Monatelang hatte Denise Herrmann unter neuer Anleitung an ihrer altbekannten Schwäche gearbeitet, doch schon am ersten Weltcupwochenende kehrten die Zweifel zurück. Drei Fahrkarten mit den letzten drei Schüssen - der überraschende Rückfall in alte Zeiten war für Deutschlands Vorzeige-Biathletin vor Teil zwei des Weltcups von Kontiolahti ein Rätsel. "Wenn man drei Fehler schießt und es nicht schafft, da irgendwie einen Stock reinzuwerfen, dann ist das schon übel", sagte die 31-Jährige mit Blick auf den nächsten Sprint am Donnerstag (16:30 Uhr live bei Eurosport 1 und bei Eurosport mit JoynPLUS+).
Mit derartigen Schießaussetzern gerät das große Ziel Gesamtweltcup in weite Ferne. "Es wird extrem gut geschossen, da darf man sich keine Fehler erlauben", sagte Herrmann im "ZDF": "Die anderen Mädels schießen schnell und null dazu." Bereits im Vorjahr hatte sie als einzige Athletin der Top fünf im Gesamtweltcup eine Trefferquote unter 80 Prozent.
Auch im ersten Sprint in Finnland schaffte die Oberwiesenthalerin in ihrem gewohnt etwas langsameren Schießtempo die Null eben nur bis zum siebten Schuss - und schon reichte es in einem Weltklassefeld nur für Platz 38. Statt nach Platz zwei zum Start erstmals ins Gelbe Trikot zu schlüpfen, blieb Herrmann ratlos zurück.
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"Ich habe mich eigentlich nicht schlecht gefühlt, aber irgendwie muss es nach dem siebten Schuss oben im Kopf etwas umgehauen haben", analysierte Herrmann kritisch: "Dann hatte ich keine Kontrolle mehr" - etwas woran sie mit dem neuen Schießtrainer Engelbert Sklorz im Sommer eigentlich unzählige Stunden gearbeitet hatte. "Die Schüsse sollen kontrolliert ihren Weg ins Ziel finden", beschreibt die ehemalige Langläuferin ihren Trainingsschwerpunkt.

Herrmann fehlt noch die Konstanz - auch Doll unzufrieden

Am Samstag im Einzel hatte das mit nur einem Fehler bei vier Schießeinlagen auch unter "Wettkampfdruck" funktioniert, doch dann kam der Sonntag: Es fehlt im Rennen um die große Kristallkugel noch an der nötigen Konstanz. Sie kenne das "Gefühl" von Schießaussetzern wohl wie "keine andere", betonte Herrmann. Da helfe nur "gut analysieren, abhaken und wieder neu in die Wettkämpfe reingehen."
Dem Motto folgt auch Benedikt Doll. Der beste deutsche Biathlet der Vorsaison haderte gleich in beiden Disziplinen. "Es läuft gar nicht. Es sind mehrere Faktoren. Meine Form ist nicht so 100-prozentig", sagte der 30-Jährige nach den Plätzen 29 und 32 am Auftaktwochenende. Gerade die tiefen Bedingungen auf der Strecke hatten dem Schwarzwälder zu schaffen gemacht.
Er habe auf der Strecke Sekunde um Sekunde verloren und dann laufe man im Rennen eben "fünf Prozent mehr". Die Konsequenzen erlebte er am Schießstand. Dort "war der Ofen aus", erklärte Doll seine drei Fehler im Sprint. Dass es an gleicher Stelle in Kontiolahti am Donnerstag mit dem nächsten Sprint weitergeht, macht die Sache nicht leichter. Aber mit "viel Optimismus", so Doll, "wird das schon wieder."

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