BVB | Kommt Emre Can nach Dortmund? Der Transfer aus drei Blickwinkeln

Emre Can zum BVB? Aktuell vergeht kein Tag, an dem keine neue Wasserstandsmeldung zum möglichen Transfer des Mittelfeldspielers von Juventus Turin nach Dortmund den Weg an die Öffentlichkeit findet. Spektakulär wäre der Deal - aber auch sinnvoll? Sollte der BVB das finanzielle Risiko eingehen und passt Can überhaupt zum Team von Lucien Favre? Ein Blick aus drei Perspektiven.

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Offiziell soll eine "Grippe" der Grund gewesen sein, warum Emre Can nicht dem Kader von Juventus Turin im Top-Spiel beim SSC Neapel angehörte (1:2), doch eine Information der italienischen Sportzeitung "Gazzetta dello Sport" lässt vermuten, dass etwas ganz anderes dahinterstecken könnte.
Offenbar steht ein Transfer des 26-Jährigen in die Bundesliga kurz bevor. Destination: Dortmund. Auch "Sky" und weitere italienische Medien berichten, dass die Verhandlungen zwischen Can und dem BVB bereits weit fortgeschritten sind und der Wechsel bereits Anfang der Woche über die Bühne gehen könnte.
Für die Westfalen wäre es nach der Verpflichtung von Erling Haaland bereits der zweite Transfercoup im Winter und eine weitere Ansage an die Konkurrenz im Kampf um die deutsche Meisterschaft. Eurosport.de ordnet den möglichen Transfer aus drei Perspektiven ein.

1.) Der Transfer aus Sicht des BVB

Mentalität! Ein Wort, das im Umfeld des BVB schon seit zwei Jahren immer wieder umherschwirrt und schon den einen oder anderen Spieler im Interview zur Weißglut getrieben hat.
Ob dem BVB nun zurecht eine Mentalitätsschwäche vorgeworfen wird oder nicht, sei an dieser Stelle dahingestellt. Sicher ist jedoch, dass Can dem BVB in Sachen Wille und Einstellung gut zu Gesicht stehen würde.
Der deutsche Nationalspieler ist robust, zweikampfstark und bringt diese Aura mit, mit der er selbst in der Premier League seine Gegenspieler das Fürchten lehrte.
Taktisch ist Can flexibel einsetzbar. Eigentlich im defensiven Mittelfeld zuhause, kann der 26-Jährige auch ohne Probleme in der Innenverteidigung spielen und würde Lucien Favre damit weitere Optionen eröffnen.
Mit Julian Weigl hat der BVB im Januar einen solch polyvalenten Spieler abgegeben. Im Mittelfeld macht sich dessen Abstinenz nach der Rückkehr von Axel Witsel und Thomas Delaney derzeit nicht bemerkbar, doch in der letzten Defensivreihe offenbarten die Schwarz-Gelben in Augsburg und gegen Köln erneut Probleme.
Will Favre weiter im 3-4-3 spielen lassen, kann er einen zusätzlichen Innenverteidiger gut gebrauchen. Vor allem, wenn Dortmund in der Rückrunde erfolgreich auf drei Hochzeiten tanzen will.
Manuel Akanji erlaubt sich immer wieder Aussetzer, Lukasz Piszczek ist lange nicht mehr so spritzig wie früher und auf Leonardo Balerdi scheint der Schweizer immer noch nicht ins Gefecht schicken zu wollen. Bleiben Mats Hummels und Dan-Axel Zagadou. Rein sportlich würde ein Transfer also gleich in mehrfacher Hinsicht Sinn ergeben.
Wäre da nicht der finanzielle Aspekt. Sportdirektor Michael Zorc war es zuletzt besonders wichtig zu erwähnen, dass weitere Transfers "wirtschaftlich" Sinn ergeben müssten.
30 Millionen Euro Ablöse stehen im Raum, die der BVB dem Vernehmen nach jedoch nicht zahlen will. Auf einen Teil seines derzeitigen Jahresgehalts (angeblich 14 Millionen Euro) soll Can bereit sein zu verzichten. Ein Schnäppchen wäre der Juve-Profi keinesfalls. Dass der BVB nicht "getrieben" nach Verstärkung sucht, dürfte ihnen im Poker mit Juve aber eine gute Position verschaffen.
Geht der italienische Serienmeister noch etwas mit dem Preis herunter oder stimmt einer diskutierten Leihe mit Kaufoption zu, ist das Risiko kalkulierbar. Dann sollten die Schwarz-Gelben zuschlagen. Ein Spieler von Cans Format, der von seinem derzeitigen Verein nicht gebraucht wird und weg möchte, ist schließlich nicht immer auf dem Markt. Noch dazu in der heutigen Zeit, in der oft deutlich höhere Ablösesummen für weniger hochdekorierte Spieler aufgerufen werden.

