Liebe Fußballfreunde, lassen Sie mich diesmal mit dem schönsten Zitat des Wochenendes beginnen: "Er ist ein großartiger Mensch, mit dem man super zusammenarbeiten kann. Er behandelt alle Spieler gleich und hat immer das Beste für uns im Sinn. Er will, dass sich jeder von uns stetig verbessert. Er hat einen super Job gemacht und wir sind sehr froh, dass wir ihn haben."
Wer hat's gesagt und über wen? Leipzigs Vorstand Oliver Mintzlaff über seinen dann doch nicht ganz makellosen Siegtrainer Julian Nagelsmann? Gladbachs Manager Max Eberl über seinen Durchschnittstrainer Marco Rose? Oder doch Eintracht-Vorstand Axel Hellmann über seinen dann doch nur Beinahe-Champions League-Trainer Adi Hütter? Sie ahnen es, keiner der drei war gemeint.
Die Trainer, die in der Hinrunde ihren Marktwert unterschriftsreif getestet haben, gehören hinten raus - gefühlt (Nagelsmann) oder ganz faktisch (die zwei anderen) - zu den Verlierern dieser Saison. Gesagt hat es Jude Bellingham gestern Abend nach dem Sieg der Dortmunder in Mainz (3:1) und der damit verbundenen Champions League-Qualifikation des BVB, über seinen Cheftrainer Edin Terzic.
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Interessanterweise der einzige Trainer aus der Riege der Topklubs, der hinten raus auch deshalb sportlich so richtig erfolgreich wurde, weil die anderen sich an ihren Eitelkeiten blendeten. Dass Terzic zu den großen Gewinnern dieser Saison zählt, ist durchaus eine kleine Sensation.

Edin Terzic ist schon ein Siegertyp ...

Terzic ist heute genau 199 Tage BVB-Cheftrainer und es werden nur noch eine Handvoll Tage dazukommen, dann rückt er wieder ins zweite Glied. Seine Bilanz liest sich statistisch nicht spektakulär, von 31 Spielen hat er 19 gewonnen, das ist okay, mehr nicht.
Co-Trainer Terzic übernahm Dortmund vom Chef-Missverständnis Lucien Favre Mitte Dezember auf Platz fünf, aktuell steht Platz drei zu Buche, auch das klingt eher als nice to have, tatsächlich könnten die Unterschiede gar nicht größer sein.
Terzic hat aus einer schwächelnden Therapiegemeinschaft wieder eine selbst- und spaßbewusste Zirkustruppe gemacht. Die Qualifikation für die Champions League, nach streckenweise bis zu sieben Punkten Rückstand auf Platz vier, und der Gewinn des DFB-Pokals belegen das eindrucksvoll.

Borussia Dortmund | Trainer Edin Terzic

Fotocredit: Getty Images

... Marco Rose noch nicht

Und jetzt soll also dieser hochbegabte junge Trainer, 38 Jahre jung, ins zweite Glied zurücktreten als Co von Marco Rose? Glaubt irgendjemand in Dortmund, dass das gut gehen wird?
Als Sportdirektor Michael Zorc am Wochenende darauf angesprochen wurde, meinte er nur, wenn Edin andere Vorstellungen habe, wird er sicher auf uns zukommen. Wenn Terzic clever ist, dann wartet er erst mal ab bis Mitte Dezember, dann dürfte es in Dortmund wieder mal eng werden in Sachen Cheftrainer.
Was dann zu tun ist, weiß keiner besser als eben dieser Edin Terzic.

Wie passt Mittelmaß zum Dortmunder Anspruch?

Es war höchst aufschlussreich, wie auf einmal die Trainer auf dem Transfermarkt zur großen Begehrlichkeit hochstilisiert wurden. Kaum winkte der eine Topklub mit ein paar Scheinchen mehr, waren den Trainern ihre Verträge, ihre Arbeit und die Erfolge, die mühevoll aufgebaute Binnenarchitektur in ihren Bis-Dato-Klubs wurscht. Ehe sie sich versahen, war kaputt, was sie über Jahre erarbeitet hatten.
Den Anfang machte Rose, der sich zu höherem berufen sah als Traditionsklub Gladbach, mit dem er in der Champions League reüssierte. Als feststand, dass er nach Dortmund wechseln würde, folgte eine historische Serie von sieben Pleiten in Folge. Heute steht Gladbach wie Rose für Mittelmaß, nicht einmal für die Europa League reichte es mehr.
Wie das zum Dortmunder Anspruch passt, den Bayern auf die Nerven zu gehen? Unklar!

Marco Rose

Fotocredit: Getty Images

Der gescheiterte Adi ...

Ähnliches Bild in Frankfurt: Der lange hochgeschätzte Adi Hütter hatte sich mit der Eintracht schon so gut wie sicher für die Champions League qualifiziert. Dann kam der rotierende Lockruf aus Gladbach und fortan verweigerte seine Truppe die Gefolgschaft.
Die historisch erstmalige Teilnahme der Eintracht in der Königsklasse ist Geschichte, das peinliche 3:4 gegen Schalke ist ebenfalls historisch, ebenso das Bonmot von Trainer Hütter von der Vorwoche: "Es liegt nicht am Trainer, es liegt nicht am Team." An wem denn dann?

... und Julian, der Superstreber

Und dann also, wenn auch auf einem anderen Niveau, Superstreber Julian Nagelsmann, der sich mit Pokalsieg - als eine Art Summa-cum-laude-Abschluss - seinen künftigen Arbeitgeber Bayern München beeindrucken wollte - auch das wurde bekanntlich nichts.
"Vercoacht" schrieben die Kritiker nach dem Finale, was Nagelsmann gleichmal zu einer sehr selbstbewusst vorgetragenen Medienschelte nutzte. Derlei Ablenklungsmanöver hatte der erstaunlich geerdete Jungtrainer Edin Terzic gar nicht nötig.

ZUR PERSON THILO KOMMA-PÖLLATH:

Der Sportjournalist und Buchautor ("Die Akte Hoeneß") beleuchtet in seinem wöchentlichen Blog "Der LIGAstheniker" das Geschehen in der Fußball-Bundesliga für Eurosport.de. Oft skeptisch, ironisch, kritisch - aber einer muss schließlich den Ball flach halten.
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