erst Frust-Tritt gegen das Krokodil, dann Monsterballwechsel!

Quelle: Eurosport

Zverev-Kritiker bekommen neues Futter

Mit ein wenig mehr Fortune hätten diese Gesamtmengenlage trotz Wettbewerbsnachteil zu dennoch zu einem Grand-Slam-Sieg genügt.
Im Profitennis mehrten sich in den vergangenen Jahren aber die Stimmen, die Zverev keinen Major-Sieg mehr zutrauen. Diese erneute Niederlage in Roland-Garros gibt den Kritikern neues Futter, weil sich Zverev wenig flexibel und anpassungsfähig präsentierte.
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Matchball Becker: Darum hat Zverev das Viertelfinale verloren

Quelle: Eurosport


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