Wimbledon 2026: Jannik Sinner wankt, blutet und liefert - Auftaktsieg von Titelverteidiger zeigt doppelte Wirkung
Update 30/06/2026 um 18:06 GMT+2 Uhr
Jannik Sinner hat in Wimbledon einen turbulenten Auftakt erlebt: Die Nummer eins aus Italien mühte sich gegen den Serben Miomir Kecmanovic eine Runde weiter (4:6, 6:3, 6:7, 6:2, 6:3) - und feierte dennoch einen Sieg mit außerordentlicher Wirkung. So brach der Südtiroler unter anderem mit einem Tabu, mutierte auf Rasen zum Ass-Monster und steuerte nebenbei durch ein besonderes Gefühlschaos.
Djokovic und Sinner nehmen mit Mühe erste Wimbledon-Hürde
Quelle: Eurosport
Satzrückstand, verlorener Tiebreak, schmerzvoller Sturz, Comeback - und doch bestimmte ein Schuh die Schlagzeilen in den italienischen Medien.
"Sinner und der blutverschmierte Schuh", titelte die "Gazzetta dello Sport" nach dem turbulenten Auftakt von Titelverteidiger Jannik Sinner in Wimbledon. Die Nummer eins der Weltrangliste sorgte mit dem schier martialischen Bild, das so gar nicht zum heiligen Rasen an der Church Road passt, für einen Schreckmoment in seiner Heimat - den er selbst aber herunterspielte.
"Es ist nur der Zehennagel, alles ist in Ordnung", erklärte der Südtiroler, der sich die Verletzung bei einer unsanften Landung auf dem Boden zugezogen hatte. "Ehrlich gesagt war ich sogar überrascht, dass sie mich weiterspielen ließen, weil … Erst war alles weiß, dann plötzlich rot."
In den Stunden davor hatte Sinner mächtig dafür kämpfen müssen, dass diese harmlose Anekdote den Nachgang seines zähen Auftakts dominieren würde. Sein Sieg über Miomir Kecmanovic (4:6, 6:3, 6:7, 6:2, 6:3) war aber letztlich einer mit doppelter Wirkung.
Sinner in Wimbledon: Zwei Comebacks in einem
Der Start in das älteste Tennisturnier der Welt barg im Fall des 24-Jährigen zwei Comebacks, deren Emotionen nicht unterschiedlicher hätten sein können.
Zum einen kehrte Sinner ein Jahr nach seinem Triumph im Finale über Carlos Alcaraz an die Church Road zurück. Inmitten einer fulminanten Saison hatte sich der Italiener damals die Krone aufgesetzt und Geschichte geschrieben. Ein Gefühl, von dem er auch heute noch zehrt.
"Als Titelverteidiger hierher zurückzukehren, bedeutet mir sehr viel", schilderte er im On-Court-Interview nach dem Match. "Wenn man die Treppe hinter dem Platz hinuntergeht, ist man sehr, sehr nervös."
Letzterer Gefühlszustand hing wohl auch mit der Tatsache zusammen, dass es sich am Montag um seinen ersten Auftritt seit dem sensationellen Aus in der 2. Runde der French Open handelte.
Kein offizielles Spiel seit einem Monat, keine Matchpraxis auf Rasen seit einem Jahr: Auf den Schultern des viermaligen Grand-Slam-Turniersiegers lastete daher Druck wie nur selten in den vorangegangenen Monaten. Doch Sinner steuerte mit Bravour durch das Gefühlschaos.
Wimbledon: Ass-Monster Sinner bricht den Fluch
Die Mentalität des Superstars war demnach von Anfang an gefordert - dafür sorgte auch Kecmanovic.
Der serbische Widersacher entpuppte sich als unangenehmer Auftaktgegner, der Sinner nur allzu oft in Drucksituationen zwang: Zwischenstände von 30:30 und Breakchancen waren keine Mangelware.
Worauf Sinner in diesen schwierigen Phasen stets setzen konnte - sein Aufschlag. Insgesamt 31 (!) Asse feuerte er ab, die ihn hie und da aus kniffligen Situationen befreiten. Zum Vergleich: Auf seinem Weg zum Titel im vergangenen Jahr kam Sinner in den ersten drei Runden auf 32 Asse.
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Jannik Sinner hat mit seinem Aufschlag beim Auftakt in Wimbledon überzeugt
Fotocredit: Getty Images
Viel bedeutsamer war jedoch der Umstand, dass er den Sieg in fünf Sätzen errungen hatte. Dem leidigen Narrativ vom übermenschlichen Favoriten, der in Marathon-Matches plötzlich eingeht, bot Sinner die Stirn und fuhr seinen ersten Fünf-Satz-Sieg seit dem Australian-Open-Finale 2024 gegen Daniil Medvedev ein.
Ein gebrochener Fluch, der dem Titelverteidiger neben dem zu erwartenden Sieg gewiss einen mentalen Schub verleiht. Doch einen Schatten der Vergangenheit gibt es noch zu überwinden.
Sinner und die Hitze: Was droht ihm in Wimbledon?
Dabei handelt es sich um die Crux mit der Hitze, welche Sinner in Roland-Garros derart große Probleme bereitet hatte.
Von einer Hitzewelle wie in Paris - in der ersten Turnierwoche wurden Temperaturen von weit über 30 Grad Celsius gemessen - bleibt der Titelfavorit aber vorerst verschont, in London klettern die Temperaturen an den kommenden Tagen bis knapp unterhalb der 30-Grad-Marke.
Doch Sinner überlässt nichts dem Zufall: Immer wieder zeigte sich der Italiener zur Mittagszeit auf den Trainingsplätzen und schuftete in der Sonne. "Schnelle Ballwechsel, viele Aufschläge und jede Menge Schweiß. Zwei- oder dreimal das Trikot gewechselt, aber keine Kühlweste für die Nummer eins der Welt", hielt etwa die "Gazzetta dello Sport" die neue Herangehensweise von Sinner fest.
Zwar könne man im Training nicht alles aus einem Spiel simulieren, "aber wir tun so viel wie wir können", sagte Sinner dazu. "Ich bin sehr glücklich mit der Arbeit in den vergangenen zweieinhalb Wochen."
Am Mittwoch wartet mit Nuno Borges bereits die nächste Hürde. Der Portugiese hatte sich zum Auftakt gegen US-Amerikaner Tristan Boyer in drei Sätzen durchgesetzt (6:3, 7:5, 7:5). Ab 14:30 Uhr will er nun dem schwerstmöglichen Gegner auf dem Centre Court ein Bein stellen.
Doch letzterer ist nach nur einer Runde bereits mit allen Wassern gewaschen: Sinner wankte, blutete - und lieferte ab.
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Quelle: SNTV
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