US Open: Alexander Zverev plötzlich Favorit in New York - was für Deutschlands Nummer eins spricht

Alexander Zverev feierte vor rund zwei Wochen bei den Olympischen Spielen in Tokio den größten Erfolg seiner Karriere – und sorgte nebenbei für ein Novum: Er war der erste deutsche Tennis-Spieler, der im Herren-Einzel die Goldmedaille gewann. Ein Meilenstein, aber bei weitem nicht der einzige Grund, weshalb Deutschlands Nummer eins auch bei den US Open als einer von zwei Topfavoriten startet.

Alexander Zverev bei den US Open 2020

Fotocredit: Getty Images

Als konventionelle Vorbereitung auf ein Grand-Slam-Turnier konnte man das, was Alexander Zverev vor einigen Tagen in der Allianz Arena absolvierte, nicht unbedingt bezeichnen.
Der frischgebackene Goldmedaillen-Gewinner von Tokio nahm als Überraschungsgast an der offiziellen Teampräsentation des FC Bayern teil, lachte, machte Selfies und kickte mit den Stars des deutschen Rekordmeisters.
Eine schöne, willkommene Abwechslung zum stressigen Tennis-Alltag, der bis dato 44 Einzel-Matches allein in diesem Jahr vom gebürtigen Hamburger abverlangt hatte. "Es war ein wahnsinniges Ereignis, hier spielen zu dürfen“, sagte Zverev nach seinem Auftritt in München.
"Es Spaß gemacht, allerdings muss ich noch etwas trainieren. Dann spiele ich hoffentlich ein bisschen besser."

Zverev mit Gold-Boost zum US-Open-Titel?

Er sei eben mit den Händen talentierter als mit den Füßen, erklärte er schmunzelnd. "Jetzt geht es nach Hause, da werde ich mir ein paar Tage Ruhe gönnen - und dann gehen die Vorbereitungen für New York los." Am Big Apple, bei den US Open, soll nämlich mit dem Gold-Boost im Rücken der nächste große Coup gelingen.
Die Chancen für einen Triumph in Flushing Meadows sind nämlich nach seinen beeindruckenden Auftritten in der japanischen Hauptstadt deutlich gestiegen. Nicht bloß, weil das Edelmetall voraussichtlich für gesteigertes Selbstbewusstsein sorgt, auch weitere Faktoren sprechen für den 24-Jährigen.
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"Das ist es! Das ist Gold!" Die Highlights zu Zverevs Olympiasieg gegen Khachanov

Quelle: Eurosport

Einerseits haben seine Konkurrenten aktuell mit erheblichen Problemen zu kämpfen.
Roger Federer, der kürzlich seinen 40. Geburtstag gefeiert hatte, laboriert an einer Knieverletzung und musste die ATP-Turniere in Toronto und Cincinnati absagen, Rafael Nadal, in diesem Jahr von ständigen Fußschmerzen geplagt, wird bei besagten Masters ebenfalls fehlen.
Nach seinem Aus im Roland-Garros-Halbfinale gegen Novak Djokovic bestritt der Spanier lediglich zwei Spiele. Eine Teilnahme bei den US Open ist derzeit bei ihm ebenso fraglich wie bei Vorjahressieger Dominic Thiem. Österreichs Nummer eins arbeitet nach einer Handgelenksverletzung am Comeback, eine Prognose vermochte sein Vater Wolfgang jüngst nicht abzugeben.

Physis-Monster Djokovic lässt Körner

Und Djokovic, der aufgrund seiner Niederlage in Tokio gegen Zverev zwar die Chance auf den Golden Slam verpasst, aber nach wie vor den Grand Slam vor Augen hat? Der traditionell physisch starke Serbe hatte zuletzt merklich Körner gelassen und im verlorenen Spiel um Bronze mit einem Schlägerwurf auf die Tribüne für Aufsehen gesorgt.
Auch er strich Toronto und Cincinnati aus dem Turnier-Kalender. Der Djoker konzentriert sich also gänzlich darauf, nach Melbourne, Paris und London das vierte und letzte Puzzleteil für den Grand Slam zu sammeln. Ob dem Dauerdominator das gelingt, wird auch an Zverevs Form hängen.
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Ausraster deluxe: Djokovic schleudert Schläger auf die Tribüne

Quelle: Eurosport

Dessen Plan gestaltet sich etwas anders. "Ich werde mir vielleicht ein, zwei Wochen Zeit nehmen und vielleicht ein paar Turniere ausfallen lassen", hatte Zverev kurz nach seinem großen Wurf bei Olympia gesagt. Der Rogers Cup in Kanada kommt für ihn tatsächlich zu früh, das Cincinnati Masters, das zwei Wochen vor den US Open startet, soll für den Weltranglisten-Fünften voraussichtlich jedoch als Gradmesser dienen.

Zverevs Ansehen in Deutschland gestiegen

Neben den Schwierigkeiten, die Zverevs Kontrahenten dieser Tage beschäftigen, könnte ihn noch ein weiterer Aspekt in die Karten spielen: Dank seines beherzten Auftretens in Tokio erhielt er erstmals in Deutschland größere Akzeptanz in der Bevölkerung.
Zverev, der mitunter den Ruf des ewigen Talents, das regelmäßig an sich selbst scheitert als unsichtbare Bürde mit sich trug, hat sein Image in den vergangenen Wochen in der Bundesrepublik aufpoliert und gezeigt, dass er sehr wohl imstande ist, auch auf großer Bühne abzuliefern.
"Das tut ihm auf jeden Fall gut“, sagte Michael Kohlmann, Head of Men's Tennis beim Deutschen Tennis Bund (DTB), im Gespräch mit der "ARD Sportschau".
Der 47-Jährige führte mit Blick auf den Halbfinal-Sieg bei Olympia gegen Djokovic aus: "Er kann jetzt sagen: Bei den großen Events kann er auch die großen Namen schlagen. Es wurde ihm ja immer vorgeworfen, dass er das nicht hinbekommt. Jetzt kann man nur hoffen, dass er diese Initialzündung mit zu den US Open nimmt."
Die Rahmenbedingungen für den ersten Grand-Slam-Sieg könnten aus Zverevs Sicht kaum besser sein - vielleicht folgen auf die bitteren Tränen nach dem dramatischen Endspiel im vergangenen Jahr gegen Thiem schon bald die nächsten Freudentränen.
Sofern er in Tokio nicht alle aufgebraucht hat.
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Servus, Olympiasieger! Zverev von Bayern-Besuch begeistert

Quelle: Perform

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