FC Bayern München: Neun Fragezeichen - darum geht es jetzt um die Zukunft
Der FC Bayern München steht vor einer entscheidenden Phase, was die kurz- und mittelfristige Zukunft der Mannschaft anbelangt. Die vertragliche Situation von nicht weniger als neun Profis zwingt den Rekordmeister zum Handeln. Das Problem: Dabei gibt es so viele Faktoren und Unsicherheiten wie nie zuvor. Es wird jetzt auf das Verhandlungsgeschick und die taktische Finesse der Klub-Bosse ankommen.
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Doch doch, den "FC Bayern würde es noch geben", versicherte Karl-Heinz Rummenigge im Interview mit der "FAZ". Man wäre "auch noch spielfähig". Der Vorstandchef beantwortete damit die Frage, wie es denn um den Rekordmeister und seine Profis stünde, sollte in diesem Jahr infolge der Corona-Pandemie nicht mehr Fußball gespielt werden. In Rummenigges Aussage schwingt natürlich ein humoriger Unterton mit, doch die Bayern müssen jetzt darüber nachdenken, welches Gesicht die Mannschaft im Jahr 2021 tragen soll.
Der Grund: Mit Manuel Neuer, Thomas Müller, David Alaba, Jérôme Boateng, Javi Martínez, Thiago Alcántara und Sven Ulreich stehen sieben Spieler im A-Kader, deren Arbeitsverhältnis mit dem Rekordmeister am 30. Juni 2021 endet. Die Leihverträge von Ivan Perisic und Philippe Coutinho laufen sogar schon in diesem Sommer aus.
Sinken die Transfermarkt-Preise erstmals nach 25 Jahren?
Was die Situation für den Verein so knifflig macht, ist die komplett unsichere Lage auf dem Transfermarkt. Welche Klubs geraten finanziell in Not? Steigen oder sinken die Transfersummen? Was passiert, wenn die Saison über den 30. Juni hinausginge und viele Spieler dann keinen gültigen Vertrag mehr hätten? Fragen über Fragen, aber kaum belastbare Antworten, weshalb Rummenigge zur Ruhe mahnt:
Das werde "die Preise auf dem Transfermarkt zum ersten Mal seit dem Bosman-Urteil vor 25 Jahren drücken", glaubt der 64-Jährige.
Personalie Flick noch immer nicht geklärt
Was speziell bei Bayern hinzukommt, ist die noch immer offene Zukunft von Trainer Hansi Flick, die mögliche Neuzugänge abschrecken könnte.
Der ehemalige Bundesliga-Stürmer Jan Aage Fjörtoft etwa gab bei "Sport 1" zu bedenken, dass viele Stars die Qual der Wahl haben und daher die Trainerfrage eine entscheidende sei. "Er überlegt, unter wem möchtest du arbeiten? Neun von zehn Spielern in England sagen Jürgen Klopp - das ist ein Vorteil für Liverpool", so der Norweger. Die Situation beim FC Bayern sei dagegen unklar:
Die beste Option, den Kader unabhängig vom Transfermarkt auf Topniveau zu halten, ist die Verlängerung der 2021 auslaufenden Verträge von Leistungsträgern - was sich leichter anhört, als es zu sein scheint.
Lage bei Neuer und Ulreich unklar
Das fängt schon auf der Torhüter-Position an. Neuer würde dem FCB laut "kicker" zwar gerne treu bleiben, aber nur, wenn der neue Vertrag langfristig angelegt wird und bis 2025 läuft. Das wiederum soll dem Verein bei einem 34-Jährigen, der noch dazu rund 15 Millionen Euro pro Saison verdient, mit zu viel Risiko verbunden sein. Eine Annäherung beider Parteien steht noch aus, ob der viermalige Welttorhüter in München bleibt, ist reine Verhandlungssache.
