David Alaba wird den FC Bayern mit großer Wahrscheinlichkeit im Sommer verlassen und sich Real Madrid anschließen .
Wegen seiner Fähigkeiten im Spielaufbau und seiner kommunikativen Art hat Hansi Flick Alaba zum Abwehrchef gemacht.
Weil mit Alphonso Davies ein absolutes Toptalent auf der Linksverteidigerposition in die Mannschaft gerückt und viel schneller als gedacht Konstanz in seine Leistungen bekommen hat, ist Alaba auf der Seite auch nicht vermisst worden und konnte sich zum Abwehrchef entwickeln.
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Auch wenn die Defensive zuletzt stark wackelte und zurecht in der Kritik stand, wird Alaba ein großes Loch hinterlassen. Ein Nachfolger muss her!

Hernández bringt alles mit für die Alaba-Nachfolge

Flick bevorzugt in der Innenverteidigung einen Rechts- und einen Linksfuß, um im Spielaufbau flexibler zu sein. Gerade das Schlagen von Diagonalbällen ist gegen tiefstehende und kompakt verschiebende Gegner ein wichtiges Mittel – und das können auch Weltklassespieler in der Regel nur mit ihrem starken Fuß. Einer, der Alabas Rolle übernehmen könnte, arbeitet schon längst an der Säbener Straße: Lucas Hernández. Der Franzose, der im Sommer 2019 für 80 Millionen Euro zum Rekordmeister gelotst worden ist, zeigt sich zuletzt stark verbessert.
Der flexible Abwehrspieler, der sowohl auf der linken Abwehrseite als auch in der Innenverteidigung eingesetzt werden kann, bringt alles mit, um Alabas Nachfolge anzutreten. Hernández´ Passspiel ist druckvoll und genau, dabei hilft ihm sein guter erster Kontakt bei der Ballannahme, er verliert hier keine Zeit und hat den nächsten Pass in der Regel schon im Kopf.

Lucas Hernández kam in dieser Saison bisher nur auf 17 Einsätze

Fotocredit: Getty Images

Eine weitere Qualität sind seine Spielverlagerungen. Besonders wenn Bayern gegen einen Gegner mit nur einem Stürmer spielt, zeigt Hernández immer wieder folgende Spieleröffnung: Nach einem Querpass vom anderen Innenverteidiger nutzt er die Überzahl gegen die anlaufende Spitze und dribbelt einige Meter ins Mittelfeld.
Der Gegner schiebt dann noch weiter auf seine Seite und verkürzt die Abstände im Defensivblock – schließlich will man keinen Pass auf Spieler wie Thomas Müller zwischen den Ketten zulassen. Hernández erkennt diese Situationen und schlägt sehr präzise Diagonalbälle auf die rechte Seite. Auffällig dabei ist, dass die Bälle mit einer recht flachen Flugkurve gespielt sind. Das spart Zeit und der Empfänger kann den Ball im Idealfall schon mit dem Fuß oder Oberschenkel aus der Luft nehmen und muss nicht die anspruchsvollere Lösung mit der Brust wählen. Diese Verlagerungen können immer wieder für Situationen sorgen, in denen ein Flügelspieler á la Leroy Sané in ein isoliertes Eins-gegen-Eins kommt – Situationen, die der FC Bayern gegen tiefstehende Gegner dringend braucht.

Darum muss(te) Hernández sich hinten anstellen

Auch defensiv bringt Hernández alle Fähigkeiten mit, um als Innenverteidiger wichtig zu werden. Er ist sehr schnell und gerade im Oberkörper sehr robust. Bei Laufduellen schafft er es dank seines Tempos regelmäßig auf die Innenbahn und kann diese durch geschickten Körpereinsatz halten. Dass Geschwindigkeit allein bei einer so hochstehenden Verteidigung wie beim Rekordmeister nicht immer reicht, ist allerdings auch ein Teil der Wahrheit. Hernández macht noch zu oft den Fehler, dass er zu frontal zum Spielgeschehen steht. Kommt der Ball dann über die hohe Kette, muss er sich erst komplett drehen und kann erst dann Tempo aufnehmen. Dieser Bewegungsvorsprung des Stürmers ist auch mit seinem Tempo schwer aufzuholen.
Dass der Weltmeister von 2018 sich bislang in der Innenverteidigung, seiner eigentlichen Paradeposition, hinten anstellen musste, ist kein Zufall. Von seinen bisher 44 Einsätzen für die Bayern durfte er nur 16 Mal innen ran – und das fast ausschließlich in den Spielen gegen eher kleinere Gegner. Der Franzose ist kein Lautsprecher und Organisator wie Alaba, Kimmich oder Neuer. Das Verteidigen beim FCB ist allerdings extrem anspruchsvoll und Kommunikation ist ein absolut wesentlicher Faktor. Das Pressing muss von hinten geleitet, die Restverteidigung in der letzten Kette organisiert werden. Hier muss Hernández deutlich zulegen, wenn er dauerhaft auf "seiner" Position eingesetzt werden will.

Jérôme Boateng und Lucas Hernández feiern - FC Bayern München

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Den Großteil seiner Einsatzzeit beim Rekordmeister verbrachte Hernández auf der Linksverteidigerposition. Hier ließ er wenig anbrennen und konnte mit seiner Dynamik immer wieder das Spiel ankurbeln. Aktuell ist er dort wichtiger für die Mannschaft, zumal Alphonso Davies nach seinem Raketenstart in den Profifußball sein erstes, zu erwartendes, Leistungsloch durchläuft.
Eurosport-Check: Hernández bringt grundsätzlich alle sportlichen Fähigkeiten mit, um den drohenden Alaba-Abgang zu kompensieren. Trotzdem befindet sich Flick nun gewissermaßen in einer Zwickmühle: Hernández benötigt dringend mehr Spielpraxis als Innenverteidiger, um sowohl an sportlichen Details (seitliche Stellung beim hohen Verteidigen, rechtzeitiges Übergeben der Gegenspieler) als auch an der kommunikativen Seite des Verteidigens zu arbeiten und Sicherheit zu gewinnen.
Auf der anderen Seite ist Hernández aktuell auf der linken Seite eigentlich wichtiger, da Davies schwächelt. Die Bayern-Verantwortlichen werden bis zur Sommerpause genau hinschauen, ob Hernández die Königslösung in der Innenverteidigung sein kann. Schließlich wird die Gewichtung bei der Transferpolitik maßgeblich davon abhängen, ob man einen gestandenen Abwehrchef holt oder "nur" einen weiteren Innenverteidiger mit viel Potenzial wie beispielsweise Leipzigs Dayot Upamecano.
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