Rückendeckung für Jannik Sinner im Doping-Wirbel: Marco Bortolotti machte nach eigenem Clostebol-Test "die Hölle durch"
Update 22/08/2024 um 17:53 GMT+2 Uhr
Kurz vor den US Open kennt die Tennis-Welt nur ein einziges Thema - die positiven Dopingproben von Jannik Sinner. Seit dem Paukenschlag am vergangenen Dienstag wurde der Fall aus vielen Perspektiven beleuchtet, Experten und aktive Profis meldeten sich zu Wort. Mit Marco Bortolotti fand sich nun ein Fürsprecher des Weltranglistenersten, den vor wenigen Monaten dasselbe Schicksal ereilt hatte.
Tennis : Mats Wilander's reaction about Sinner doping story
Quelle: Eurosport
Im November des vergangenen Jahres stand die Welt von Bortolotti plötzlich Kopf: Der italienische Doppelspieler wurde positiv auf Clostebol getestet.
Der Fall wurde jedoch schnell aufgeklärt, Bortolotti durfte während der Untersuchungen weiterhin spielen und wurde letzten Endes im Februar seitens International Tennis Integrity Agency (ITIA) für glaubwürdig befunden und entlastet - genau wie Sinner nur wenige Monate später.
"Ich kann Jannik sehr gut verstehen. Du siehst die Welt auf dich einstürzen und die Anstrengungen deines Lebens zunichtemachen", erklärte Bortolotti in einem Interview mit der italienischen Sport-Tageszeitung "Gazzetta dello Sport".
"Ich habe wegen Clostebol monatelang die Hölle durchgemacht", sagte der 33-Jährige.
"Doping mit Clostebol ist schwachsinnig"
Dabei war ihm das Steroid bis zu jener verhängnisvollen Dopingprobe überhaupt kein Begriff. Die letzten Monate habe er daher unter anderem auch damit zugebracht, sich intensiver mit Clostebol zu befassen.
Nach Gesprächen mit Fachleuten und der Teilnahme an einigen Seminaren der Anti-Doping-Behörde sei die Nummer 87 der Doppel-Weltrangliste zu einem einfachen Schluss gekommen: "Ich kann sagen, dass absichtliches Doping mit Clostebol schwachsinnig ist. Es ist kein Steroid, das einen dopt, aber - wenn man damit in Berührung kommt - bist du schuldig. Das ist Sinner passiert und auch mir."
Dieser Umstand sei jedoch vielen nicht bewusst, weshalb ihm diverse kritische Stimmen der vergangenen Tage sauer aufstoßen.
Bortolotti: "Kyrgios hat keine Ahnung"
Allen voran Nick Kyrgios bezog eine klare Stellung im Dopingfall um Sinner und sparte dabei nicht an Kritik.
"Lächerlich - ob versehentlich oder geplant. Wenn du zweimal auf eine verbotene Substanz getestet wirst, dann solltest du für zwei Jahre gesperrt werden", forderte der Tennis-Profi und verbannte Sinners Erklärung, dass das Clostebol bei einer Massage über dessen Haut aufgenommen wurde, ins Reich der Fabeln.
Bortolotti ging den Australier scharf an und sprach ihm jegliche Kompetenz in dieser Debatte ab. "Das sind alles Neider, die nicht wissen, wovon wir reden", sagte er: "Selbst ich, der all das durchgemacht hat, weiß immer noch nicht genau, was Clostebol ist. Ich habe mich viel informiert und denke, dass ich jetzt mehr Recht habe zu sprechen als Kyrgios, der keine Ahnung hat."
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Marco Bortolotti ereilte dasselbe Schicksal wie Jannik Sinner
Fotocredit: Getty Images
Auf Sinner kommen schwierige Zeiten zu
Zweimal wurden bei Sinner im vergangenen April minimale Spuren von Clostebol nachgewiesen. Bortolotti zeigte sich davon überzeugt, dass dahinter keine Absicht gesteckt habe.
"Weder Jannik noch der Physiotherapeut wussten, was geschah. Davon bin ich tausendprozentig überzeugt", sagt er.
Doch ob schuldig oder nicht - auf Sinner kommen nun schwierige Zeiten zu. Dabei seien das aberkannte Preisgeld und die verlorenen Ranglistenpunkte des ATP-Masters von Indian Wells, wo das Vergehen festgestellt worden war, die geringsten Probleme.
Die mentalen Auswirkungen des ganzen Wirbels um seine Person - besonders mit Blick auf die anstehenden US Open ab 26. August - seien nämlich besonders belastend.
"Sinner hat eine starke Persönlichkeit, aber wir sind alles nur Menschen", so Bortolotti. Es sei schwierig, gleichgültig zu bleiben, wenn man mit derartigen Anschuldigungen konfrontiert wird. "Man sieht sich verunglimpft, nachdem man sein ganzes Leben für seine Leidenschaft geopfert hat."
Bortolotti: "Mein Herz blieb stehen"
Bortolotti selbst habe in ständiger Anspannung gelebt, sogar eine Gürtelrose habe er während jener Periode erlitten. "Jedes Mal, wenn ich eine Mail von der ITIA bekam, fühlte ich mich schlecht", gab er einen Einblick: "Das ist auch neulich passiert, als sie mir eine kostenlose Anti-Doping-Lektion angeboten haben. Mein Herz blieb stehen."
Erste Auswirkungen des enormen Drucks, der auf Sinner lasten muss, lassen sich in den vergangenen Wochen bereits finden.
Laut seinem Trainer Darren Cahill habe der Vorfall Sinner "körperlich und geistig zermürbt", der 23-Jährige sei "oft krank gewesen und bekam eine Mandelentzündung, weshalb er die Olympischen Spiele verpasste".
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Quelle: SNTV
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