Platz fünf in der Bundesliga nach 13 Spieltage. Der Rückstand auf Tabellenführer Bayern München beträgt schon acht Punkte. Zu wenig für die hohen Ansprüche bei Borussia Dortmund.
Das machte Michael Zorc im Interview mit den vereinseigenen Medien unmissverständlich klar. Der 58-Jährige nutzte das Gespräch zu einer deutlichen Ansage an die eigene, hochtalentierte kickende Belegschaft. Sogar Wintertransfers schloss der Manager nicht kategorisch aus.
Ab sofort wolle er "einen anderen Geist" auf dem Platz sehen. Verbunden mit "frischem, guten und attackierenden Fußball". Dann wurde Zorc deutlicher.
Bundesliga
Unternehmen Triple-Verteidigung: Bayern-Stars unterm Brennglas
01/01/2021 AM 08:29
"Mit dem fünften Platz sind wir hier alle nicht zufrieden. Die Champions-League-Qualifikation ist immer unser Ziel und das müssen wir am Ende der Saison auch erreichen", sagte er und fügte an: "Wir haben zu Hause zu viele Spiele verloren. Da erwarte ich einfach von der Mannschaft, dass wir uns deutlich steigern. Insgesamt sind wir mit dem letzten halben Jahr in der Liga nicht zufrieden. Wir hinken unseren eigenen Ansprüchen und den von den Spielern formulierten Ansprüchen hinterher."
Diese Ansage sollte endgültig gesessen haben. Erstrecht nachdem Torjäger Erling Haaland vor einigen Tagen einen ähnlichen Ton angeschlagen hatte.
"Wir müssen neue Höhen setzen. Setzen wir einen hohen Standard. Es geht einfach darum, ab der ersten Sekunde Gas zu geben", forderte der 20-Jährige in der norwegischen Zeitung "Verdens Gang".
Dass eine grundsätzliche Leistungssteigerung den Dortmundern guttun würde, dürfte nun also klar sein. Welche Stars dürfen sich aber besonders angesprochen fühlen? Wir bringen Licht ins Dunkel.

BVB-Sportdirektor Michael Zorc

Fotocredit: SID

Marco Reus: Wird der Kapitän nochmal zum X-Faktor?

Wolfsburg (H, 03.01.), Leipzig (A, 09.01.) Mainz (H, 16.01.) Leverkusen (A, 19.01.) und Gladbach (A, 22.01.) - das Auftaktprogramm des BVB in das Kalenderjahr 2021 hat es durchaus in sich und wird sofort zeigen, wohin die Reise der Schwarz-Gelben in dieser Spielzeit geht.
Getreu dem Motto "große Spieler entscheiden große Spiele" wird es in jenen Wochen der Wahrheit besonders auf die Führungsspieler der Borussia ankommen, womit man schnell bei Kapitän Reus angelangt ist. Der 31-Jährige war lange Zeit der Fixpunkt in der Offensive des BVB, an dem sich besonders die jüngere Garde orientieren konnte.
Allerdings hat der ehemalige Gladbacher in der laufenden Spielzeit deutlich an Strahlkraft verloren. Mit lediglich drei Treffern und einer Vorlage sucht er weiterhin seine Form und zieht sich bislang eher an den Leistungen seiner Kollegen hoch als andersrum.
In den kommenden Wochen und Monaten gilt es für Reus somit sowohl sportlich als auch emotional wieder als Leader voranzugehen. Immerhin sah Neu-Trainer Edin Terzic bei seinem Debüt als BVB-Coach im Gastspiel bei Werder Bremen einen Aufwärtstrend bei seinem Schützling, der beim knappen 2:1-Erfolg nicht zuletzt als Siegtorschütze "komplett vorweggegangen" sei.
Diese Leistung sollte mindestens der Maßstab sein.

Jadon Sancho: Wann platzt endlich der Knoten?