2.) Der Transfer aus Sicht von Can

Keine Champions League, gerade einmal 279 Einsatzminuten. Cans Traumwelt in Turin hat sich innerhalb eines halben Jahres zur Bank-Hölle entwickelt. In Coach Maurizio Sarris Plänen spielte der Deutsche von Beginn an kaum eine Rolle.
Dass der Ex-Liverpool-Profi das Starensemble um Cristiano Ronaldo deshalb gerne verlassen möchte, gilt seit seiner Nichtberücksichtigung für den Kader der Königsklasse im vergangenen Sommer als offenes Geheimnis.
Will Can spielen, muss er gehen. Und mit der anstehenden EM als großem Ziel, hat der Nationalspieler einen gewissen zeitlichen Handlungsdruck, will er zum Aufgebot von Joachim Löw gehören.
Dass er für Einsatzzeit auf einen Teil seines fürstlichen Lohns verzichten will, ist daher keine Überraschung. In Dortmund wäre Can für die Champions League spielberechtigt, die Konkurrenzsituation zudem einen Tick entspannter als in Turin.
Eine Stammplatz-Garantie würde er jedoch auch dort nicht haben. Favre ist ein Taktiker, der auf sicheres Passpiel und Spielintelligenz mindestens so viel wert legt, wie auf Zweikampfstärke oder Schnelligkeit.
Tottenham Hotspur und der FC Everton gelten als weitere Kandidaten. In Sachen sportliche Attraktivität dürfte der BVB im Vergleich mit den beiden Insel-Klubs aber momentan die Nase vorn haben.

3.) Der Transfer aus Sicht von Juve

"Emre Can bleibt bei uns. Er ist ein sehr wichtiger Spieler von internationalem Format", sagte Juve-Sportdirektor Fabio Paratici noch Anfang Januar gegenüber "Sky Italia".
Angesichts der aktuellen Berichterstattung muss diese Aussage jedoch mittlerweile in die Kategorie "Taktieren" eingeordnet werden.
Die Alte Dame ist mit Miralem Pjanic, Aaron Ramsey, Rodrigo Bentancur, Adrien Rabiot und Blaise Matuidi in der Zentrale bestens aufgestellt. Hinzu kommt Sami Khedira, der derzeit nach einer Knie-OP noch auf sein Comeback hinarbeitet.
In der Innenverteidigung spielt Can in den Überlegungen der Bianconeri ohnehin keine Rolle. Es gibt also keinen sofort ersichtlichen Grund, auf einen Verbleib des Deutschen zu beharren.
Unzufriedene Spieler im Kader sind nie gut für das Mannschaftsklima. Das wissen Sarri und Paratici. Es wird also nicht um das "ob", sondern um das "wie viel" gehen. Cans Vertrag läuft noch bis 2022.
Verhökern werden ihn die Verantwortlichen sicher nicht. Bezahlt der BVB zwischen 20-30 Millionen, würde der Deal jedoch auch für Juve durchaus Sinn ergeben.
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