US Open 2022: Favoriten-Roulette am Big Apple - stiehlt Coric den Stars um Nadal und Medvedev die Show?

Die US Open gehen einmal mehr unter besonderen Vorzeichen über die Bühne. Der dreimalige Turniersieger Novak Djokovic bekam keine Einreisegenehmigung in die USA, Alexander Zverev und Roger Federer arbeiten noch an ihren Comebacks. Hinter der Fitness von Rekord-Grand-Slam-Champion Rafael Nadal steht ein Fragezeichen. Damit ist automatisch Titelverteidiger Daniil Medvedev Topfavorit - oder nicht?

Daniil Medvedev bei den US Open

Fotocredit: Getty Images

Es mag Zufall sein, es mag an der späten Terminierung in der Saison liegen - Fakt ist, dass die US Open der offenste der vier Grand-Slam-Wettbewerbe sind. Sieben verschiedene Champions wurden in den vergangenen zehn Jahren registriert - in etwa doppelt so viele wie bei den Australian Open (4), French Open (3) und in Wimbledon (3).
"Das liegt an der späten Terminierung im Saisonkalender. Es ist meist so, dass die Profis, die in den ersten sechs, sieben Monaten glänzen, in der zweiten Jahreshälfte schwächer werden", erklärt Mischa Zverev im Exklusiv-Interview mit Eurosport.de. "Sogar Novak Djokovic hat 2021 nach drei Grand-Slam-Titeln und als Nummer eins der Welt nicht mehr ganz die Power gehabt, die US Open zu gewinnen."
Der Serbe wird auch in diesem Jahr leer ausgehen, da er aufgrund der fehlenden Impfung gegen das Coronavirus nicht in die USA einreisen kann.
Da Alexander Zverev und Roger Federer als Titelkandidaten ebenfalls ausfallen, stehen Daniil Medvedev und Rafael Nadal bei vielen Experten ganz oben auf dem Zettel.

Mischa Zverev: Nadal und Medvedev nicht Topfavoriten

Nicht so bei Mischa Zverev. "Für mich sind Rafa und Daniil gar nicht so sehr in der Rolle der Favoriten. Nadal hat seit Wimbledon nur das Masters in Cincinnati gespielt und dort sein Auftaktmatch verloren", so der 35-Jährige. Bei Medvedev fehle ihm die Dominanz einer Nummer eins, wie sie Nadal, Federer oder Djokovic verkörperten.
Nur: Wer hat denn dann die besten Karten in New York?
Es gibt natürlich Kandidaten. Einen eher unerwarteten Namen brachte Tennis-Ikone John McEnroe ins Spiel: Borna Coric. Der Kroate hat erst ein Grand-Slam-Viertelfinale zu Buche stehen - das allerdings bei den US Open vor zwei Jahren. Und: Mit dem Gewinn seines ersten Masters-Titels vor wenigen Tagen in Cincinnati hat Coric mächtig Selbstvertrauen getankt.

McEnroe bringt Coric als Titelkandidaten ins Spiel

"Borna sah für mich in Cincinnati besser aus als alle anderen. Körperlich wirkte es so, als stünde er eine Stufe über dem, was ich von den meisten Spielern gesehen hatte. Er ist einer derjenigen, die die US Open für sich entscheiden können", stellt McEnroe gegenüber Eurosport klar. Tatsächlich hat Coric eine gute Auslosung erwischt. In Runde eins wartet ein Qualifikant, danach der Sieger der Partie zwischen Jenson Brooksby und Dusan Lajovic.
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Masters-Sieg für Weltranglisten-152.! Coric schreibt Geschichte

Quelle: Perform

Bemerkenswert: Neben dem Weltranglisten-29. aus Kroatien drängt sich ein weiterer Spieler als Titelkandidat aus ähnlichen Sphären des Rankings auf: Nick Kyrgios. "Er ist bereit, wieder Großes zu leisten", betont Eurosport-Experte Àlex Corretja, der zweimal im Finale der French Open stand. "Für Nick war die Erfahrung, die er in Wimbledon gemacht hat, sehr wichtig." Kyrgios habe in diesem Jahr "seinen Rhythmus gefunden und mit dem Titel in Washington bewiesen, dass er auf Hartplätzen siegfähig ist."
In Wimbledon war Kyrgios schon nah dran an der ersten Grand-Slam-Krone, erst im Endspiel musste er sich nach Satzführung Djokovic geschlagen geben. Die US Open beginnen mit einen Knaller für den Australier: Es geht gegen seinen guten Kumpel Thanasi Kokkinakis, mit dem er zu Jahresbeginn die Australian Open im Doppel gewann.

