BVB | Transfers: Darum steht Dortmund vor einer besonderen Herausforderung

Die Corona-Krise wirft bereits jetzt ihren Schatten auf die kommende Transferperiode voraus. Wie den anderen Bundesligisten bereitet auch dem BVB die Unsicherheit im Bezug auf die Kaderplanung Sorgen. Sportdirektor Michael Zorc und sein Team stehen im Sommer vor einer nie da gewesenen Herausforderung. Kurios: Im Bezug auf eine Personalie könnte sich sogar eine ungeahnte Chance ergeben.

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Es war die letzte Mai-Woche des vergangenen Jahres, die den Fans von Borussia Dortmund nach dem knapp verpassten Meistertitel schnell wieder ein Lächeln ins Gesicht zauberte.
Mit Nico Schulz, Thorgan Hazard und Julian Brandt vermeldete der BVB innerhalb von drei Tagen drei Top-Transfers und sendete nicht einmal eine Woche nach Saisonende ein deutliches Signal Richtung FC Bayern. Sportdirektor Michael Zorcs exzellenter Arbeit auf dem Transfermarkt sei Dank.
Knapp zehn Monate später ist die schwarz-gelbe Transferwelt eine ganz andere. Die Corona-Pandemie hat die Fußballwelt innerhalb kürzester Zeit komplett lahmgelegt. Wann bzw. ob in dieser Saison überhaupt noch einmal gespielt wird, lässt sich derzeit unmöglich voraussagen. Für Dortmund wie für die anderen Bundesligisten eine nie da gewesene Unsicherheit – auch was die Kaderplanung angeht.
"Dieser Sommer wird unlustig", prophezeite Zorc jüngst im "kicker":
Stattdessen liegen weit vorangeschrittene Transfergespräche auf Eis. Vieles dürfte also anders laufen als geplant. Sowohl auf Zu- als auch auf Abgangsseite.

BVB: Bleibt Sancho nun doch?

Im Fall von Offensiv-Juwel Jadon Sancho deutet sich eine spektakuläre Wende an. Dass der 20-jährige Engländer die Schwarz-Gelben im Sommer verlassen wird, galt bis dato als sicher.
Zu steil ging seine Leistungskurve in der laufenden Spielzeit nach oben. 30 Scorerpunkte in der Bundesliga. Ein absoluter Top-Wert, mit dem er sogar Bayerns Robert Lewandowski in den Schatten stellt. Selbst im internationalen Vergleich sind gerade einmal vier Spieler besser als Sancho. Vonseiten der englischen Gazetten wurden bereits Mondsummen weit jenseits der 100 Millionen Euro als Ablöse ausgerufen.
Allerdings schmelzen nun bei den hoch dotierten Sancho-Interessenten wie dem FC Chelsea und Manchester United durch die ausbleibenden Einnahmen durch TV-Übertragungen, Sponsoring etc. die finanziellen Mittel dahin. Fallen zu viele Gelder im Kreislauf weg, ist ein Transfer dieser Größenordnung selbst für solche Top-Klubs schwer zu realisieren.
"Wir werden sehr viel weniger Transfers in diesem Sommer erleben", prophezeit auch "Transfermarkt.de"-Geschäftsführer Matthias Seidel und nennt im Eurosport-Podcast "Extra Time" noch einen zweiten Stolperstein für teure Transfers: Das Financial Fairplay.

Dortmund bleibt bei Sancho stur

Der BVB will bei Sancho trotz des drohenden Preisverfalls auf dem Spielermarkt nicht von seinen Forderungen abrücken. Laut "Sport Bild" soll die Schmerzgrenze bei 130 Millionen liegen. Eine Summe, die auch die Schwergewichte von der Insel ohne ausbleibende TV-Einnahmen erst mal an anderer Stelle wieder einnehmen müssten.
Mit Blick auf Sanchos Vertrag (läuft noch bis 2022) könnten die Auswirkungen der Krise dem BVB in diesem speziellen Fall tatsächlich in die Karten spielen. Warum einen Unterschiedsspieler wie den Engländer in diesem Sommer unter Wert abgeben, wenn man mit ihm stattdessen eine weitere Saison auf Titeljagd gehen und ihn 2021 womöglich für nicht viel weniger verkaufen kann?
Am anderen Ende der Transfer-Nahrungskette werden Zorc und der BVB dagegen selbst von den vielen Ungewissheiten der Krise ausgebremst. Nicht nur die Verhandlungen mit dem international begehrten Youngster Jude Bellingham (16) ruhen, auch die Verpflichtung von PSG-Rechtsverteidiger Thomas Meunier droht zur Hängepartie zu werden.

Bellingham, Meunier, Hakimi: Der BVB ist zum Abwarten gezwungen

Dabei soll mit dem ablösefreien Belgier laut übereinstimmenden Medienberichten von "RMC Sport" und "Sport1" schon fast alles in trockenen Tüchern gewesen sein.
Nicht auszuschließen, dass nun andere Vereine, sobald ein Ende der Corona-Krise abzusehen ist, noch dazwischengrätschen. Gerade bei Bellingham, der von halb Europa gejagt wird, ist das alles andere als unrealistisch.
Zudem läuft die Leihe von Achraf Hakimi im Sommer aus. Die offene Planstelle, die durch seinen Abgang entstehen würde, hätten die Westfalen gerne frühzeitig mit Meunier besetzt.
Zwar versicherte Hakimi, der wie Sancho in dieser Saison zu Dortmunds Besten gehört, jüngst in einem Video-Interview mit der spanischen TV-Talkshow "El Chriringuito", noch "keinen Kontakt" zu Real Madrid gehabt zu haben. Allerdings wird es angesichts der aktuellen Lage immer unwahrscheinlicher, dass Real nicht auf die Rückkehr des Marokkaners besteht.
Unabhängig davon, dass der BVB ohnehin genug damit beschäftigt sein dürfte, die Krisensituation intern zu managen, bleibt Zorc und Co. auf dem Transfermarkt derzeit also nichts anderes übrig, als abzuwarten. Ob der Sommer wirklich "unlustig" wird, ist nicht gesagt. Herausfordernd wird er allemal.
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