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Wimbledon - Carlos Alcaraz vor dem Duell mit Daniil Medvedev auf Lösungssuche: Bloß nicht mit dem Kopf durch die Wand
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Update 12/07/2024 um 14:30 GMT+2 Uhr
Carlos Alcaraz hat seine Mission, den Titel in Wimbledon zu verteidigen, fest im Visier. Allerdings musste der Champion in den vergangenen drei Runden erkennen, dass er verwundbar ist, auch gegen Spieler von außerhalb der Top Ten. Die Erkenntnis und Erfahrung will er für sich nutzen, denn im Halbfinale wartet die bislang schwerste Prüfung: Daniil Medvedev - und der sei "wie eine Wand", so Alcaraz.
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Wer die Freude und scheinbare Leichtigkeit von Carlos Alcaraz auf dem Platz sieht, mag sich wundern, wenn der 21-Jährige in Wimbledon selbstkritisch zugibt, dass es für ihn "sehr schwierig" sei, "in jedem Match mein bestes Tennis zu spielen" und man deshalb nach Lösungen suche.
Tatsächlich hatte die Nummer drei der Weltrangliste zuletzt Probleme, seine Matches konstant zu dominieren. In Runde drei drohte gar das Aus gegen Frances Tiafoe, ehe sich Alcaraz per Tiebreak in den fünften Satz rettete und diesen gewann.
Gegen Ugo Humbert im Achtelfinale musste der Titelverteidiger einen Satzverlust hinnehmen, gegen Tommy Paul (Viertelfinale) das Match drehen. Gerade das Duell mit Paul sei ein gutes Beispiel gewesen, worauf es ankomme. "Ich habe nicht brillant gespielt, aber genug Niveau gezeigt, um zu gewinnen", berichtete Alcaraz.
Genau das habe die Big 3 um Novak Djokovic, Rafael Nadal und Roger Federer immer ausgezeichnet. Die Fähigkeit, auf Schwächen im Spiel zu reagieren und die Partie dennoch zu den eigenen Gunsten zu beeinflussen, zeigte auch Alcaraz vor wenigen Wochen in beeindruckender Weise bei den French Open. Das Endspiel gegen Alexander Zverev lief nicht nach Wunsch, beim Stand von 1:2 in den Sätzen wackelte der Spanier bedenklich.
Alcaraz-Coach Ferrero: "Das ist das Wichtigste"
Alcaraz aber hat seinen Weg zum Titel gefunden, so wie er es aktuell auch auf dem heiligen Rasen von Wimbledon demonstriert. Er erhöht die Intensität, er lässt sich von Rückständen nicht zu Unbeherrschtheiten hinreißen, er vertraut sich zu 100 Prozent.
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Man muss kein Prophet sein, um zu erkennen, dass er diese Qualitäten im Halbfinale gegen Daniil Medvedev (Freitag im Liveticker) brauchen wird. Der Russe, der im Viertelfinale überraschend Branchenprimus Jannik Sinner aus dem Wettbewerb warf, spielt zu unorthodox, zu gut, zu konstant, um Alcaraz nicht in Schwierigkeiten zu bringen.
Umgekehrt gilt das ebenso, vielleicht sogar noch mehr. "Das Wichtigste", erklärt Coach Juan Carlos Ferrero, sei der Fakt, dass Alcaraz ein "sehr hohes natürliches Niveau" mitbringe, das sich früher oder später im Match auszahle. "In Fünf-Satz-Matches müssen seine Gegner wirklich sehr gut spielen, um ihn zu schlagen, wenn er nur auf einem normalen Level ist", so der 44-Jährige, der 2003 die French Open gewann.
Alcaraz über Medvedev: "Schwierig, wenn man darüber nachdenkt"
Wie der Spieler sieht auch der Trainer die komplizierten Partien der vergangenen Tage als Vorteil. "Er ist reingewachsen, hat sich gegen starke Profis durchgesetzt. Tiafoe und Paul sind schwierig. Carlos fühlt sich aber gut und er hat es geschafft, die Probleme zu lösen, mit denen er konfrontiert war", erläutert Ferrero.
Die Hürde Medvedev kann also kommen. "Das Schwierigste gegen Daniil oder das Besondere an ihm ist, dass er jeden Ball erreichen kann. Er ist wie eine Wand, jeder Ball kommt zurück", beschreibt Alcaraz die Problematik, den Weltranglistenfünften zu stoppen. Man habe mitunter "das Gefühl, einen unglaublichen Schlag gemacht zu haben, aber der Ball springt zurück. Schwierig, wenn man darüber nachdenkt. Ich würde sagen, das ist das Speziellste an ihm." Ballmaschine Medvedev zwingt seine Kontrahenten regelmäßig, mehr Risiko zu gehen, um die Punkte zu beenden.
Ferrero warnt: "Niederlagen haben Medvedev nichts an"
Alcaraz hat die Klasse, um dies zu bewerkstelligen. Und er weiß auch, wie es geht. Mit 4:2 führt Alcaraz den direkten Vergleich an, auf dem heiligen Rasen im All England Club steht es indes 1:1. In der Saison 2021 fertige Medvedev seinen Herausforderer in der 2. Runde in drei Sätzen ab, der revanchierte sich im vergangenen Jahr mit einem Dreisatzsieg im Halbfinale.
Das muss kein Vorteil sein für Alcaraz. "Niederlagen können Daniil nichts anhaben, sie helfen ihm, sich zu verbessern. Ich bin sicher, dass er am Freitag etwas anderes ausprobieren wird als im letzten Jahr", glaubt Ferrero. Taktisch ließ der Coach sich selbstverständlich nicht in die Karten schauen, ein besonderer Fokus im Vorfeld der Begegnung liege aber in der Frische. "Die ist für Carlos aufgrund seines Körperbaus sehr wichtig, denn er ist sehr explosiv", sagt Ferrero im Hinblick auf die gleichermaßen kraftvolle wie kraftraubende Spielweise seines Schützlings.
Die unterscheidet sich maßgeblich von jener des Halbfinalgegners, der darüber hinaus gerne mal mit Wutausbrüchen, Diskussionen oder anderweitigen Psychospielchen arbeitet. Auf Alcaraz könnte einiges zukommen. Er darf bei Schwierigkeiten nur nicht den Fehler begehen, mit dem Kopf durch die Wand zu wollen, denn das kann gegen Medvedev mächtig schiefgehen ...
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