"Kyrgios liefert die größte Show"

"Ich glaube nicht, dass irgendjemand früh im Turnier gegen Nick antreten will. Vor allem deshalb nicht, weil ihm die Atmosphäre sehr entgegenkommt. Es ist New York, es geht nur um die Show - und Kyrgios liefert die größte Show auf der Tennistour", sagt Corretja.
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Kyrgios gewinnt Turnier in Washington: Erster Titel seit 2019

Quelle: SNTV

Die übrigen Favoriten neben Nadal, Medvedev, Coric und Kyrgios finden sich - wenig verwunderlich - in den Top 15 der Weltrangliste. Vor allem auf Carlos Alcaraz, Stefanos Tsitsipas, Félix Auger-Aliassime und Jannik Sinner ruhen die Blicke.
Auger-Aliassime spielte zwar eine mäßige Vorbereitung, hat aber gute Argumente. Im Februar schnappte sich der Kanadier auf Hartplatz in Rotterdam den ersten ATP-Titel seiner Laufbahn, im Vorjahr preschte er bei den US Open ins Halbfinale. Die Auslosung meinte es gut mit Auger-Aliassime, der sich zunächst mit einem Qualifikanten auseinandersetzen muss und auch in den nächsten beiden Runden machbare Kontrahenten vor der Brust hätte.

Tipp an Sinner: Nicht in die sozialen Medien schauen

Für Sinner wiederum war im Vorjahr im Achtelfinale Endstation. Eine Marke, die der Italiener definitiv überbieten möchte. Einen kuriosen Tipp hat der vierfache New-York-Champion McEnroe für den 21-Jährigen. "Er sollte nicht in die sozialen Medien schauen."
In Wimbledon sei Sinner "langsam besser geworden" und habe "großartig" gespielt. "Dann hat Djokovic das Niveau aber noch einmal angehoben und es war vorbei für Jannik. Es ist ein ständiger Prozess und er hat stetig Fortschritte gemacht", so McEnroe, der in Sinner über kurz oder lang einen Grand-Slam-Champion sieht.

Alcaraz? Nicht täuschen lassen

Für die meisten Experten aber stehen Alcaraz und Tsitsipas ein wenig über Sinner. Von den schwankenden Leistungen des Spaniers in den vergangenen Wochen dürfe man sich nicht täuschen lassen, meint etwa Barbara Schett. "2021 hat er zum ersten Mal den großen Durchbruch bei den US Open geschafft. Körperlich war er nicht ganz in der Lage, über das Viertelfinale hinauszukommen - aber Carlos ist inzwischen ein anderer Spieler, vor allem körperlich." Die Nummer vier der Welt habe "gute Chancen, sehr weit zu kommen", so die ehemalige Weltranglistensiebte bei Eurosport.
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Alcaraz über Rivalität mit Sinner: "Wie bei Nadal und Federer"

Quelle: Perform

Tsitsipas zählt seit geraumer Zeit immer zu den Favoriten, wenn die großen Events anstehen. Bei den US Open lief es für den Griechen bislang allerdings zäh, es ist sein schwächster Major-Wettbewerb. Runde drei - mehr war bisher nicht drin. Immerhin: Die Generalprobe lässt hoffen. Beim Masters von Cincinnati erreichte Tsitsipas das Finale und schlug auf dem Weg dorthin Medvedev oder auch John Isner und Diego Schwartzman. Zum Turnierfavoriten qualifiziert ihn das freilich noch nicht.
Wer also setzt sich durch? Gut möglich, dass am Ende ein Mann die Grand-Slam-Trophäe in den Arm nimmt, der das schon 22 Mal gemacht hat ...
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'Have to wait and see' - Schett on Nadal ahead of US Open

Quelle: Eurosport

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