Angesprochen auf die Schuldfrage, bei der Red Bull und Mercedes komplett verschiedener Meinung waren, erklärte Lewis Hamilton: "Ich war absolut neben ihm, und er hat mir keinen Platz gelassen."
Die Rennkommissare sahen das anders und gaben Hamilton für die Kollision eine Zehn-Sekunden-Strafe und zwei Strafpunkte auf sein Konto. Trotzdem konnte Hamilton das Rennen gewinnen und seinen Rückstand in der WM auf acht Punkte verkürzen. Was Red Bull dabei besonders ärgerte: Hamilton nahm seinen größten Rivalen aus dem Rennen und siegte anschließend.
"Ich bin sehr enttäuscht, dass ich auf diese Weise rausgenommen würde", schrieb Verstappen nach dem Rennen auf Twitter und fügte an: "Die Strafe hilft uns überhaupt nicht und war dem gefährlichen Manöver von Lewis nicht angemessen."
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Was den Niederländer, der zu weiteren Untersuchungen in die Klinik musste, besonders aufregte, war Hamiltons grenzenloser Jubel nach der Zieldurchfahrt: "Den Jubel zu sehen, während man noch im Krankenhaus ist, ist respektlos und unsportlich", kritisierte er Hamiltons Verhalten.

Hamilton: "Verstappen hat eine Lücke gelassen, und ich habe es versucht"

Hamilton selbst wusste bis nach dem Rennen angeblich nichts davon, dass Verstappen nach dem Unfall ins Krankenhaus musste. "Das besorgt mich", meinte der Brite. "Niemand von uns möchte, dass ein anderer verletzt wird. Das ist nicht meine Absicht. Ich hoffe, dass es ihm gut geht", sagte er und wollte sich beim Niederländer nach dessen Zustand erkunden.
Dann ist der Vorfall für ihn aber abgehakt: "Dann geht es weiter. Es wird viele harte Rennen geben. Mir ist egal, was Leute denken. Ich mache, was ich mache, und bin wirklich dankbar für heute", so der Mercedes-Pilot.
Dass der Unfall irgendeinen Glanz von seinem heutigen Heimsieg nehmen würde, verneinte er: "Das ist Rennsport. Natürlich hätte ich es lieber ausgefahren. Es gibt ausreichend Platz für beide, um um die Strecke zu kommen. Aber wenn einer zu aggressiv ist, dann passiert so etwas", sah er es pragmatisch.
"Natürlich hätte ich gerne das ganze Rennen über ein Rad-an-Rad-Duell gehabt. Ich fahre gerne gegen ihn und freue mich darauf auch wieder", sagte er weiter. "Ich werde mich aber niemandem beugen und werde nicht dazu gedrängt werden, weniger aggressiv zu sein. Er hat eine Lücke gelassen, und ich habe es versucht."

Hamilton rät Red-Bull-Bossen: "Wichtig, mal einen Schritt zurückzugehen"

Kritische Stimmen kamen aus dem Red-Bull-Lager aber nicht nur von Verstappen, sondern natürlich auch von den Teamverantwortlichen um Christian Horner und Helmut Marko. Eine Antwort auf deren Anschuldigungen hat Hamilton nicht, riet ihnen aber: "Es ist wichtig, dass wir mal einen Schritt zurückgehen."
"Natürlich kochen die Emotionen hoch. Ich weiß, wie das ist, Punkte zu verlieren und in der Position zu sein", so Hamilton.
Bereits vor der Kollision war es in der ersten Runde zweimal eng geworden zwischen den beiden WM-Rivalen. "Ich war in Kurve 6 neben ihm, musste aber zurückstecken", schilderte er. Als er dann einen guten Ausgangs aus Kurve 7 und einen guten Windschatten hatte, wollte er seine Chance nutzen.

Hamilton: "Lasse mich durch nichts aus der Ruhe bringen"

Hamilton sah, dass sich rechts eine Lücke auftat und täuschte zunächst links an, bevor er auf die Innenseite zog. "Gestern bin ich auf die linke Seite gefahren und habe es bereut, nicht in die Lücke zu gehen, die rechts war. Daher habe ich links angetäuscht und bin dann nach rechts gefahren", so der Mercedes-Pilot.
Die Lücke konnte Verstappen aus Sicht von Hamilton glücklicherweise nicht zumachen, doch dann merkte er, dass der Niederländer nicht zurückzieht und in die Kurve fährt. "Und dann sind wir kollidiert", so Hamilton, der es als Rennunfall ansieht.
Die Rennkommissare sahen jedoch in ihm den Schuldigen und bestraften ihn. Am Ende konnte er die Strafe jedoch ohne große Konsequenzen absitzen und das Rennen in Silverstone trotzdem gewinnen. "Egal, ob ich mit der Strafe einverstanden bin oder nicht: Ich nehme das so hin und arbeite einfach weiter. Ich lasse mich durch nichts aus der Ruhe bringen", sagte er.
Aber: "Das ist nicht, wie ich ein Rennen gewinnen möchte."

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