Es ist ein Sommer der Verabschiedungen beim FC Bayern. Ein großer Name nach dem anderen verlässt dieser Tage die bayrische Landeshauptstadt. Da wären zunächst die arrivierten Spieler und Identifikationsfiguren David Alaba, Jérôme Boateng und Javi Martínez, die dem Verein nach der Saison ablösefrei den Rücken kehren (müssen). Auch Triple-Trainer Hansi Flick löste seinen gültigen Vertrag vorzeitig auf und strebt nach neuen Herausforderungen.
Zu guter Letzt wurden nun auch im weiteren Trainerstab zwei prominente Abgänge publik: Vereinslegende Hermann Gerland und Weltmeister Miroslav Klose werden den FC Bayern nach der laufenden Spielzeit ebenfalls verlassen.
Was alle gemein haben: Kein Abschied verlief geräuschlos. Immer wieder drangen Berichte über interne Unstimmigkeiten nach außen, oft gab der Klub kein besonders gutes Bild in der Kommunikation ab. Im Scheinwerferlicht dieser Personalentscheidungen standen Vorstandsmitglied Oliver Kahn und Sportvorstand Hasan Salihamidzic. Insbesondere Letzterem haftet nun immer stärker der Eindruck an, andere im Verein zu vergraulen.
Bundesliga
Bayern erklärt: Darum gehen Klose und Gerland
19/05/2021 AM 06:35
Der Leidtragende dieser Umstände ist Julian Nagelsmann, dem kein leichter Start in München bevorsteht. Gleichzeitig ist der neue Coach aber auch einer der Auslöser der Situation.

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Klose mit Seitenhieb in Richtung Kahn und Bayern

Der Seitenhieb von Klose in Richtung Oliver Kahn hatte gesessen. "Was mit mir passiert und wo ich in der nächsten Saison sein werde, entscheide noch immer ich ganz alleine. Ich habe einen ganz klaren Plan", erklärte Klose in einem Interview mit dem "Kicker" und führte aus: "Ich glaube, das weiß Oliver Kahn ganz genau. Und er weiß auch, dass ich nächste Saison nicht mehr hier sein werde."
Zuvor hatte Kahn der "Sport Bild" gesagt, dass man Klose bezüglich einer Vertragsverlängerung noch keine Versprechungen machen könne. Grund dafür sei, dass Nagelsmann sein Trainer-Gespann aus Leipzig mitbringt. Daraufhin nahm Klose den Bayern kurzerhand die Entscheidung ab und verkündete seinen Abschied. Der ehemalige Weltklasse-Stürmer hat nun einige Optionen, wurde als möglicher Co-Trainer von Flick beim DFB oder zuletzt als neuer Chefcoach bei Fortuna Düsseldorf gehandelt.
Daneben ist auch für den "Tiger" die Zeit beim FC Bayern zu Ende. Trotz eines Vertrags bis 2022 wird Gerland den Verein nach mehr als 20 Jahren verlassen, weil Nagelsmann laut "Kicker" keine Verwendung für ihn hat. Der 66-Jährige will aber noch nicht in Rente gehen, sondern sich einer neuen Aufgabe stellen. Dass der Rekordmeister es nicht schafft, für den verdienten Gerland im letzten Vertragsjahr eine passende Rolle zu finden, ist extrem unglücklich in der Außendarstellung.

Nagelsmann hat Klose und Gerland "auf dem Gewissen"

Auch wenn es vermutlich nicht unbedingt seine Absicht war, hat Nagelsmann damit (indirekt) zwei Trainer auf dem Gewissen, die bei der Anhängerschaft der Münchner großes Ansehen genießen. Von Klose hatte man sich erhofft, dass er sich weiterentwickelt und in der vereinsinternen Hierarchie stetig aufsteigt. Dass diese Entwicklung in München nun abgebrochen wird, bevor der Prozess so richtig startete, ärgert viele Bayern-Unterstützer.

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Bei Gerland ist die Entscheidung eine, die dem Fan-Herz besonders weh tut. Der Kultfaktor des "Tigers" ist riesig, die Anhänger vergötterten ihn für seine Art. Zudem besaß die Trainer-Legende in der Vergangenheit auch immer wieder ein gutes Auge für Talente und wurde für seine soziale Kompetenz geschätzt.
Auch wenn die Münchner in einer Mitteilung erklärten, dass die Vertragsauflösung im Sinne Gerlands stattfand und dass für ihn "die Türen immer offen stehen werden", so ist sie doch als Konsequenz der mangelnden Perspektive zu sehen.

Nagelsmann muss Kredit bei den Fans zurückgewinnen

Es ist nachvollziehbar, dass Nagelsmann sein eigenes Trainerteam mit nach München bringt, um seine erfolgreiche Arbeit aus Hoffenheim und Leipzig fortzusetzen. Gerade Gerlands Abschied hat den neuen Coach aber eine Menge an Kredit bei den Fans gekostet - äußerst unglücklich. Wenn nun also die neue Saison startet, sieht sich der 33-Jährige neben dem sportlichen Druck auch gleich noch einer weiteren Problematik ausgesetzt.
Er muss es schaffen, den Riss zwischen Verein und Fans, der sich zuletzt durch die Handlungen von Kahn und Salihamidzic auftat und der auch an Nagelsmanns Person festgemacht wird, wieder zu flicken. Wie der teuerste Trainer der Welt die Harmonie im Verein wiederherzustellen versucht, wird ebenso spannend zu sehen sein wie seine taktische Herangehensweise an die neue Aufgabe im Süden.
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