FC Bayern München: Bekommt Hansi Flick beim FCB seinen Wunsch-Kader?
Endlich herrscht Klarheit: Der FC Bayern München und Hansi Flick haben sich auf eine Zusammenarbeit bis 2023 verständigt. Aus dem Co-Trainer, Interimscoach und Cheftrainer auf Zeit wird Bayerns Mann der Zukunft. Mit dem neuen Vertrag und dem gestiegenen Status im Verein hat Flick nun die Option, sich voll in die Kaderplanung einzubringen. Bleibt die Frage: Wie viel Freiraum lassen ihm die Bosse?
Eurosport
Fotocredit: Eurosport
Hansi Flick ist öffentlich nie in die Offensive gegangen, als es noch darum ging, wie lange er wohl beim FC Bayern bleiben darf. Nicht nach seinem Rekordstart mit vier Siegen und 16:0 Toren, nicht nach der Rückeroberung der Tabellenspitze in der Bundesliga und auch nicht, als der Verein sich in den vergangenen Wochen trotz der Unterbrechung des Spielbetriebs viel Zeit ließ. "Fußball ist ein Tagesgeschäft", hatte Flick immer wieder betont, da könne viel passieren. Er sei sehr zufrieden mit seiner Rolle.
Da sprach natürlich der Medienprofi Flick, der freundlich, bescheiden und souverän seine Aufgabe bei Deutschlands größtem Fußball-Klub erfüllt. Das bedeutet aber nicht, dass der ehemalige Bayern-Profi nicht klar formuliert und fordert, was er sich hinsichtlich seines Kaders vorstellt. "Wenn es um Neuzugänge und Verstärkungen geht, muss der Trainer aus meiner Sicht ein Vetorecht haben", hatte er gegenüber der "Sport Bild" wissen lassen und damit ein heikles Thema angeschnitten.
Rummenigge macht Flick Versprechen
Beim FC Bayern taten sich in der Vergangenheit einige Trainer sehr schwer damit, das übermächtige Führungs-Duo Uli Hoeneß/Karl-Heinz Rummenigge von ihren Ideen zu überzeugen. Flick hat zumindest die Zusage, dass er bei Transfers und Vertragsverlängerungen angehört wird, wie Vorstandschef Rummenigge gegenüber der "Bild" betonte:
Der Begriff Mitspracherecht lässt freilich eine Menge Interpretationsspielraum und es wird interessant zu beobachten sein, wie sich das auf kontroverse Themen auswirkt. So gilt Flick bei der Suche nach einem neuen Stürmer als Befürworter von Leipzigs Timo Werner, während Sportdirektor Hasan Salihamidzic eine Verpflichtung von Manchester-City-Star Leroy Sané favorisiert.
Werner oder Sané? Eine Chance für Flick
Flick sieht in Werners Entwicklung "einen gewaltigen Sprung", der 24-Jährige sei in der Lage, "bei vielen Top-Mannschaften zu spielen". Zum Beispiel beim FC Bayern, so die Message zwischen den Zeilen. Salihamidzic wiederum hatte vor ein paar Wochen gegenüber der "Sport Bild" auf mögliche Probleme eines Werner-Wechsels hingewiesen. Der Stürmer brauche "mit seiner Schnelligkeit mehr Räume". Die habe er "in dem System, das Leipzig spielt".
Dennoch spricht aktuell mehr für den Leipziger, nachdem Sané aufgrund seiner langen Verletzungspause, der höheren Transfersumme sowie der irritierenden Verhandlsungstaktik nicht mehr als unumstrittener Wunschspieler gilt. Für Flick birgt diese Gemengelage die Chance, den Werner-Deal durchzudrücken und damit ein Ausrufzeichen in eigener Sache zu setzen.
Wesentlich mehr Arbeit wartet aber intern. Mit Manuel Neuer, Thomas Müller, David Alaba, Jérôme Boateng, Javi Martínez, Thiago Alcántara und Sven Ulreich stehen sieben Spieler im Kader, deren Arbeitsverhältnis am 30. Juni 2021 endet. Die Leihverträge von Ivan Perisic und Philippe Coutinho laufen sogar schon in diesem Sommer aus.
Flick muss sich Gedanken machen, auf welche Spieler er mittelfristig bauen will und bei welchen Profis ein Transfer die bessere Lösung ist.
Flick braucht Fingerspitzengefühl in der Torwart-Frage
Besonders in der Torwartfrage müssen Flick und die Verantwortlichen Fingerspitzengefühl beweisen. Stammkeeper Neuer ließ schon durchblicken, dass er nicht gewillt ist, für Neuzugang Alexander Nübel auf Einsatzminuten zu verzichten. Darüber hinaus soll er laut "kicker" auf einen Langzeitvertrag bis 2025 bestehen - was den Bayern offenbar zu riskant ist. Die Verhandlungen stocken. Flick machte indes klar, dass er voll auf Neuer setzt:
Bei Nübels Verpflichtung sei er "nicht gefragt" worden, so Flick. "Das war ein Thema, das die nächste Saison betroffen hat, ein Vorgriff auf die Zukunft, bei dem ich auch nicht zwingend eingebunden werden musste." Dennoch wird es in Zukunft entscheidend sein, wie der Coach das Torhüter-Thema moderiert - zumal es mit Ulreich noch einen dritten Mann gibt, der laut Flick einen "großartigen Job" mache.
In der Bewertung seiner Arbeit als Trainer, darüber macht sich Flick keine Illusionen, wird es am Ende aber nur um eines gehen: Hat die Mannschaft Erfolg oder nicht?
Dem muss und wird er alles unterordnen, schon aus Eigeninteresse. Liefert er Titel, bekommt er mehr Mitsprache und möglicherweise sogar das gewünschte Vetorecht in Transferfragen - aber all das will erst erkämpft sein. Oder wie es Vorstandsmitglied Oliver Kahn so treffend auf den Punkt brachte: "Es gehört zur Kultur des FC Bayern, intern hart in der Sache zu diskutieren."
Das könnte Dich auch interessieren: City-Star Sané: Darum ist keiner für Bayern (mehr)
Ähnliche Themen
Werbung
Werbung
/origin-imgresizer.eurosport.com/2024/12/22/image-98b602cb-ae46-4c06-8857-c6197f655aaf-68-310-310.jpeg)