Bei Borussia Dortmund geht die Angst um

Steht Borussia Dortmund am Ende ohne Champions-League-Platz da? Nach dem 0:2 im Derby beim FC Schalke 04 stellt sich angesichts der Emotions- und Mutlosigkeit einiger Beteiligter die Frage, ob die BVB-Saison nicht noch vollends den Bach runtergeht. Zu allem Überfluss droht nun auch noch der Verlust von Michy Batshuayi. Und Trainer Peter Stöger wirkt, als hätte er es am liebsten schon hinter sich.

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Marcel Schmelzer war kaum zu verstehen, so leise sprach der Kapitän von Borussia Dortmund über das vollauf verdiente 0:2 im Derby beim FC Schalke 04 – eine besonders schmerzhafte Niederlage, die er mit einem folgenschweren Patzer selbst eingeleitet hatte.
"Es ist bitter, dass mir so ein Fehler in so einem Spiel passiert. Es tut mir für jeden leid, der schwarz-gelber Fan ist – und für die ganze Mannschaft", kommentierte der Linksverteidiger des BVB seinen Ballverlust vor dem eigenen Strafraum gegen Daniel Caligiuri in der 50. Minute.

Konoplyanka und Naldo decken BVB-Schwächen auf

Caligiuris Zuspiel nutzte der völlig freistehende Ukrainer Yevhen Konoplyanka mit einem knochentrockenen Schuss ins linke untere Eck zur Führung für Königsblau.
Es war der vorentscheidende Tritt gegen erschreckend blasse Westfalen, zum entscheidenden Keulenschlag holte acht Minuten vor Schluss S04-Abwehrchef Naldo aus.
Der lange Brasilianer jagte einen indirekten Freistoß mit 126 Stundenkilometern halbhoch ins Ziel, feierte damit seinen bereits siebten Saisontreffer.

BVB: Stöger äußerst emotionslos

Während die Gäste in der Nachspielzeit noch einen weiteren Dämpfer versetzt bekamen: Mittelstürmer Michy Batshuayi verletzte sich bei einer Grätsche des Franzosen Benjamin Stambouli so böse, dass er direkt ins Krankenhaus gebracht werden musste. Eine Diagnose steht noch aus.
"Ich hoffe, es ist nicht so schlimm, wie mein erster Eindruck war", kommentierte Peter Stöger das Pech des Belgiers - und erreichte mit dieser Aussage sein persönliches emotionales Highlight an diesem Nachmittag.
Die Partie seiner Mannschaft gegen deutlich konzentriertere, bissigere und besser organisierte Schalker verfolgte Borussias Übungsleiter noch stoischer als sonst: Mit in den Hosentaschen versenkten Händen, nahezu unbeteiligt.
Dass der gebürtige Wiener über den Sommer hinaus keine Zukunft als BVB-Trainer hat, ist absehbar. Selbst die Qualifikation für die Champions League dürfte daran nichts ändern.

Verspielt Dortmund die Champions League?

Zudem geht bei den Dortmundern nach dem blutleeren Auftritt beim ungeliebten Nachbarn die Angst um, dass es auch mit dem Ticket für die Königsklasse nichts werden könnte.
Das Restprogramm hat es in sich: Als nächstes muss der BVB gegen das formstarke Bayer Leverkusen ran. Auch auswärts bei Werder Bremen ist eine knifflige Aufgabe, ehe es nach dem Heimspiel gegen den abstiegsbedrohten 1. FSV Mainz 05 am letzten Spieltag möglicherweise zu einem Endspiel um die Champions League bei der TSG 1899 Hoffenheim geht.
Hoffenheim ist nur noch fünf Punkte vom BVB weg. Mit dem 1:1 in Bremen rückte derweil RB Leipzig bis auf vier Punkte an die Schwarz-Gelben heran – bei denen man am Sonntagabend vor allem in ratlose Gesichter blickte.

Marco Reus sauer

Bedient war zum Beispiel Marco Reus. Dortmunds Nationalspieler nervt das ständige Auf und Ab in dieser Runde inzwischen derart, dass er nach dem Rückschritt vom dritten auf den vierten Rang und dem drohenden Abkippen in die Europa League murrte:
Wenn das so einfach wäre für eine Mannschaft, die vier Spieltage vor Schluss noch immer nach der eigenen, im Herbst verloren gegangenen Seele fahndet.

Schmelzer flüchtet sich in Fatalismus

"Schwer zu sagen, wo unsere Probleme liegen", tappte der unglückselige Schmelzer stellvertretend für sein Team im Dunkeln.
Festlegen wollte sich der 30-Jährige nur in einem Punkt:
Wobei Schmelzer anhand des bezeichnenden Auftritts beim Erzrivalen immerhin ein ebenso gewitztes wie zutreffendes Bild entwarf: "Anfangs haben bei uns die Laufwege gefehlt. Und als die da waren, sind die Pässe nicht gekommen."

Stöger kritisiert individuelle Fehler

Schalke habe in den entscheidenden Situationen stets die bessere Lösung gefunden, analysierte Trainer Stöger.
"Deshalb sind wir als verdienter Verlierer vom Platz gegangen", bekannte der 52-Jährige und machte deutlich, dass Schmelzers Fauxpas kurz nach Wiederanpfiff ziemlicher Käse für sein wackliges Ensemble war.
"Schalke hat seine wenigen Chancen besser verwertet, individuelle Fehler kamen bei uns noch dazu", murrte der Österreicher – der vor dem Saisonfinale vor lauter offenen Baustellen gar nicht weiß, wohin:
Und der BVB muss zu Recht zittern – um ein glimpfliches Ende dieser, wie Peter Stöger verniedlichend sagt, "schwierigen Saison".
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