Nick Kyrgios - Tyrann oder Titelkandidat? Wimbledon staunt über den "Bad Boy" der Szene

Nick Kyrgios überrascht mit starken Auftritten in Wimbledon - allerdings, ohne dabei auf seine üblichen Ausraster und Unsportlichkeiten zu verzichten. Spätestens mit dem Sieg gegen Stefanos Tsitsipas ist nicht mehr zu verleugnen, dass der Australier zum Kreis der Favoriten gezählt werden muss. Die Kritik an seiner Person lässt er indes locker abperlen. Das Achtelfinale aber könnte knifflig werden.

Schett exklusiv: Verhalten von Kyrgios nicht hinnehmbar

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Die ehrwürdige "New York Times" bezeichnet Nick Kyrgios als "Traum und Albtraum für Wimbledon", das irische Sportportal "The 42" sieht den Australier auf dem Weg zum "umstrittensten Champion aller Zeiten".
Kann man übertrieben finden, fest steht aber, dass der aktuelle Siegeszug des 27-Jährigen im All England Club die Tennis-Szene in Atem hält. Nur: Was für einen Mitfavoriten hat Wimbledon denn nun bekommen - einen "Tyrannen", wie Stefanos Tsitsipas vermutet? Oder einen begnadeten Rasenspieler, der trotz aller Kontroversen ein ernsthafter Titelkandidat ist?
Es macht die besondere Faszination von Kyrgios aus, dass man beide Fragen irgendwie bejahen kann.
Mit den Verfehlungen des Weltranglisten-40. lassen sich Bücher füllen.

Kyrgios reiht Eklat an Eklat

Allein in der ersten Wimbledon-Woche brachte es Kyrgios fertig, eine Linienrichterin als "egoistische Petze" zu verspotten, in Richtung eines Zuschauers zu spucken und den Schiedsrichter in der 3. Runde als "dumm" zu verhöhnen.
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Schett verurteilt Spuck-Eklat von Kyrgios: "Wann wird er lernen?"

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Kein Wunder, dass Kyrgios in den Medien und im Kollegenkreis mitunter massiver Gegenwind ins Gesicht bläst. Den, so scheint es, empfindet er aber als erfrischende Brise. Die Kritiker "müssen nun zusehen, wie ich in der 4. Runde von Wimbledon spiele", feixte das Enfant terrible der Szene. Er habe zudem "in dieser Woche einen ziemlich guten Gehaltsscheck bekommen, also ist es mir egal, was sie denken".
Das ist die eine Seite, die "sehr böse", wie es Tsitsipas nach seiner Drittrundenniederlage gegen Kyrgios formulierte.

Kyrgios mit phänomenaler Bilanz gegen Top 5

Aus sportlicher Sicht aber gibt es keine zwei Meinungen: Der 27-Jährige ist ein Ausnahmespieler - wenn er will. In London wollte er bislang. Einem Fünfsatzkrimi zum Auftakt gegen Paul Jubb ließ Kyrgios einen blitzsauberen Auftritt gegen Filip Krajinovic folgen. In Runde drei spielte er dann gegen Tsitsipas auf der gesamten Klaviatur seines Könnens. Nach Provokationen, Debatten und einer Forderung nach der Disqualifikation seines Gegners packte der "Bad Boy" Rasentennis vom Allerfeinsten aus.
Kyrgios mag die kürzeren Ballwechsel auf Rasen, verfügt über einen gewaltigen Aufschlag. An Selbstvertrauen hat es ihm ohnehin nie gemangelt.
Selbst die Besten der Welt kommen ins Schwitzen, wenn es gegen den Australier geht. Kyrgios, der noch nie höher als an Position 13 der Weltrangliste stand, hat eine geradezu phänomenale Bilanz gegen die aktuellen Top 5 im ATP-Ranking. In den direkten Vergleichen mit Daniil Medvedev (2:1), Alexander Zverev (4:3), Novak Djokovic (2:0) und Tsitsipas (4:1) führt er - einzig gegen Rafael Nadal (3:6) ist die Bilanz negativ.

Zverev-These: Der nächste Gegner ist (fast) zu klein

Kyrgios liebt die Auftritte gegen die Elite auf den größten Courts der Welt, fast immer sind es diese Matches, in denen er das Beste aus sich herausholt.
Vor diesem Hintergrund hat Mischa Zverev eine bemerkenswerte These aufgestellt. "Nick trifft nun im Achtelfinale auf Brandon Nakashima. Das ist fast ein zu kleiner Gegner für ihn", sagte der 34-Jährige in seiner Rolle als TV-Experte bei "Sky". Natürlich sei Kyrgios der Favorit, er fühle sich aber wohler, wenn er vor großer Kulisse gegen die Superstars bestehen müsse.
Nun heißt der Gegner allerdings Nakashima (heute ab 14:30 Uhr im Liveticker bei Eurosport.de). 20 Jahre alt. Nummer 56 der Welt. Noch ohne Match gegen Kyrgios. Besteht er die Prüfung, geht es im Viertelfinale gegen seinen Landsmann Alex De Minaur oder Cristian Garín. Erst im Halbfinale könnte mit Nadal wieder ein Superschwergewicht warten.
Es ist nicht zu erwarten, dass Kyrgios sich in der zweiten Turnierwoche nur noch auf seine sportlichen Qualitäten beschränkt, wenngleich ihm das von vielen Seiten geraten wird. "Ich finde es traurig, dass Nick sich immer wieder respektlos gegenüber anderen, vor allem den Schiedsrichtern, verhält. Für viele Menschen mag das unterhaltsam sein, aber ich denke, er sollte sich auf Tennis fokussieren", sagt Eurosport-Expertin Barbara Schett, einst die Nummer sieben der Welt.
Mats Wilander sieht es ähnlich. "Ich glaube nicht, dass es das ist, was wir im Tennis fördern und als Unterhaltung präsentieren sollten", so der siebenmalige Grand-Slam-Turniersieger im Exklusiv-Interview mit Eurosport.

Kyrgios in Wimbledon - mehr drin als je zuvor

Man darf gespannt sein, wie Kyrgios nun weitermacht. Dem Australian-Open-Champion im Doppel ist bewusst, dass die Ausgangslage wohl nie zuvor so gut war, bei einem Major-Wettbewerb im Einzel den großen Coup zu landen.
Bislang schaffte er es in Wimbledon (2014) und Melbourne (2015) je einmal ins Viertelfinale. Bedenkt man die tolle Form und die Konstellation, dann ist für Kyrgios im All England Club dieses Jahr noch mehr drin.
Vielleicht wird er tatsächlich der umstrittenste Champion der Wimbledon-Geschichte - mit dem Zusatz "umstritten" dürfte er jedenfalls kein Problem haben ...
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Entertainer oder Störenfried? Fans haben klare Meinung zu Kyrgios

Quelle: Perform

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