Jannik Sinner greift nach seinem ersten Grand-Slam-Titel auf dem "heiligen Rasen": Italiener ist die Sphinx von Wimbledon
VonThomas Gaber
Publiziert 11/07/2025 um 10:47 GMT+2 Uhr
Jannik Sinner greift nach seinem ersten Titel beim Rasenklassiker in Wimbledon. Im Viertelfinale ließ die Nummer eins der Welt Aufschlagmonster Ben Shelton keine Chance. Dabei hat Sinner bange Stunden auf der Anlage in London hinter sich. Im Achtelfinale gegen Grigor Dimitrov war er mit einem Bein schon draußen und verletzte sich zudem am Ellbogen, verknüpft mit mentalen Schwierigkeiten.
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Quelle: Perform
Die ersten zwei, drei Runden eines Grand-Slam-Turniers werden von den Topstars gerne als die schwierigsten angesehen, erst recht in Wimbledon.
Die Ungewissheit über die eigenen Fähigkeiten auf Gras infolge der kurzen Vorbereitung nach den French Open ist genauso Thema wie die Bedingungen auf den Plätzen an der Londoner Church Road. Bälle, Wetter, Rasenbeschaffenheit - all das sorgte speziell in diesem Jahr für ein großes Favoritensterben zu Beginn des Turniers.
Jannik Sinner ließ sich davon in seinen ersten Matches nicht beeindrucken. Er feierte drei glatte Dreisatzsiege und gönnte seinen Gegner im Schnitt nur 1,88 Spielgewinne pro Satz.
Im Achtelfinale wartete mit Grigor Dimitrov der erste echte Prüfstein auf den Weltranglistenersten. Der Bulgare kann an einem guten Tag jeden Spieler auf jedem Belag schlagen und bewies das in den ersten zweieinhalb Sätzen.
Sinner gesteht mentale Schwierigkeiten
Mit seiner Variabilität aus harten Grundschlägen, seinem immer wieder erfolgreich eingestreuten Rückhandslice und seinem unnachahmlichen Touch zog Dimitrov Sinner den Zahn und führte 2:0 in Sätzen. Beim Stand von 2:2 im Dritten sank er plötzlich mit schmerzverzerrtem Gesicht zu Boden und musste wenig später wegen eines Teilrisses im Brustmuskel unter Tränen aufgeben.
"Ich weiß nicht wirklich, was ich sagen soll. Es tut mir unendlich leid für Dimi, er hätte es verdient weiterzukommen", sagte Sinner anschließend im Interview auf dem Centre Court. Dem Italiener war es sichtlich unangenehm, den Platz als "Sieger" zu verlassen. Der Südtiroler fühlte mit Dimitrov, dabei hatte er in dem denkwürdigen Match selbst eine Verletzung davongetragen.
Sinner war unglücklich gestürzt und dabei auf den rechten Arm gefallen. Sein für Dienstag geplantes Training musste er nach 20 Minuten abbrechen, an Aufschläge war nicht zu denken. Doch weniger die Verletzung selbst, sondern die damit verbundene Ungewissheit, ob er das Turnier würde fortsetzen können, hinterließ Spuren beim dreimaligen Grand-Slam-Champion.
"Das war mental schon hart", gab Sinner nach seinem Viertelfinalsieg gegen Shelton (7:6 (7:2), 6:4, 6:4) zu. "Ich habe es schon oft gesagt: Tennis ist ein mentales Spiel. Ich habe großes Vertrauen in mein spielerisches Können, aber der Kopf dreht manchmal seine eigenen Runden."
Sinners Perfektes Viertelfinale gegen Shelton
Erst nach dem Warm-up am Mittwoch habe er Gewissheit gehabt, es gegen Shelton zumindest versuchen zu können. Herauskam ein aus Sinner-Sicht fast perfektes Match. Der US-Amerikaner, der aufgrund seiner Urgewalt beim Aufschlag als einer der Geheimfavoriten ins Turnier gestartet war, erlebte einen frustrierenden Nachmittag.
"Gegen Jannik zu spielen, ist eine spezielle Herausforderung. Seine Schlaggeschwindigkeit ist so hoch, mein Gott. So etwas habe ich noch nie gesehen. Wenn man gegen ihn spielt, ist es fast so, als ob die Dinge in doppelter Geschwindigkeit ablaufen", sagte der Linkshänder.
Während Shelton mit der Kraft und dem Tempo der meisten Spieler auf der Tour umgehen kann, bewegt sich Sinner auf einem anderen Niveau. Dessen Fähigkeit, die hohe Geschwindigkeit konstant aus allen Winkeln des Platzes zu generieren, stellt seine Gegner oft vor nahezu unlösbare Probleme.
"Normalerweise kann ich mich ziemlich gut auf diesen Speed einstellen, aber Jannik ist ein anderes Kaliber", sagte Shelton, der die letzten 15 (!) Sätze gegen den Italiener verlor.
Die Blessur am Ellbogen hatte keinen Einfluss auf dessen Leistung. "Es hat sich im Vergleich zu Dienstag stark verbessert", sagte Sinner nach dem Match, "ich konnte meine Schläge voll durchziehen."
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Djokovic: Nächste Chance gegen "besten Spieler der Welt"
Quelle: Perform
Wimbledon-Titel führt über Djokovic und Alcaraz
Leichte Siege zum Auftakt, ein Beinahe-Aus, verbunden mit einer besorgniserregenden Verletzung am Schlagarm und mentalen Schwierigkeiten, gefolgt von einer meisterlichen Vorstellung - Jannik Sinner ist die Sphinx von Wimbledon der ersten zehn Turniertage.
Ergänzend kommt ein "Schummel"-Vorwurf aus dem Match gegen Dimitrov hizu. Im Internet kursierte ein Video, das zeigen soll, wie Sinner einen von Dimitrov geschlagenen Volley durch die Beine ins Aus fliegen lässt, dabei aber minimal vom Ball getroffen wird, was einen Punktgewinn für den Bulgaren bedeutet hätte.
Doch die Widerstände, die der Weltranglisten-Erste in Wimbledon bis dato erfolgreich bekämpfen konnte, machen ihn noch gefährlicher. "Er ist der momentan beste Spieler der Welt. Er und Alcaraz bestimmen das Geschehen im Herrentennis", sagte Halbfinalgegner Novak Djokovic voller Respekt.
Rechtzeitig zu den ganz großen Duellen mit Djokovic und einem möglichen Finale gegen Carlos Alcaraz ist Sinner augenscheinlich in Topform.
Der Titel an der Church Road würde ihm enorm viel bedeuten, seine Worte klingen fast wie eine Drohung an die Konkurrenz: "Wimbledon ist ein spezieller Ort, das Turnier ist der speziellste Termin im Jahr. Ich habe hier noch nicht gewonnen und will es jetzt umso mehr."
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