BVB - Jadon Sancho im Formtief: Liebeskummer auf der rechten Seite
Der BVB geht mit Bauchschmerzen ins Revierderby am Samstag (ab 18:30 Uhr im Liveticker). Bei der 1:3-Niederlage in der Champions League in Rom blieben viele Leistungsträger unter ihren Möglichkeiten. Auch Offensiv-Star Jadon Sancho, der sich schon seit Wochen im Leistungstief befindet. Will der BVB seine ambitionierten Ziele erreichen, muss der Engländer wieder eine Schippe drauflegen.
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"Es gab wenige Spieler, die nur im Ansatz an ihre Leistungsgrenze gegangen sind."
Sebastian Kehl kannte am Dienstagabend kein Pardon mit den Profis des BVB. Der uninspirierte, blutleere Auftritt der Elf von Lucien Favre bei Lazio Rom (1:3) war dem Lizenzspieler-Chef übel aufgestoßen. Besonders, weil diese plötzlichen Leistungsabfälle den Verantwortlichen der Dortmunder langsam wie Déjà-vus vorkommen müssen. Und das auch noch vor dem anstehenden Revierderby am Samstag gegen den FC Schalke (18:30 Uhr im Liveticker bei Eurosport.de).
Einer, der sich Kehls Kritik besonders zu Herzen nehmen sollte, ist Jadon Sancho. Der gefeierte Jungstar, der über weite Teile der vergangenen Saison mit einer selten da gewesenen Leichtigkeit die Abwehrreihen in der Bundesliga und in Europa durcheinanderwirbelte, blieb im Stadio Olimpico einmal mehr blass.
Keine Körpersprache, keine Dynamik. Der Engländer ließ, wie es Marco Reus im Nachhinein treffend formulierte, genau wie seine Kollegen "eigentlich alles vermissen." In Halbzeit zwei steigerte sich Sancho zwar, blieb im Abschluss aber wirkungslos.
Sancho beim BVB: Die Leichtigkeit ist verflogen
An seine Leistungsgrenze ist Sancho schon seit einiger Zeit nicht mehr gegangen. Der 20-Jährige befindet sich seit Wochen im Formtief. Bereits gegen Hoffenheim fiel der schnelle Außenspieler eher durch vertändelte Chancen und Ballverluste als durch schöne Offensiv-Szenen auf und wurde folgerichtig in der 64. Minute ausgewechselt. Einzig zum Saisonauftakt gegen Mönchengladbach wusste er neben Erling Haaland und Giovanni Reyna zu überzeugen (eine Vorlage).
Natürlich wäre es vermessen, von Sancho in jedem Spiel Heldentaten zu erwarten. Dass der 20-Jährige seit Ende der Corona-Pause durchhängt, ist jedoch nicht von der Hand zu weisen. Unglaubliche 30 Scorer-Punkte legte er an den ersten 25 Spieltag der vergangenen Bundesliga-Saison auf, seither waren es saisonübergreifend in 13 Spielen gerade einmal fünf. Sanchos letztes Tor im deutschen Oberhaus datiert vom 31. Mai (6:1 in Paderborn). Die Leichtigkeit ist verflogen.
Auch Nationalcoach Gareth Southgate ist diese Entwicklung nicht entgangen. In den Nations-League-Spielen gegen Belgien und Dänemark kam Sancho nur zu Kurzeinsätzen, einen Auftritt im Freundschaftsspiel gegen Wales hatte er sich selbst verbaut, weil er mit einem Party-Besuch gegen die Corona-Auflagen verstoßen hatte. Auch diese Aussetzer neben dem Platz ziehen sich wie ein roter Faden durch die noch junge Karriere des Engländers.
BVB ist auf Sancho in Top-Form angewiesen
"Wenn er weiterhin viel arbeitet, dann kommt die Quote von ganz alleine", nahm Michael Zorc den kriselnden Sancho jüngst in Schutz. "Er muss jetzt aber dranbleiben, das ist ganz wichtig. Dann kommt die Leichtigkeit auch wieder zurück", so der BVB-Sportdirektor im Interview bei "Sport1".
Sorgen machen sich die Oberen in Dortmund also noch keine, zumindest öffentlich nicht. Doch irgendwann dürfte auch das Urvertrauen von Trainer Favre aufgebraucht sein, bei dem Sancho bis dato immer gesetzt war.
Derjenige, der aktuell am meisten an den Sancho der vergangenen beiden Spielzeiten erinnert, ist Giovanni Reyna. In Rom brachte Favre den 17-jährigen US-Amerikaner zur Halbzeit, der dem Offensiv-Spiel des BVB prompt einen sichtlichen Push gab. Reyna läuft dem Engländer langsam aber sicher den Rang ab, Marco Reus und Julian Brandt dagegen konnten Sanchos Schwächephase bislang nicht nutzen, um sich merklich für einen Stammplatz zu empfehlen. Thorgan Hazard verpasste die vergangenen Spiele aufgrund eines Muskelfaserrisses.
Ersetzen kann der BVB den 20-Jährigen aber ohnehin nicht. Dafür sind seine sportlichen Fähigkeiten zu einzigartig. Wollen die Westfalen in dieser Saison um Titel mitspielen, sind sie darauf angewiesen, dass Sancho wieder zur Top-Form findet und in den entscheidenden Situationen den Unterschied macht.
Kein Partner auf rechts: Sancho vermisst Hakimi
Über die Gründe für Sanchos Formkrise lässt sich derweil nur spekulieren. Hat es doch etwas mit dem Wechselverbot und dem geplatzten Transfer zu ManUnited im Sommer zu tun? Fehlt einfach die Fitness?
Auffällig ist auf jeden Fall, dass der BVB über die Flügel lange nicht mehr so dynamisch daherkommt wie noch 2019/20, was auch mit dem Abgang von Achraf Hakimi zu tun hat. Mit dem Marokkaner verstand sich Sancho blind, ihre Kombinationen auf der rechten Seite dürften noch heute dem ein oder anderen Linksverteidiger Albträume bescheren.
Mit Hakimis Nachfolger Thomas Meunier fehlen dagegen noch die Automatismen. Der Belgier, der ohnehin eher bemüht ist, seine Seite defensiv zuzumachen, statt sich ständig in die Offensive einzuschalten, ist bislang noch überhaupt nicht beim BVB angekommen. Zu Sanchos Nachteil, dem ein spielstärkerer Partner auf rechts sicher helfen würde.
Eine Ausrede für den Engländer darf das freilich nicht sein. "Ich bin mit 17 nach Dortmund gekommen. Einige der Jungs sind jetzt genauso alt wie ich damals. Ich bin den gleichen Weg gegangen und kann ihnen daher zeigen, was richtig und was falsch ist", hatte Sancho noch vor zwei Monaten im Trainingslager in Bad Ragaz gesagt.
Den Beweis, dass er trotz seines jungen Alters ein Anführer sein kann, blieb Sancho bislang noch schuldig. Sich im Revierderby am Samstag aus einem Formtief zu kämpfen und den BVB zum Sieg zu führen, wäre aber sicher ein Anfang.
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Quelle: Perform
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