Zverev, Medvedev und Shapovalov - Tennis-Ausraster häufen sich: Hat das Tennis ein Agressionsproblem

Der Ausraster von Alexander Zverev in Acapulco ist längst nicht der einzige aggressive Vorfall, den sich namhafte Tennisprofis in jüngster Vergangenheit leisteten. Stars wie Daniil Medvedev oder Denis Shapovalov fielen im Jahr 2022 schon negativ auf. Die zunehmende Verrohung der Sitten und Anstandsformen auf dem Court wirft die Frage auf: Hat das Tennis ein Aggressionsproblem?

Daniil Medvedev, Alexander Zverev und Denis Shapovalov

Fotocredit: Getty Images

Zuallererst: Es ist kein neues Phänomen, dass Emotionen auf dem Tennisplatz überkochen.
Da gab es Charaktere wie Boris Becker oder John McEnroe, die nicht nur für ihren unbändigen Willen, sondern ebenso für emotionale Ausbrüche auf dem Spielfeld bekannt waren. Auch ein gewisser Roger Federer, der Gentleman schlechthin, zertrümmerte in seiner Anfangszeit den einen oder anderen Schläger. Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen.
Es verwundert daher keineswegs, dass auch die neue Generation hier und da mental strauchelt und nicht beiseitelegen kann, was seit jeher zum Tennis gehört: Der Kampf gegen sich selbst und die eigenen Emotionen.
Und trotzdem gilt es, genau hinzuschauen, denn es scheint, als würden Ausraster wie der von Alexander Zverev, der in Acapulco die Selbstbeherrschung verlor und völlig in Rage vier Mal gegen den Schiedsrichterstuhl von Alessandro Germani schlug, stetig zunehmen und zudem an Qualität gewinnen - im negativen Sinne.

Im Halbfinale gegen Tsitsipas: Medvedev tickt komplett aus

Daniil Medvedev etwa, Nummer zwei der Welt und Finalist in Melbourne, erlaubte sich im Halbfinale der Australian Open gegen Stefanos Tsitsipas eine bedenkliche verbale Entgleisung.
Medvedev war von Chair-Umpire Jaume Campistol nach Ende des zweiten Satzes aufgrund einer abfälligen Geste in Richtung des Publikums mit einer Verwarnung belegt worden und tickte daraufhin aus. Unter anderem bezeichnete er den Schiedsrichter mehrfach als "dumm" und "schlecht".
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"Bist du dumm?!" Medvedev verliert komplett die Fassung

Quelle: Eurosport

Das abgesehen von der Wortwahl eigentlich Besorgniserregende an dieser Szene war jedoch der aggressive und laute Ton, in dem die neue Nummer eins der Welt (ab Montag, 28. Februar) den Unparteiischen anging. Umgangsformen, die im Sport nichts zu suchen haben und schon gar nicht mit einer 10.750-Euro-Geldstrafe, wie sie Medvedev anschließend erhielt, zu rechtfertigen sind.

Shapovalov und die Korruptionsaussagen

Nur wenige Tage zuvor verlor auch Denis Shapovalov in Down Under die Fassung, warf dem Stuhlschiedsrichter mitten im Match gar Korruption vor.
Weil sein Gegner Rafael Nadal im Viertelfinale zu lange brauchte, um sich bei Aufschlag Shapovalov spielbereit an die Linie zu stellen, forderte der Kanadier eine Verwarnung des Spaniers. Als sich Carlos Bernardes nicht darauf einließ, entwickelte sich ein lautstarkes Wortgefecht, an dessen Ende der Satz "Ihr seid alle korrupt!" fiel.
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"Ihr seid alle korrupt!" Shapovalov sorgt für Skandal

Quelle: Eurosport

Eine heftige Anschuldigung, die für den 22-Jährigen ohne Folgen blieb - ebenfalls höchst fragwürdig.

Zverevs Aggression richtete sich klar gegen einen Menschen

Nun also Zverev, dessen Wutausbruch noch einmal eine neue Eskalationsstufe erreichte. Der 24-Jährige richtete seine Aggression schließlich nicht nur verbal ("Du verdammter Idiot") gegen den Schiedsrichter, sondern schlug zudem direkt in Richtung des Unparteiischen.
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Der Zverev-Eklat im Video: Das brachte ihn zum Ausrasten

Quelle: SNTV

Die Tenniswelt verurteilte die Aktion daher mit deutlichen Worten. "Das war gefährlich und rücksichtslos", empörte sich etwa die ehemalige Nummer eins der Welt, Andy Murray. Novak Djokovic befürwortete die Entscheidung der Turnierdirektion in Acapulco, Titelverteidiger Zverev mit sofortiger Wirkung vom Turnier auszuschließen, äußerte aber auch Verständnis:
"Ich habe in der Vergangenheit Fehler gemacht, bei denen ich auf dem Platz Wutanfälle bekommen habe. Ich verstehe, was der Spieler durchmacht", spielte der Serbe unter anderem auf den Eklat bei den US Open 2020 an, als er eine Linienrichterin unabsichtlich mit einem Ball am Kehlkopf traf und anschließend disqualifiziert wurde.

ATP und ITF müssen entschiedener handeln

Grand-Slam-Rekordchampion Rafael Nadal hielt kurz und knapp fest: "So kann man nicht handeln”, und fügte an: "Ich glaube, dass er sich dessen bewusst ist."
Zverevs Entschuldigung, die er nach dem Eklat auf seinen Social-Media-Kanälen veröffentlichte, vermittelte zumindest den Eindruck von Reue - doch ist es damit schon getan?
Letztendlich liegt der Ball nun aber bei den Verbänden ATP und ITF, deren Aufgabe es ist, kompromissloser auf heftige Entgleisungen seiner Stars zu reagieren.
Als erste Maßnahme verhängte die ATP die finanzielle Höchststrafe von 40.000 Euro (20.000 für Beleidigung, 20.000 für unsportliches Verhalten) gegen Zverev, zudem muss die Nummer drei der Welt die bereits erspielten 30.000 Euro Preisgeld aus Acapulco zurückzahlen und verliert auch die gewonnenen Weltranglistenpunkte.
Weitere Strafen, einschließlich einer Sperre, seien zudem noch möglich. Die ATP werde den Fall weiter untersuchen und dann entscheiden.
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Tennis  : Djokovic on Zverev's situation

Quelle: Eurosport

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