Bei Ulreich dagegen steht die sportliche Perspektive im Vordergrund. Der 31-Jährige ist seit Jahren ein zuverlässiger Ersatz für Neuer, wenn der ausfiel. 69 Mal stand Ulreich, seit 2015 bei den Bayern, in Pflichtspielen zwischen den Pfosten. Langsam aber will er mehr, wie er im Januar im Interview mit "Sport 1" verriet:
Das heißt aber nicht, dass er das Feld kampflos räumt, daran hat auch die Verpflichtung von Alexander Nübel nichts geändert. "Wenn ich bleibe, werde ich alles dafür tun, um hinter Manuel die Nummer zwei zu bleiben. Ich scheue keinen Konkurrenzkampf", so Ulreich.
Alaba liebäugelt mit Abschied, Müller soll bleiben
Gepokert wird im Fall von David Alaba. Der Österreicher, ein Eigengewächs aus der Bayern-Jugend, liebäugelt mit einem Wechsel ins Ausland. Er könne sich schon "vorstellen, in meiner Zukunft woanders zu spielen", ließ der 27-Jährige wissen. Glaubt man den Gerüchten der vergangenen Wochen, könnte es zu einem Wechsel zu Real Madrid oder zum FC Barcelona kommen.
Der Hauptgrund für Alaba, gerade jetzt über die Zukunft nachzudenken, dürfte sein Rollenverständnis sein. Unter Flick ist er als Weltklasse-Linksverteidiger und Weltklasse-Innenverteidiger unterwegs - und wäre doch viel lieber ein Weltklasse-Mittelfeldspieler. Eine Position, die er in München auf absehbare Zeit aber nicht bekommen wird. Dass er vor kurzem Star-Berater Pini Zahavi engagiert hat, könnte auf einen baldigen Abschied von der Säbener Straße hindeuten. Für die Bayern wäre es ein herber Verlust.
Ein wenig weiter ist man bei Müller, dessen langfristiger Verbleib so gut wie sicher ist. Auch, weil der Weltmeister von 2014 mit seinen 30 Jahren ein gutes Stück jünger ist als Neuer und unter Coach Flick wieder zur festen Größe geworden ist. Müller, die Identifikationsfigur schlechthin beim FC Bayern, steht nach Medienberichten kurz davor, bis mindestens 2023 zu verlängern.
Hängt Thiagos Zukunft von Havertz und Sané ab?
Bei Thiago stehen die Chancen, dass er bleibt, indes bei 50:50. Die Gespräche über eine Verlängerung liegen derzeit auf Eis und dürften überdies stark davon beeinflusst werden, ob Kai Havertz und Leroy Sané zu den Bayern stoßen. Für die beiden Wunschspieler müsste man tief in die Tasche greifen, das Ablösevolumen für die beiden Nationalspieler soll rund 200 Millionen Euro betragen. Wohlgemerkt sind das die Summen, über die vor der Coronakrise spekuliert wurde.
Mit einem Verkauf von Thiago könnte der FC Bayern einen Teil der Summe wieder einspielen. Die spanische Zeitschrift "Don Balón" will erfahren haben, dass der 28-Jährige bei einem Angebot ab 50 Millionen Euro gehen könne. Ex-Klub FC Barcelona soll durchaus Interesse daran haben, den Spanier wieder unter Vertrag zu nehmen.
Bei Boateng, der von britischen Medien wie dem "Mirror" oder dem "Guardian" mit Arsenal in Verbindung gebracht wird, scheint eine Vertragsverlängerung ebenso unwahrscheinlich wie bei Martínez. Beim 31-Jährigen wird über eine Rückkehr in die spanische Liga spekuliert, Ex-Verein Athletic Bilbao soll erste Option sein.
Da es als wahrscheinlich gilt, dass der FC Bayern seine Kaufoption über 120 Millionen Euro bei Barça-Profi Coutinho nicht zieht, bleibt noch die Personalie Perisic. Der Angreifer, der von Inter Mailand ausgeliehen wurde, zeigte seine Klasse als Backup und war da, wenn er gebraucht wurde. In 15 Bundesliga-Einsätzen kam Perisic auf vier Tore und fünf Assists, weshalb die Verantwortlichen in München ernsthaft in Erwägung ziehen, den Kroaten zu halten.
Es kommen verhandlungsintensive Wochen mit vielen Unwägbarkeiten auf den FC Bayern zu. Sicher scheint nur eines: Es wird den Verein auch noch im nächsten Jahr geben.
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