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Nach Götze-Schlussstrich beim BVB: Viel Nebel und eine Traum-Option

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Mario Götze

Fotocredit: Imago

VonTobias Hlusiak
25/05/2020 Am 09:17 | Update 25/05/2020 Am 12:17
@THlus

Die Wege von Borussia Dortmund und Mario Götze werden sich im Sommer trennen. Das hat BVB-Manager Michael Zorc am Rande des 2:0-Sieges seines Vereins in Wolfsburg bekannt gegeben. Damit endet der zweite Karriereabschnitt des WM-Helden von 2014 als Borusse nach vier durchwachsenen Jahren. Was kann jetzt noch kommen? Wir haben uns in Europa umgehört.

Mario Götze ist erst 27.

Es ist wichtig, das zu betonen, weil der Name des BVB-Stars seit einer gefühlten Ewigkeit omnipräsent ist. Wenn der Dortmunder der Borussia also im Sommer zum zweiten Mal den Rücken kehrt, kann da durchaus noch etwas kommen. Götze hat noch Sprit im Tank. Die Frage ist nur, wohin er damit fährt.

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Zuletzt kaum noch Einsatzzeit

Der Ex-Nationalspieler hat sich nie etwas zuschulden kommen lassen. Seit seiner Rückkehr zum BVB im Jahr 2016 sah er sich von Jahr zu Jahr sinkenden Einsatzzeiten gegenüber. Unter Lucien Favre spielte er zuletzt so gut wie gar keine Rolle mehr.

Sein System sei schwierig für den Mittelfeldspieler, vielleicht einfach nicht passend, begründete der Schweizer zuletzt ganz offen. Man müsse da die Wahrheit sagen.

Götze nahm alles hin. Er trainierte und muckte nicht auf. Am Spieltag saß er meist stoisch auf der Bank.

Auch deshalb war es Michael Zorc wichtig, dem Ruf des Spielers im Zuge der Trennungsverkündung keine weiteren Kratzer zuzufügen.

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Gemeinsame Entscheidung nach sauberem Gespräch

Es sei eine "gemeinsame Entscheidung" nach einem "sauberen Gespräch" gewesen, betonte der BVB-Manager, bevor er Götze ganz behutsam ins Schaufenster stellt. "Mario ist ein richtig guter Junge, ein verdienter Spieler", sagte Zorc und vermutete, der Weltmeister von 2014 werde sich eine neue Aufgabe suchen: "Vielleicht ja auch im Ausland."

Das scheint in der Tat die wahrscheinlichste Variante. Auch wenn Deutschlands Top-Fußball-Orakel Lothar Matthäus noch am Samstag einen Wechsel innerhalb der Bundesliga ins Spiel brachte.

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Hertha BSC sei doch eine "charmante Idee", meinte der Rekordnationalspieler und sah in Bruno Labbadia genau den richtigen Coach für Götze. Klar, ein "bisschen Gehaltsverzicht" sei schon nötig. "Aber das tut ihm nicht weh. Er hat in den letzten zehn Jahren recht gut verdient."

Zumindest mit dem letzten Aspekt dürfte Matthäus in jedem Fall richtig liegen. Trotzdem wird sich Götze bei seinem voraussichtlich letzten großen Vertrag nicht unter Wert verkaufen wollen.

BVB: Mario Götze und Lucien Favre

Fotocredit: Getty Images

Frankreich und Spanien scheinen unwahrscheinlich

Auch deshalb winkt unser Ligue-1-Experte Julien Pereira für alle Teams der französischen Eliteliga ab. Nur PSG könnte das Gehalt des Deutschen, der in Dortmund momentan um die neun Millionen Euro pro Jahr verdient, zahlen. "Aber die brauchen ihn nicht."

"Ein Verein wie Olympique Lyon hätte eine gute Option sein können, um seine Karriere neu zu beleben. Ähnlich wie das bei Memphis Depay so herausragend geklappt hatte. Aber OL ist finanziell in Schieflage geraten und aus dem Rennen."

Ein Wechsel nach Spanien scheint auch nicht eben die wahrscheinlichste aller Varianten zu sein. "Viele Vereinsbosse hier haben nicht das beste Bild von Götze", erklärt Fermin Delacalle von Eurosport Spanien. "Sie wissen, dass er oft Probleme mit Verletzungen hat. Und hier und da auch mit dem Gewicht."

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Shaqiri-Ersatz in Liverpool?

Ein Wechsel in die Premier League wäre sicher eine Option, doch das einzige Rascheln kommt aus Richtung Liverpool. Dort bei seinem Ex-Trainer und Ziehvater Jürgen Klopp wäre Götze sicher gern gesehen. Ob er allerdings eine echte Chance auf viel Spielzeit hätte, ist zu bezweifeln.

"Er könnte die Kaderposition von Xherdan Shaqiri einnehmen", findet Fußball-Experte James Kilpatrick von Eurosport England. Allerdings müssten dafür die Gerüchte stimmen, dass es den Schweizer in Richtung Galatasaray nach Istanbul zieht. Diese Gleichung hat dann doch noch jede Menge Variablen.

Ein Griff ins etwas tiefere Regal, der Vereine außerhalb der europäischen Plätze könnte die Lösung für Götze und die Premier League sein.

Mario Götze - Borussia Dortmund

Fotocredit: Getty Images

Berater-Wechsel wegen Interesse aus Italien?

Die heißeste Spur führt aber nach Italien. Die Serie A soll das von Götze selbst favorisierte neue Betätigungsfeld sein.

Dazu passt, dass der 27-Jährige erst vor Kurzem einen Beraterwechsel vollzogen hat. Er lässt sich nun von Reza Fazeli vertreten, dem südlich der Alpen exzellente Kontakte nachgesagt werden.

Interesse soll auch reichlich vorhanden sein. Sowohl in Rom als auch Mailand sollen beide Klubs bereits Kontakt aufgenommen haben.

Stefano Dolci von Eurosport Italien schätzt deshalb den AC Milan als naheliegendste Lösung ein. "In einem jungen Team ohne wirklichen Star - es ist wahrscheinlich, dass Zlatan Ibrahimovic ab August woanders spielt - könnte Götze eine wichtige Rolle als Anführer übernehmen", meint der Serie-A-Experte.

"Besonders wenn Ralf Rangnick wirklich als Coach übernimmt, wäre Götze ein perfektes Sprachrohr für den deutschen Trainer." Rom sei als Umfeld für einen Karriereneustart in Sachen Presse zu unruhig, erklärt er und bringt dann einen Verein ins Spiel, der perfekt passen könnte.

"Mein Traum-Szenario für Götze ist Atalanta Bergamo", so Dolci. "Er würde perfekt zum Fußball von Trainer Piero Gasperini passen. Atalanta steht nicht so im Rampenlicht, spielt aber trotzdem international. Hier passt alles. Er müsste nur deutliche Abstriche beim Gehalt machen."

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