Zumindest für einen kurzen Augenblick waren die Rückschläge der vergangenen Wochen und Monate komplett vergessen.
Sancho drehte nach seinem vorentscheidenden Treffer zum 2:0 im DFB-Pokal bei Zweitligist Eintracht Braunschweig jubelnd ab und nahm die Glückwünsche seiner Mannschaftskollegen entgegen. Ein Erfolgserlebnis zur rechten Zeit für den 20-Jährigen, der im bisherigen Verlauf fast zu keinem Zeitpunkt an seine berauschende Vorsaison (20 Tore, 20 Assists) anknüpfen konnte.
Anders als in der Champions League und im Pokal (je zwei Treffer) wartet Sancho in der Bundesliga nach wie vor auf einen Torerfolg. So stehen nach elf Einsätzen in der Liga lediglich vier Assists für den Flügelflitzer zu Buche - zweifelsohne zu wenig für eines der begehrtesten Talente im europäischen Fußball.
"Was fehlt, ist seine Leichtigkeit und seine Magie, die wir gewohnt sind. Und da werden wir ansetzen, um sie schnellstmöglich wiederzubekommen", kündigte Terzic kürzlich an. Gerade gegen tief stehende Gegner ließ Sancho zu häufig sowohl seinen Spielwitz als auch seine Torgefahr vermissen.
Die Verantwortlichen der Borussia sind jedoch weiter fest von einem Turnaround überzeugt. "Manchmal geht es schnell, dann lässt eine Aktion den Knoten platzen", weiß auch Terzic. Möglicherweise könnte sein Treffer gegen Braunschweiger genau jene Aktion gewesen sen.

Jadon Sancho (rechts; Borussia Dortmund) erzielte gegen Eintracht Braunschweig den 2:0-Endstand

Fotocredit: Imago

Julian Brandt: Ernsthafte Alternative oder Abstellgleis?

Auch für den deutschen Nationalspieler will es in dieser Saison bislang einfach nicht klappen. Der ehemalige Leverkusener konnte sich bislang auf keiner der drei Hochzeiten in die Torschützenliste eintragen. Seinen einzigen Treffer erzielte er im September gegen den FC Bayern im DFL-Supercup (2:3).
Der 24-Jährige befindet sich seit Monaten im Formtief und muss im neuen Jahr deutlich einen Zahn zulegen, um eine ernsthafte Alternative in der prominent besetzten Offensive des BVB zu werden.
Zuletzt machten sogar Gerüchte über einen vorzeitigen Abschied in Richtung Arsenal die Runde. Nach "Sky"-Informationen sollen die Vereinsoberen der Borussia einen Wintertransfer jedoch ausgeschlossen haben. Trotzdem spielt Brandt offensichtlich schon jetzt um seine Zukunft.
Nachdem der Offensivallrounder nach seiner Ankunft im Sommer 2019 eine durchaus vielversprechende erste Halbserie hinlegte, zeigte seine Formkurve in den Folgemonaten immer weiter nach unten. Seit Beginn der neuen Spielzeit trottet er gar seinen Konkurrenten hinterher. "Wir wissen alle, dass Julian besser spielen kann, als er es zuletzt getan hat", betonte Zorc vor wenigen Wochen.
Zu allem Überfluss hat Brandt auf dem Platz noch immer seine Rolle nicht gefunden - alles andere als gute Voraussetzungen im Hinblick auf die im Sommer anstehende Europameisterschaft. Schafft er in den kommenden Wochen den Tournaround?

Julian Brandt zeigte gegen Köln eine enttäuschende Leistung

Fotocredit: Getty Images

Emre Can: Findet der Nationalspieler unter Terzic seine Rolle?

Etwas überraschend findet sich auch der Nationalspieler in jener Auflistung wieder. Nachdem der 26-Jährige in den ersten Partien fast nahtlos an seine starken Auftritte aus der Vorsaison anknüpfen konnte, setzte ihn im Oktober eine Coronainfektion zunächst außer Gefecht.
Anschließend kam Can nicht mehr richtig in Tritt, auch weil er von Favre vermehrt im Abwehrzentrum anstatt auf seiner angestammten Position auf der Doppelsechs aufgeboten wurde.
Aufgrund der jüngsten Systemumstellung von Terzic (von 3-4-2-1 auf 4-2-3-1) durfte Can zuletzt wieder im zentralen Mittelfeld ran und bekam nach seinem zehnminütigen Kurzeinsatz gegen Werder Bremen vom neuen Übungsleiter prompt ein Sonderlob.
Der ehemalige Münchner habe "diese Lautstärke während des Spiels, aber auch in der Kabine und vor seiner Einwechslung vorgelebt. Er hat das unglaublich gut gemacht und seine Stärke wunderbar eingebracht", so Terzic.
Fakt ist, Can muss nachhaltig beweisen, dass er in die erste Elf gehört - egal, ob im Abwehrzentrum oder auf der Sechs. Schließlich verfügt der deutsche Nationalspieler schlichtweg über zu hohe Qualitäten, um dauerhaft auf der Bank Platz zu nehmen.
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