Liebe Fußball-Freunde,

wenn man etwas über Anspruch und Wirklichkeit der beiden größten lebenden Bayern-Verfolger erfahren will, dann reicht es manchmal völlig aus, einfach nur den Klischeesätzen ihrer Spieler und Leader zu lauschen.

Bundesliga
"Es war geil!" Die Reaktionen zum Spektakel zwischen Bayern und Leipzig
05/12/2020 AM 19:56

Am 10. Spieltag war dabei das, was die Protagonisten von RB Leipzig und Borussia Dortmund so von sich gaben, schon deshalb besonders interessant, weil das gesprochene Wort so unterschiedliche Signale sendete.

Nehmen wir zum Beispiel Emil Forsberg, der Leader und bis zu seiner Auswechslung beste Leipziger im Spitzenspiel gegen die Bayern: "Es war geil auf dem Platz zu stehen, für solche Spiele lebt man". Und Emre Can, Wort- und Spielführer des BVB sagte nach dem enttäuschenden Unentschieden in Frankfurt: "Auf dem Platz war es heute nicht angenehm, Fußball zu spielen." Ach, so!

Bayern-Jäger? Der BVB ist es nicht ...

Leipzigs Trainer Julian Nagelsmann erklärte nach dem Spiel, dass sich seine Jungs bewusst machen müssten, dass sie "richtige Maschinen" seien, für Dortmunds Lucien Favre sind einige seiner Spieler, "die lange nicht gespielt haben", vielmehr Mimosen, denen er das schwache Spiel anzukreiden versuchte.

Dann nannte er auch noch Namen wie die von Dan-Axel Zagadou oder Nico Schulz. Wenn der 10. Spieltag etwas gezeigt hat, dann, wer der wahre Meisterschaftsrivale der Bayern ist.

Und es ist nicht der Klub, der sich vor allem in seiner selbstzufriedenen Komfortzone bewegt: Richtig, der BVB ist es nicht!

Favres Missverständnis von Öffentlichkeit

"Ich bin immer okay mit einem Punkt", das sagte Lucien Favre auf der offiziellen Pressekonferenz des Spiels. So einen Unsinn, und das macht wohl den Unterschied aus, würde Julian Nagelsmann nie erzählen. Hansi Flick natürlich auch nicht.

Der Satz sagt viel über die Ambitionen des Dortmunder Trainers aus, die auch nichts mit den Ambitionen seiner Chefs zu tun haben, Sportdirektor Michael Zorc und Boss Aki Watzke. Dass er ihn dennoch in aller Öffentlichkeit so platziert, zeigt wohl nur einmal mehr, dass er selbst im dritten Jahr seines Engagements nicht verstanden hat, dass - insgeheim, wenn auch nicht vollmundig ausgesprochen - die Meisterschaft sein Ziel muss.

Favre: Darum musste Brandt für Moukoko im Sturm weichen

Es zeigt einmal mehr, dass Favre für Dortmund der falsche Trainer ist, zumindest dann, wenn Dortmund hierzulande nicht die ewige Nummer zwei bleiben will. Wobei: Der jüngste Spieltag und der Blick auf die Tabelle zeigen eindrucksvoll, dass Favres Dortmunder durchaus noch von Leipzig oder auch Leverkusen nach hinten durchgereicht werden könnten.

Nagelsmanns Erfolgshabitus

"Ich bin nie zufrieden mit einem Punkt", das hat Nagelsmann am Samstagabend so nicht gesagt, aber das ist der ganze Habitus, den dieser für viele so sympathische Trainer ausstrahlt. Nach dem teilweise spektakulären 3:3 seiner Leipziger beim FC Bayern hätte er sich jeden Überschwang leisten können, die Kommentatoren und Fragesteller verzehrten sich nach einem euphorischen Nagelsmann, der ihnen gar nicht erst den Gefallen tat.

Julian Nagelsmann (l.) und Hans-Dieter Flick (re.)

Fotocredit: Getty Images

Der war längst weiter, nämlich beim "Endspiel" seiner Champions League-Gruppe am Dienstag zu Hause gegen Manchester United. Nur ein Sieg hilft zum Weiterkommen in die K.o.-Phase, alles andere wäre eine kaum verzeihbare Enttäuschung für das Anspruchsdenken der Nagelsmänner.

Meister: Leipzig will und kann es

Dass ihr Trainer im Spiel gegen die Bayern deshalb nach einer Stunde und bei einer eigenen 3:2-Führung anfing, seine besten Spieler und Leistungsträger vom Feld zu holen - erst Forsberg, dann Marcel Sabitzer und Nordi Mukiele - zeigt nur das irre Selbstverständnis dieses Trainers, der sich zukünftig seinen Arbeitsplatz in Europas großen Fußballmetropolen wohl ganz bequem wird aussuchen können.

Nagelsmann gelang dieses Spektakel gegen die Bayern "im Schongang" (Süddeutsche Zeitung). Nicht auszudenken, wenn der wirklich ernst macht. Wenn Bayern also nicht schon wieder Meister werden will - Leipzig will und kann es auch.

Das könnte Dich ebenfalls interessieren: Ruf doch mal an, Jogi! Müller ist schon in EM-Form

Gladbach muss aufpassen! Bayern jagt Star-Duo

Bundesliga
Sechs Tore im Ligagipfel: FC Bayern kommt mit blauem Auge davon
05/12/2020 AM 19:25
Bundesliga
"Werden den Weg mit ihm weitergehen": Zorc unterstützt Terzic
VOR EINER STUNDE