Rafael Nadal droht Ende der Sandplatz-Dominanz: Nicht nur Carlos Alcaraz und Holger Rune rütteln am Thron
Rafael Nadal, wer sonst? Die Frage nach dem Sandplatzkönig stellt sich seit 2005 nicht mehr. Damals gewann der Spanier erstmals die French Open. In dieser Saison aber könnte der König sein Reich verlieren. Zum einen ist offen, wann Nadal sein Comeback geben kann, zum anderen ist er 36 Jahre alt. Derweil bringt sich ein illustrer Kreis an Thronfolgern in Stellung, darunter zwei Teenager.
Zverev mit Vorfreude: "Fühle mich in Madrid extrem wohl"
Quelle: Perform
Carlos Alcaraz steht im Konfettiregen von Barcelona, Holger Rune wehrt im Finale von München vier Matchbälle ab, Andrey Rublev liegt nach dem Endspiel des Masters von Monte-Carlo überglücklich auf dem Court - die Sandplatzsaison 2023 hat in den ersten vier Wochen tolle Bilder produziert.
Nur einer fehlt auf allen "Gemälden": Rafael Nadal.
Der 14-fache French-Open-Champion und beste Sandplatzspieler der Geschichte verschiebt sein Comeback aufgrund einer hartnäckigen Hüftverletzung Woche um Woche. Das derzeit laufende ATP Masters von Madrid findet ebenfalls ohne den 36-Jährigen statt.
Man muss sich ernsthaft Sorgen machen, auch um den weiteren Karriereverlauf. "Ich denke, solange er eine Chance hat, zu gewinnen, wird er weiterspielen", erklärte Onkel Toni vor etwa einem halben Jahr gegenüber der "AS".
Djokovic, Zverev und Thiem schwächeln
Diese Chance aber muss sich der Superstar hart erarbeiten. Wie schwer es sein kann, nach einer Pause auf das alte Niveau zu kommen und den jüngeren Herausforderern die Stirn zu bieten, zeigen die Beispiele von Novak Djokovic, Alexander Zverev und Dominic Thiem.
Das prominente Trio mag unterschiedlich lange Auszeiten aus verschiedenen Gründen hinter sich haben, eines aber eint die drei Topspieler: Es läuft derzeit nicht auf Sand. Und das, obwohl sowohl Djokovic (zweimal French Open) als auch Zverev (drei Masters-Titel in Rom und Madrid) und Thiem (zweimal Finale French Open) auf der "terre battue" zu den Besten zählen.
Die Folge: Wenn die Sandsaison im Mai nach den Masters-Wettbewerben von Madrid und Rom auf den Höhepunkt Roland-Garros zusteuert, ist das Feld offen wie selten zuvor. Die Leistungen von Rune und "der Turniersieg von Rublev in Monte-Carlo sind vielleicht ein kleines Statement, aber ich würde nicht behaupten, dass sie deswegen die beiden Favoriten sind. Da muss noch mehr passieren", sagt Mischa Zverev im Exklusiv-Interview mit Eurosport.de.
Rune klopft oben an, Alcaraz nimmt Fahrt auf
Wie die Dinge stehen, muss man Rublev und Rune zutrauen, dass noch viel mehr passiert. Während der Russe mit dem Rückenwind des ersten Masters-Titels der Laufbahn aufschlägt, ist der 19-jährige Däne auf dem roten Belag in fast beängstigender Form. Endspiel in Monte-Carlo, Titelverteidigung in München, Siege gegen Daniil Medvedev und Jannik Sinner.
Ob es reicht, um in dieser Spielzeit zum Sandplatzkönig aufzusteigen? Wird schwierig.
Mit dem 19-jährigen Barcelona-Sieger Alcaraz, Estoril-Champion Casper Ruud, Sinner und Medvedev sowie Barcelona-Finalist Stefanos Tsitsipas gibt es mindestens fünf weitere formstarke Kandidaten, die auf Sand abräumen können.
Millman: Djokovic erst ab Rom in Bestform
Spielt Djokovic als nur eine Nebenrolle? Mitnichten, sagt Routinier John Millman. "Meiner Meinung nach werden wir Novaks bestes Tennis auf Sand nicht vor dem Turnier in Rom sehen", so der Australier. Sollte Djokovic sein Ellbogenproblem in den Griff bekommen und fit nach Roland-Garros kommen, sei er der Topafavorit - vor Alcaraz. Dahinter komme, ein Fehlen von Nadal vorausgesetzt, Sinner.
Zverev fliegt indes fest ein wenig unter dem internationalen Radar, was kein Nachteil sein muss. Zwar setzte es bei zwei Sandplatz-Events zwei Niederlagen in vier Matches, Madrid aber könnte zum Wendepunkt werden. "Die Höhe ist ein großer Faktor. Für meinen Spielstil brauche ich schnelle Bedingungen, damit ich den aggressiven Spielstil spielen kann", zeigte sich der Olympiasieger optimistisch.
Aus gutem Grund: Bei den vergangenen vier Auflagen des Wettbewerbs in der Caja Mágica stand der 26-Jährige dreimal im Endspiel und holte zweimal (2018, 2021) den Titel. Ohnehin seien es Kleinigkeiten, die ihm derzeit den Weg zu Erfolgen verstellen. "In manchen Wochen fühle ich mich so nah dran", betonte der Weltranglisten-16.
Emotionale Rückkehr für Zverev, Thiem greift mit neuem Coach an
Ende Mai steht dann eine emotionale Rückkehr an. Zverev kehrt zu den French Open zurück, wo er sich im Vorjahr im Halbfinale gegen Nadal eine folgenschwere Bänderverletzung im rechten Sprunggelenk zuzog.
Der Klassiker von Paris ist auch das große Ziel seines guten Kumpels Thiem. Der Österreicher wurde nach den Finalteilnahmen 2018 und 2019 bereits als Nachfolger von Nadal gehandelt. Davon ist der US-Open-Champion von 2021 noch immer weit entfernt, aber Thiem hat seine Mannschaft neu aufgestellt.
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Was für ein Händchen! Thiem begeistert Fans in München
Quelle: Eurosport
"Paris ist das größte Sandplatzturnier. Das Ziel ist es, Dominic bis dorthin wieder in der Spur zu haben", erläuterte Benjamin Ebrahimzadeh im Gespräch mit Eurosport.de. Der 43-Jährige ist seit rund drei Wochen Thiems Trainer und hat klare Ziele.
Dabei sei es nicht seine Aufgabe, "auf Rune oder Alcaraz zu schauen, sondern Dominics Spiel an sein Limit zu bekommen. Er muss sein Tennis spielen. Wenn uns das gelingt, ist er sehr, sehr gefährlich, auch für die Jungen", gab Ebrahimzadeh eine erste Kampfansage ab.
Hanfmann über Nadal: Wenn es jemanden gibt ..."
Am Ende aber, da sind sich alle einig, muss solange mit Nadal gerechnet werden, solange er die French Open nicht offiziell abgesagt hat. "Um diesen Namen wird man nicht herumkommen, wenn er dabei ist", stellt Ebrahimzadeh klar.
"Wenn es jemanden gibt, den man im Tennis nie abschreiben kann, dann ist es Rafa, Er wird alles dafür tun, um für Roland-Garros fit zu sein. Und ich gehe davon aus, dass er das sein wird", erklärte DTB-Profi Yannick Hanfmann bei Eurosport.de.
Durchaus denkbar also, dass es wieder so sein wird wie fast immer - und Nadal für die größten Bilder auf Sand sorgt ...
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