FC Bayern: Mit David Alaba als Abwehrchef kommt eine neue Hierarchie

Es genügt ein flüchtiger Blick auf den Kader des FC Bayern München, um festzustellen: Es herrscht ein Überangebot in der Innenverteidigung. Acht Akteure kämpfen um zwei Positionen. Durch die Beförderung von David Alaba zum Abwehrchef hat sich die Hierarchie und der ursprüngliche Plan verändert. Hinzu kommen die Unsicherheiten durch die Coronakrise. Eurosport.de gibt einen Überblick.

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Hansi Flick ist als Trainer bekannt dafür, dass er Stimmungen im Kader des FC Bayern München erkennt, einordnet und moderiert. Im Mannschaftsteil der Innenverteidigung wird der 55-Jährige künftig sein ganzes Können aufbieten müssen. Denn dort herrscht ein regelrechtes Überangebot. Allen Ansprüchen gerecht zu werden, wird eine riesige Herausforderung.
Ganz unschuldig daran ist Flick selbst nicht. Er beförderte David Alaba in der Winterpause kurzerhand zum "Abwehrchef". Die hervorragenden Leistungen des Österreichers, der kurz vor seiner Vertragsverlängerung stehen soll, gaben ihm recht. Gleichzeitig schoss Alphonso Davies auf der linken Verteidigerposition so dermaßen in die Höhe, dass er sich dort unverzichtbar machte.
Die Hierarchie hat sich dadurch verschoben, was die Zukunftsplanung nicht gerade vereinfacht. Denn niemand weiß, wie sich der Transfermarkt in Zeiten der Coronakrise verhält. Und ursprüngliche Wechselwünsche werden eventuell aufgrund von sicheren Verträgen etwas weiter in den Hintergrund gerückt.
Gleichzeitig gibt es beim FC Bayern das Ziel, konsequent Talente einzubauen. Natürlich sind das Luxusprobleme, die ihresgleichen suchen. Das führt auf dem Papier zwangsläufig zu "Stau", vor allem wenn noch Abwehrspieler wie Dayot Upamecano kommen sollen. Eurosport.de gibt einen Überblick.

Die Säulen:

Niklas Süle: Noch befindet sich der 24-Jährige in der Reha nach seinem Kreuzbandriss und erlitt dort zuletzt sogar einen Rückschlag. Wann er ins Mannschaftstraining einsteigen kann, ist noch unklar. Doch perspektivisch ist Süle gesetzt. Seine Stärken stehen außer Frage, er hat sich bestens entwickelt. An ihm kommt buchstäblich keiner vorbei. Sein starker Fuß ist der rechte, das macht ihn zur optimalen Ergänzung. Denn idealerweise besteht die Innenverteidigung aus einem Rechts- und einem Linksfuß.
David Alaba: Von Flick wurde er zum neuen "Abwehrchef" auserkoren, womit auch beantwortet wäre, welche Position er für ihn künftig vorgesehen hat - die des linken Innenverteidigers. Obwohl zuletzt Gerüchte aufkamen, Alaba liebäugele mit einem Wechsel, weil er sich eine Rolle im zentralen Mittelfeld vorstelle, ist es wahrscheinlich, dass sich beide Parteien auf eine Vertragsverlängerung über 2021 hinaus einigen. Der Österreicher ist ein Eigengewächs, das lassen die Bayern nicht so einfach zu einem direkten Konkurrenten im Kampf um den Champions-League-Titel ziehen.

Die Herausforderer:

Lucas Hernández: Für ihn war ursprünglich die Rolle des Abwehrchefs vorgesehen. Zumindest wird Sportdirektor Hasan Salihamidzic ihm diese Perspektive aufgezeigt haben, als er ihn von einem Wechsel von Atlético Madrid an die Isar überzeugte. Allerdings hat der Rekordtransfer (80 Millionen Euro) ein "Seuchenjahr" hinter sich - und findet sich nun in neuer Rolle wieder. Seine Qualität steht außer Frage, doch mit Alaba vor der Nase muss er seinen persönlichen Plan bei Bayern - nun ja - etwas anpassen.
Benjamin Pavard: Als Innenverteidiger geholt, aber meist als Rechtsverteidiger eingesetzt, weil Joshua Kimmich unter Flick dauerhaft auf die Sechs durfte. Latent ist zu spüren, dass sowohl er als auch der Verein das nur als Zwischenlösung sehen. Flick machte unter anderem im Trainingslager in Doha klar, dass er Pavard lieber innen einplanen würde. Das gebe ihm "mehr Optionen". Auch Pavard sieht sich als Innenverteidiger. Im Idealfall ist der Franzose der Backup für Süle.

Die Talente:

Lukas Mai: Er ist immer noch erst 20 Jahre alt, aber der Durchbruch bei den Profis ist bei ihm noch nicht erfolgt. Und die Chancen, dass dieser noch kommt, werden zusehends geringer. Dass er in der aktuellen Saison auf keine Pflichtspielminute bei den Profis kommt, sagt viel aus. Ein Leihgeschäft oder gar ein Verkauf werden sicher diskutiert.
Bright Arrey-Mbi: Durch seine eindrucksvolle körperliche Präsenz hat er in Doha in diesem Januar schon ein Ausrufezeichen gesetzt. Kimmich und Alaba nannten ihn "ein Biest". Er ist definitiv jemand, den der FC Bayern fördern wird. Mit 17 Jahren spielt er momentan in der U19. Das Tor, was für ihn im Winter zu den Profis aufgestoßen wurde, sollte offen für ihn bleiben. Noch hat er allerdings etwas Zeit.

Die Fragezeichen:

Jérôme Boateng: Schon seit drei Jahren hegt der mittlerweile 31-Jährige Wechselgedanken. Doch zustande kam ein Transfer aus diversen Gründen nie. Sein Vertrag läuft noch bis 2021. Profi war, ist und bleibt er – deshalb kam er auch immer wieder zu Einsätzen, wenn eine Stammkraft ausfiel. Seine Leistungen waren konstant. Das zeichnet ihn aus. Selbst wenn der FCB in diesem Jahr bereit wäre, ihn ziehen zu lassen, ist die Frage, ob ein europäischer Top-Klub – und nichts anderes wird Boatengs präferiertes Ziel sein – bereit sein wird, noch in den Routinier zu investieren.
Javi Martínez: Mit 31 Jahren gehört der Champions-League-Sieger von 2013 ebenfalls nicht mehr zu den Akteuren mit langfristiger Perspektive. Wie bei Boateng ist sein Arbeitspapier bis 2021 gültig. Seit Monaten halten sich die Gerüchte um einen Weggang, immer wieder er dabei mit seinem Ex-Klub Athletic Bilbao in Verbindung gebracht. Flick weiß aber auch, wie wichtig Martínez in der Kabine ist: "Javi ist einer, auf den man sich als Trainer verlassen kann, der für einen durchs Feuer geht. Er ist ein wichtiger Teil für unsere Mannschaft." Verlängert wird sein Vertrag wohl nicht, die Wahrscheinlichkeit, dass er bleibt, ist allerdings hoch.
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